Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891003
Bu eh 
Siebentes 
mächtigen Herrn einen ehrwürdigen, langbärtigen Evangelisten zur Seite 
stellen, der mit dem grossen Buche, das er trägt, und mit der erhobenen 
Rechten deutlich die lehrhafte Auffassung der Vorgänge ausspricht. Strzy- 
gowski fügt dem ein anderes Characteristicum der ravennatischen Werke 
hinzu (S. 50): das, dass Christus, einige Pyxiden ausgenommen, in den meisten 
dieser Schnitzereien das Stabkreuz in der linken Hand trägt. ,Es scheint 
das ein specifisch ravennatisches Motiv zu sein. So ist unter den Mosaiken 
des Mausoleums der Galla Placidia der gute Hirt stets deshalb aufgefallen, 
weil er, was sonst nie vorkommt, das Stabkreuz hält. Mit dem gleichen 
Attribute sehen wir Christus auftreten in der Apsis der 545 von Maximian 
geweihten Kirche S. Michele in Affriciscol und einem Mosaik der erzbischöf- 
lichen Kapelleg, welches Richter mit Unrecht bis in das Ende des 1. Jahr- 
tausends datirt. Aehnlich trägt auch Johannes bei der Taufe Christi in 
S. Giovanni in Fontea ein Stabkreuz. Wir werden daher annehmen dürfen, 
dass die ravennatischen Künstler aus besonderen Gründen es liebten, bei der 
Darstellung des jugendlichen Christus auf sein Erlösungswerk hinzuweisen. 
Es mag dies vielleicht mit der Strömung gegen den Arianismus zusammen- 
hängen, weil es auffällt, dass die arianischen Mosaiken von S. Apollinare Nuovo 
darin eine Ausnahme machen. S0 auch die merkwürdige Tafel der Bodleyanaf 
Die Blüte der Mailänder Schule der Elfenbeinschnitzerei setzt dann Strzy- 
gowski in die Zeit des grossen Theodosius, der dort residirte; ihr schreibt 
er die beiden grossen Tafeln des Mailänder Doms und die Werdener Reliefs 
zu. Seit im 5. Jahrhundert Ravenna zur Hauptstadt geworden, tritt Mailand 
zurück, und die mailändische Kunst Vegetirt nur mehr fort im Dienste der 
Kirche. Als Beispiele dieser Decadenz führt Strzygowski die Tafeln des vati- 
camischen und des South Kensington Museum an. Die ravennatische Kunst 
selbst zeigt seiner Ansicht nach ,einen so sehr von Rom und der altchrist- 
lichen Kunst abweichenden Charakter, dass der Einfluss von Osten her schon 
dadurch allein Wahrscheinlich wird; im 6. Jahrhundert vollends geht die ra- 
vennatische Kunst vollständig in der byzantinischen auf' (S. 58). Ich mache 
schon hier darauf aufmerksam, dass diese hier vorgelegte Schlussfolgerung 
nicht nothwendig ist; zugegeben, dass die Mosaiken, Sarkophagsculpturen 
und Elfenbeine Ravennas im 5. Jahrhundert bereits von der römischen Tra- 
dition abweichen, so folgt daraus an sich keineswegs, dass die neuen Rom 
fremden Elemente ihr von Constantinopel aus zugeführt "worden sein müssen. 
Auch Tikkanen hat, bei aller Anerkennung der Strzygowskfschen Ana- 
lyse, die Resultate derselben als noch nicht erwiesen betrachtet 4. Er hat 
zweifellos vollkommen recht mit der Behauptung, dass wir die altbyzanti- 
nische Plastik in Stein, Metall oder Elfenbein noch viel zu wenig kennen, 
um uns von ihr als Schule ein gesichertes Bild zu machen. Die ikonographisch- 
stilistische Analyse des vorliegenden Materials ist noch nicht hinreichend durch- 
geführt, und daserreichbare Material ist überhaupt an sich schwerlich hin- 
reichend, um die Aufstellung scharf umrissener und entschieden charakterisirter 
Gruppen oder Schulen heute schon zu gestatten. 
1 GARRUGCI tav. 267 2. 2 Ibid. tav. 222 3. 
3 Ibid. täv. 227 1. 
4 Harte cristiana antica e 1a scienza mo- 
derna, Roma 1891, p. 10 sg. (Estr. dall' ,Ar- 
cljivio stor. delP arte! IV,   Auf die be- 
achtenswerthen Ausführungen DOBBERTS (Zur 
Gesch. der Elfenbeinsculptur [Rep. f. Kunstw. 
1885]) haben Wir später zurückzukoznme1m.
        

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