Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890921
Siebentes Buch. 
Leier inmitten der Wilden Thiere vorgeführt ist, und diejenige des Berliner 
Museums, welche Christus unter den Aposteln und die Opferung Isaaks dar- 
stelltl (vgl. Fig. 112). Vielleicht lässt sich bei ersterer noch an das 7. Jahr- 
hundert denken, letztere ist gewiss nicht jünger als die constantinische Zeit. 
Andere Denkmäler dieser Art besitzen die Sammlungen im Vatican, in 
Bologna, in Darmstadt, Paris (Musee Cluny), Bonn, London (British Museum), 
Wiesbaden, Sitten, Rouen, Sens, Le Puy u. s. f.2 
Reliquiurlen. Den Pyxiden schliessen sich unmittelbar die Reliquiarien bezw. die 
Elfenbeinplatten an, welche als Verschlussstücke, Deckel oder Seitenwände 
von Reliquienkästchen verwendet waren. Die spätere Zeit kennt diese Be- 
hälter hauptsächlich in der Form thurmartiger polygonaler Gefässe mit über- 
höhtem Deckel, wie diejenigen in der Kathedrale zu Sens, in den Museen zu 
Darmstadt, Hannover und Berlin. Dasjenige zu Sens ist durch seine vier- 
undzwanzig Reliefs aus dem Alten Testament und seine griechische Her- 
kunft bemerkenswerth 3. Von grösstem Werthe aber sind zwei Platten, 
welche dem 5. und 4. Jahrhundert zuzutheilen sind: das Elfenbein des 
LipsanothekDOIIlSOhalZZGS von Trier und die berühmte Lipsanothek von Brescia. 
vonmescia" Das erstere (Fig. 384V stellt die Einbringung von Reliquien in einer Kirche 
 dar. An der Spitze der Procession steht ein Kaiser, welchen am Eingang der 
Kirche eine das Kreuz tragende Kaiserin begrüsst. Ich habe diese ohne 
allen Grund vielfach auf die Einbringung des heiligen Rockes nach Trier be- 
zogene Darstellung auf die Beisetzung der Lade mit dem Gürtel Mariä in 
Constantinopel unter Kaiser Leo I (457-474) und Verina gedeutet, worin mir 
die berufene Kritik, wie diejenige de Rossfs, zugestimmt hat. Auch der 
Versuch Martinows, hier die Translation der Reliquien des hl. Stephanus von 
Jerusalem nach Constantinopel (428) unter Pulcheria (414_459) und Theo- 
dosius II (T 450) nachzuweisen, ändert nichts Wesentliches an der Datirung 
des Werkes. Etwas  vielleicht selbst um mehr als hundert Jahre  älter 
ist das Kästchen in Brescia, welches uns einen hochinteressanten Cyklus 
von alt- und neutestamentlichen Scenen bietet, der mit demjenigen des Di- 
ptychons des Prudentius und mit den Cyklen der Holzthüre von S. Sabina, ferner 
mit den Mosaiken von S. Apollinare Nuovo und dem Codex Rossanensis zu- 
sammenzuhalten ist (Fig. 385-387) 5. Die Wände des Kästchens sind von 
Platten gebildet, welche von schmalen Bändern und Friesen mit 15, die Brust- 
bilder Christi, der Apostel u. s. f. enthaltenden Medaillons umrahmt sind. Die 
Darstellungen der inneren Felder umfassen: 1. Verrath des Judas; 2. Petri 
Verleugnung; 3. Jesus vor den Hohenpriestern; 4. Jesus vor Pilatus; 5. Orans; 
1 Es wurde an der Mosel gefunden. Vgl. 
KUGLER Kleine Schriften II 329. Wnsrwoon 
l. c. N0. 767. Abgebildet bei KRAUS Die 
christliche Kunst in ihren frühesten Anfängen 
S. 122, Fig. 30. Danach unsere Fig. 112. 
2 Vgl. auch HAHN Fünf Elfenbeingefasse. 
Hannover 1862.  Ueber eine in Africa ge- 
fundene Elfenbeinpyxis mit der Brodvermeh- 
rung (jetzt in Livorno) siehe m: ROSSI Bull. 
1891, p. 47; 1892, p. 20. 
3 MILLIN Voyages I pl. 9. 10.  ARUNDEL 
Bd. VIII. 
4 KRAUS Beitr. zur trierischen Archäol. 
und Geschichte I (Trier 1868) 135. Ahgeb. 
bei AUs'M WEERTH Kunstdenkm. der Rheinl. 
I 2, Taf. 58 u. ö. KRAUS Die christliche 
Kunst in ihren frühesten Anfängen zu S. 130. 
Wnsrwoon 1. e. N0. 148. Vgl. DE ROSSI 
Bull. 1880, 106. DE LINAS in Rev. areheol. 
1881, p. 121. 
5 Die Lipsanothek wurde zuerst abge- 
bildet und erklärt bei ODERICI Antich. erist. 
di Brescia. I tav. 5 u. 6. Vgl. dazu Mit- 
theilungen der k. k. Ceutralcommission XVI 
S. LXVI. WESTWOOD l. e. N0. 91-94 (setzt das 
Werk zu spät, ins 6. Jahrhundert). LE BLANT 
Sarcoph. d'Ar1es, Introd.. Pinne 1. c. p. 
340 s. GARRUCCI VI 63, tav. 441-445
        

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