Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890998
Kleinlgünste. 
Technische und 
geführt 1. Er nimmt an, dass Ravennna, wie die Abhängigkeit einer relativ 
grossen Zahl von Kunstwerken beweist, von allen oberitalienischen Städten 
im 6. Jahrhundert am mächtigsten in der Elfenbeinschnitzerei gewirkt habe. 
Der ravennatischen Kunst des ausgehenden 6. Jahrhunderts Weist er ausser 
der Kathedra des Maximian das Elfenbein von Pesaro und den Pariser Buch- 
deckel zu 2. Ihr schreibt er weiter die bayerische Pyxis und die des Musee 
Cluny zu 3. In die Brescianer Schule setzt er ausser der Lipsanothek den 
Prochoos aus Aeclanum, jetzt in Paris 4, und zwei Broncelampen des Vati- 
cans 5. Ihr verwandt findet er insbesondere die südfranzösischen Werke und 
u. a. das Carrandsche Diptychon. Einer dritten, Mailänder, Gruppe weist er 
die Werdener, Mailänder und Londoner Tafeln zu. Starke Einwirkungen von 
Ostrom nimmt er überhaupt schon für den Anfang des 5. Jahrhunderts an; 
auf sie führt er die in Rom gefundenen Bronceeimer mit Christus zwischen den 
Apostelnß und die Berliner Elfenbeinpyxis (vgl. oben S. 5O1)7 zurück. 
Vorsichtiger hat M. Schmid8 sich hinsichtlich der Werdener und Mai- 
länder Tafeln ausgesprochen. Die Existenz der Mailänder Schule ist ihm doch 
noch etwas zweifelhaft; die Reliefs des Maximian-Stuhles findet er byzanti- 
nischen Werken wenigstens nahe verwandt. Strzygowski dagegen, ausgehend 
von der Verwandtschaft der von ihm publicirten Einbanddecken des Evan- 
geliars von Etzschmiadzin9 mit gewissen Elfenbeinarbeiten des Abendlandes, 
kommt zu viel weiter gehenden Schlüssen. Er constatirt zunächst, dass sechs 
Werke: die Elfenbeine der Biblioteca Barberini 10, des Museo Cristiano im Vati- 
can (aus Lorch stammend) 11, des South Kensington Museum 12, der Bibliotheque 
Nationale zu Paris (Nr. 9384) 13, der Biblioteca Comunale zu Ravenna (aus 
Murano stammend) 14, zu einer und derselben Gruppe gehören, welche bereits 
W. Meyer als die fünftheiligen Diptychen bezeichnet hatte (a. a. O. S. 49) 
und zu welcher nun die Etzschmiadzin-Deckel als 7. und 8. Exemplar hinzu- 
treten. Diese Hauptgruppe zerfällt nach den Grössenverhältnissen und der 
Füllung der Seitentheile wieder in zwei Untergruppen. Er weist dann die 
Analogie auf, welche die Etzschmiadzin-Deckel mit der Kathedra des Maximian 
haben, und schreibt mit diesen Werken der ravennatischen Schule das er- 
wähnte Stück aus Murano15, die Uwaroffsche Tafel mit der Verkündigung 
Mariä und der Keuschheitsprobe derselben, die Bodleyanische Tafel zu Ox- 
ford (Christus über den vier dämonischen Thieren des Psalmes 93 thronend 
und von seinen Wundern umgeben) 16, die Reliefs der Sammlung Micheli 17, das 
liturgische Diptychon von Luxemburg 18, einige Pyxiden aus S. Ambrogio in 
Mailand (jetzt in S. Petersburg) 19, ein Gefäss aus der I-Iahnschen Sammlung 
(jetzt auch in der Eremitage) 20, eines aus dem Museum Cluny 21, eines aus dem 
Vatican 22 und endlich ein kürzlich in Wien gefundenes zu. Schon Ficker 
hatte beobachtet, dass der Kathedra, dem fünftheiligen Pariser Diptychon 
und der Pyxis in Pesaro 23 das eigenthümlich sei, dass sie dem wunderthätigen 
1 Die Darstellung der Apostel in der alt- 
christlichen Kunst (Lpz. 1887) S. 148 f. 
2 GARRUCCI tav. 439 1. 458. 
3 Ibid. tav. 439 2-3. 4 Ibid. tav. 4671. 
5 Ibid. tav. 468 B. 479 2. 
6 Ibid. tav. 426 2. 7 lbid. tav. 4401. 
8 Die Darstellung der Geburt Christi in 
der bildenden Kunst. 1890. 
9 Das Etzschmiadzin-Evangeliar (Wien 
1891) Taf.  
437 2_ 
438 a_ 
439 1_ 
1" GARRUCCI tav. 457 2. 
1' Ibid. tav. 457 1. 
12 Bei MASKELL 1. c. p. 53. 
15 GARRUGCI tav. 458. 
14 Ibid. tav. 456. 15 Ibid. 
16 Wnsmwoon 1. c. p. 55. 
" GARRUCCI tav. 448. 
18 Ibid. tav. 4521-2. 19 Ibid. tav. 
20 Ibid. tav. 4385. 2' Ibid. tav. 
22 Ibid. tav. 438 3. 23 Ibid. tav.
        

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