Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891232
(ieüäülß 
liturgische 
lüeidung, 
auf den Mosaiken von S. Georg in Thessalonich und S. Apollinare Nuovo1 
dargestellt. Man verhüllte aber auch den Altar an drei oder vier Seiten, wie 
das für das Abendland durch den Liber pontif. im Leben der Päpste Gre- 
gor III (731), Leo III (795), Hadrian II (867), Stephan V (885), für die 
griechische Kirche durch Paulus Silentiarius in seiner Beschreibung der Sophien- 
kirche bestätigt wurde. Diese Verhüllung sollte den geheimnissvollen Ein- 
druck der liturgischen Opferhandlungen verstärken und Unberufenen den An- 
blick derselben wehren 2. 
Ein sehr merkwürdiges Exemplar eines Kirchenvorhangs hat Swoboda 
aus den bekannten Theodor Grafschen Erwerbungen aus dem mittelagyptischen 
(lillturdistrict El-Fajum mitgetheilt 3. Das Stück war 3,71m hoch und ur- 
sprünglich breiter als die jetzt erhaltenen 1,40 m. Die bunten Theile des 
Gewebes sind Schafwolle, Kette und Einschlag ist Baumwolle. Die den 
Mosaiken von S. Georg in Thessalonich verwandte Deeoration zeigt eine über 
Stylobaten und Arcliitrav stehende Arcatur, deren Giebelfeld durch ein Mono- 
gramm, zwei Leuchter und mehrere Thiere ausgefüllt ist. Sehr bemerkens- 
werth ist die um das Ganze herumlaufende Deeoration mit Nilschlüsseln, 
dessen christliche Verwendung hier wie auf einem andern Grzifschen Gewand- 
stück (S. 103) gegen Garruccfs Bedenken4 gewährleistet ist. Swoboda setzt 
diesen in seiner Art einzigen Vorhang ins 5. Jahrhundert (Fig. 433). 
Wir kommen zu der eigentlichen liturgischen Kleidung, die früher, Liturgische 
insbesondere von den Liturgikern des 9-13. Jahrhunderts, als aus der levi-  
tischen entstanden erachtet wurde, während jetzt bei allen Saichverstandigen 
die Ueberzeugung platzgegriffen hat, dass die liturgischen Kleider in den 
ersten Jahrhunderten sich weder in Farbe noch in Schnitt von der Profan- 
kleidung unterschieden haben 5. 
Die historische Entwicklung der liturgischen Kleidung wurde von ver- 
schiedenen Autoren in drei Perioden getheilt 6, deren erste von den Aposteln 
bis auf Constantin, die zweite von da bis Karl d. Gr., die dritte bis auf 
Innocenz III gereicht hätte. Streng genommen ist diese Eintheilung un- 
richtig, da vor den Zeiten Constantins überhaupt von einer speciiisch litur- 
gischen Gewandung nicht die Rede sein kann. Die beiden wesentlichen Be- 
standtheile der römisch-antiken Tracht, die Tunica (das leinene Unterkleid: 
als Arbeitstunica kurz, armellos  Colobivzzm; als Festkleid mit Aermcln aus- 
gestattet, faltenreich herabgehend bis zu den Knöeheln  Tunica falaris, 
.Ycz'zl1u rroääpvyg) und das Oberkleid (ehemals die weite, faltcnreiche Toga, an 
1 CIAMPINI lI tab. 24. 
2 Amßnos. De ofiic. I 50. Vgl. Real- 
Encykl. II 932. 
S Ehrengabe de Rossfs S. 95 f. 
4 Storia I 170. 
5 Das hat J. SIRMOND (bei LABBE II 
1618) schon erkannt, nach ihm auch FERRA- 
Rins (De re vestiaria IV 18). BALUZE, ARINGHI, 
Bmmmcr XIV, THOMASSIN und PELLICCIA. 
Letzterer (De eccl. Pol. I 120) wie BINTERIM 
(Denkw. III 385) bezweifeln auch nicht, dass 
die Kleriker bis ins 6. Jahrhundert keine 
andere als Laienkleidung getragen haben. 
Die ursprüngliche Identität der geistlichen 
bezw. liturgischen und Profankleidung ist 
dann in unserer Zeit namentlich durch v. HEFELE 
(Beitr. zur Kirchengeschichte, Archäologie u. 
Liturgik. 'l'übingen 1864), FRANZ Bocx (Ge- 
schichte der liturgischen Gewänder. 3 Bde. 
Köln 1856-1871), MARRIOTT (Vestiarium 
christianum, the Origin and gradual Develop- 
ment of the Dress of Holy Ministry in tho 
Church. London 1868), MARTIGNY, SINKER 
(in SMITH Dich), GAnRUccI (Stor. I), KRIEG 
(in KRAUS Real-Enoykl. II 175 H1, Artikel 
,Kleidung') festgehalten worden. Auf die 
hier angegebene Litteratur ist überhaupt für 
den ganzen Gegenstand zu verweisen. 
6 So KRIEG bei KRAUS Real-Encykl. d. 
christl. Alterth. II 177.
        

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