Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886094
Die Katakomben. 
Versuch dieser Art 1. Aber ungleich bedeutender war die Thätigkeit jenes 
ausgezeichneten Gelehrten, den man nicht mit Unrecht als den Columbus dieser 
unterirdischen Welt bezeichnet hat, Antonio Bosio's, dessen erste Spuren 
in den Katakomben von 1593 datiren und der seine ganze Lebenskraft der 
Erforschung derselben widmete. Er starb, ehe er die Frucht seiner Studien 
veröffentlichen konnte (1629); sie erschienen dann 1632, fertiggestellt durch 
den Oratorianer Severano, unter dem Titel ,R0ma sotterranea". Diesseits 
der Alpen wurde das Werk hauptsächlich in Arin ghi, s lateinischer Bearbei- 
tung bekannt 2. Bosi0's Arbeit hatte grosse Mängel, und der empiindlichste 
derselben ist für uns jedenfalls der Umstand, dass die für das Werk her- 
gestellten (jetzt in der Vallicellana aufbewahrten) Zeichnungen häufig sehr 
ungenau sind und fast niemals ein zuverlässiges Urteil über die stilistische 
Ausführung und den künstlerischen Charakter der Bilder gestatten 3. Es 
muss das u1n so mehr im Auge behalten werden, als ein grosser Theil der 
noch von Bosio gesehenen Originale seither zu Grunde gegangen ist und die 
spätern Reproductionen zum grössten Theil auf ihn zurückgehen. Bei all 
dem kann Bosio's Verdienst nicht hoch genug angeschlagen werden, und man 
muss es namentlich anerkennen, dass er mit sicherm Blick die topographische 
Methode als den richtigen Weg zur Reconstruction dieser Gräberwelt er- 
kannt hat. Dass er im einzelnen oft irrte, war bei dem damaligen Zustand 
des Quellenmaterials nur zu erklärlich. Bedenklicher war, dass die zu jener 
Zeit unternommenen und noch tief bis ins 17. Jahrhundert fortgesetzten Aus- 
grabungen völlig unsystematisch betrieben wurden; dass keine geregelten Auf- 
nahmen und lnventarisirungen der Fundgegenstände stattfanden; dass letztere 
in der bedauerlichsten Weise zerstreut, ausgeführt, jeder Controlle entzogen 
und dass endlich bei den Nachgrabungen nicht sowol wissenschaftliche Ge- 
sichtspunkte als der Wunsch massgebend war, in den Katakomben Reliquien 
der Martyrer zu finden. 
Es dauerte lange, über ein halbes Jahrhundert, ehe Bosio's gelehrte Be- 
strebungen eine Fortsetzung fanden. Unterdessen wurden von Reisenden, 
welche Rom besuchten, mancherlei Notizen über die Katakomben verbreitet. 
Nicht immer harmlose, wie die des Engländers Evelyn (1645), sondern zu- 
weilen waren es Nachrichten, welche von Unwissenheit und confessioneller 
Voreingenommenheit strotzten, wie die des anglicanischen Bischofs Burnet 
(1685) und seines Landsmannes Misson (1714), welche die altchristlichen 
Coemeterien für Puticoli erklärten, in denen der römische Pöbel beigesetzt 
worden und in welche später zur Täuschung des Publicums Gemälde von 
abergläubischen Mönchen hineingemalt worden seien. 
Erst um die Wende des 17  Jahrhunderts setzte die gelehrte Forschung 
hier wieder ein. Wesentlich mehr für die lnschriften und die Culturgeschichte 
1 Hagioglypta sive Picturae et sculpturae 
sacrae antiquiores , praesertim quae Romae 
reperiuntur, explic. a IOAN. IIHEUREUX (MA- 
CARIO). Par. 1856. 
2 Roms, sotterranea, opera postuma di AN- 
TONIO BOSIO, disp.ed accr. dalP. Glov. SEVERANO 
DA  SEVERINO. In-fol. Roma 1632. Die kleinere 
Ausgabe in 40 von 1650 entbehrt eines grossen 
Theiles der Tafeln.  ARINGHfS Uebersetzung 
erschien u. d. Titel: Roma subterranea post 
A. Bosnm et IOAN. SEVERANUM. Romae 1651. 
Par. u. Köln 1659; ein lat. Auszug 1671 zu 
Arnheim, eine deutsche Uebers. ebd. 1688 
und Amsterdam 1671. 
3 Eingehende Nachweise über die Zuver- 
lässigkeit und den Werth der Zeichnungen 
Ciacconids und Bosids verdanken wir der be- 
aehtenswerthen Schrift WILPERTS: Die Kata- 
kombengemälde und ihre alten Copien. Frei- 
burg i. Br. 1891.
        

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