Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891265
Achtes 
in der späten Kaiserzeit  Mappula, Orarium und Planeta (statt des 
Pallium), in der griechischen Kirche noch das Omophori on  einfach zur 
Auszeichnung der priesterlichen Dignität übernommen" wurden. Neben der 
Tunica kommt noch die Dalmatica, eine Abart derselben, als Kleid des 
Diakons und die Beschränkung des Palliums als Abzeichen bischöflicher J uris- 
diction auf. Die förmliche Ausbildung der liturgischen Gewandung fallt erst 
ins Mittelalter; wir können daher hier davon absehen und auch die noch in 
den altchristlichen Zeitraum fallenden Anfänge derselben einer später aufzu- 
nehmenden Gesannntbetrachtung aufsparen1. Dagegen seien hier noch einige 
Mittheilungen über die neuesten Funde altchristlicher Textilkunst und deren 
Technik gegeben. 
Aegyptischc Diese Funde hat uns Aegypten geliefert. Schon im Jahre 1801 war eine 
F""de' Tunica bei Sakkarah gefunden worden, aus dessen Leichenfelde dann eine 
reiche Anzahl von Textilgegenständen auftauchten, welche der Wiener Kauf- 
mann Th. Graf so glücklich war zu erwerben und welche nun ins Oester- 
reichische Museum gelangt sind. Andere auf die gleiche Fundstelle zurück- 
zuführende Stoffrcste kamen nach Turin, ins British Museum, ins Louvre. 
War man früher geneigt, diese Grabfunde der pharaonischen Zeit zuzuschreiben, 
so zeigten die Sachverständigen Untersuchungen Birchs und Karabaceks, 
dass sie der Epoche der griechisch-römischen Herrschaft im Nillandc an- 
gehörten 2. Bald wurden neue Funde der Art aus einem andern Leichenfelde 
zu Achmim, dem alten Panopolis, hervorgezogen, von denen wieder ein Theil 
durch Graf für das Oesterreichische Museum, andere Collectionen durch 
Fr. Bock u. A. für die Sammlungen in Krefeld, Düsseldorf, Nürnberg und 
namentlich auch für das Kunstgewerbemuseum in Berlin gewonnen wurden. 
In den letzten Jahren hat sich namentlich auch der Strassburger Antiquar 
R. Forrer mit dem Erwerb und der wissenschaftlichen Bearbeitung der aus 
dem Gräberfeld von Achiniln-Panopolis stammenden Textilien beschäftigt 3. 
Eine auf den gesammten Bestand dieser Funde aufgebaute Geschichte der 
spätrömischen und altchristlichen Textilkunst fehlt noch, doch können die 
ausgezeichneten Arbeiten Aloys Riegls als Vorbereitung einer solchen gelten 4. 
Schon jetzt ist abzusehen, dass die Geschichte der liturgischen Gewänder, wic 
sie uns bisher geboten war, durch diese Entdeckungen eine wesentliche Ver- 
änderung erfahren muss. 
Die Mehrzahl der in den genannten Lcichenfeldern aufgetauchten Finide 
sind Costümstüoke: kurze Aermeltuniken oder lange Aermelgewänder. Diese 
Tuniken sind in mannigfacher Weise verziert, durch Halssaum, Spangen, 
1 Eine Anzahl untergeordneter Gegen- 
stände, die mehr ein antiquarisches als ein 
kunstgeschiehtliches lnteresse beanspruchen, 
müssen hier ebenfalls übergangen werden; 
es genüge, dass hier auf die Artikel der 
Real-Eneykl. der christlichen Alterthümer 
l 32 (,Alba Tunica der Neugetaufteif), 1161 
(,Birrus'),l 189 (,Calliculae'), l 29-5 f. (,Clavus'), 
l 374 (,Dmninicale'), I 548 (Kiammadizt), 
ll 574 (,Pallium'), II 901 (,T0nsur') ver- 
wiesen werde. 
2 BIRCII-WILKINSON Ancient Egyptians 
ll 176.  KARABAUEK Katalog der Th. Graf- 
schen Funde in Aegypten. Wien 1883; der's. 
Die Th. Grafschen Funde in Aegyptcn. Wien 
1883. 
3 Idommn Römische und byzantinische 
Seiden-Textilien aus dem Gräberfelde von 
Achmim-Panopolis. Strassb. 1891; Die früh- 
christlichen Alterthümer aus dem Gräber- 
felde von Achminl-Painopolis nebst analogen 
unedirten Funden aus Köln etc. Strassbilrg 
1893. 
4 A1,. RIEGL Die ägyptischen Textilfunde 
im k. k. Oesterreichischen Museum. Wien 
1889. Vgl. dessen Abschnitt über die Textil- 
kunst in Bncnnns (ieschichte der technischen 
Künste Bd. Hi.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.