Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891083
Achtes Buch. 
aus der Zeit der Königin 'l'heodelinde veranschaulicht uns die damals üb- 
lichen Formen (Fig. 405). Nicht viel später fällt der mit Emaillen und mit 
kostbaren Steinen gezierte Kelch, welchen der Bischof  Eligius von Noyon 
(T 659) schuf und der sich bis zur Revolution in dem Kloster Chelles bei 
Paris erhalten hatte (Fig. 406) 1. Für die altere Zeit sind wir auf die 
Abbildungen von Kelchen angewiesen, welche sich auf Grabsteinen erhalten 
haben 2, wo Trinkgefässe verschiedener Gestalten dargestellt sind, deren litur- 
gische Bestimmung indes zweifelhaft ist 3. 
 Heute gehört zu dem Kelch die Patene (Patina, Schüssel); in der alten 
Kirche waren diese sogen. Patenae parvae nicht üblich, indem die für den 
Priester bestimmte heilige Brodesgestalt nicht auf der Patene, sondern auf 
dem Corporale lag. Die Patene war ursprünglich 
gmm ii ein der römischen Pater-a (Patella) gleichstehendes 
  flaches Trink- oder Opfergefäss, eine Schale, in 
 der die bei der Liturgie geopferten Brode an den 
 (i?  Altar hin und nach der Consecration die Brode 
  (Wie auch die Eulogien) zur Vertheilung an die 
 Hägijf  Gläubigen vom Altar weg getragen wurden. Je nach 
  dem Bedürfniss war die Fläche der Schüssel mehr 
 oder weniger vertieft; zuweilen müssen es recht 
 ausgetiefte Schüsseln gewesen sein, sonst hätte jener 
 "irüyiii  Gr so n To  4 erwähnte Comes Britanniae 
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 es sich nicht einfallen lassen können, zur Heilung 
 eines Fussübels in einer aus der Kirche geholten 
i Patene ein Fussbad zu nehmen. Das Pontificalbuchä 
 spricht von Patenen, welche 25-80 Pfund und 
 darüber wogen, die also wol mit l-Ienkeln versehen 
 waren. Bischof Venantius verehrte dem Kloster 
Fig. 40a. Km aus Cliellus. Luni im Jahre 597 eine zwei Pfund schwere silberne 
 Schüssel. Derartige Patenen dienten auch zur Auf- 
A12 KOC bewahrung des bei der Taufe und Firmung benöthig- 
  ten Chrisams (Patenae chrismales); eine silberne 
I:  Patena chrismalis schenkte nach dem Papstbuche 
Etwa  der Papst Sylvester. Bei den Griechen entsprach 
i  äßäß-  der Patena der Lateiner eine grosse Scheibe (Discus, 
7x  auch Aozrdg), welche, da die morgenländische Kirche 
Box;  " die grossen Abendmahlsbrode beibehalten hat, auch 
Fig 401 riechmh heute noch in Gebrauch ist (vgl. Fig. 407). Die 
lateinischen Patenen waren gleich den griechischen 
Disken häuiig mit Inschriften und eingravirten Bildern VGFSGDGI]. Die Ponti- 
iicalbücher von Rom und Neapelö erwähnen solche mit der Darstellung der 
Geschichte des Erlösers, die von Engeln umgeben war. Weiter werden solche 
mit den Bildnissen Petri und Pauli7 oder mit der Darstellung des Lammes 
mit dem Kreuz oder auf dem Altartisch, zuweilen auch mit hieroglyphischen 
1 Rev. archäol. V11 21. 
2 BOLDETTI 1. c. p. 208. tav. 936-31 38- 3". 
3 Vgl. Real-Encykl. II 161 ff., und K. WEISS 
Der romanische Speisekelch des Stiftes Wilten 
-in Tyrol nebst einer Uebersicht der Entwick- 
lung des Kelches im Mittelalter. Wien 1860. 
4 GREGOR. Tußon. De glor. nlart. 185. 
5 Lib. ponh, Vita. Serg. et Leon. 
6 Lib. pont, Vita Greg. IV, und Iomx 
DIAG. Vita S. Athanas. Neap. 
7BOLDETTI Osservazioni sopra i cilniteri 
cristiani p. 191.
        

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