Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890898
Kleinkvügätj. 
Technische und 
Täfelchen mit dem Brustbilde Christi, welches Boldetti1 zuerst (aus S. Domi- 
tilla?) bekannt machte und welches de Rossi noch ins ausgehende 4. Jahr- 
hundert setzt (Fig. 882). 
Die Diptychen (dlnruza, doppelt gefaltet, von äig und rmiaaseu)2 waren Diptychen 
zusammengefaltete Schreibtafeln, indem zwei Blätter oder zwei Tafeln durch 
ein Scharnier zusammengefügt waren; legte man innerhalb der beiden Tafeln 
noch mehrere andere hinein, so entstanden, je nach Anzahl derselben, Tri- 
ptychen, Pentaptychen, überhaupt Polyptychen. Man bediente sich der 
Diptychen vorzugsweise als Handbücher, Tagebücher, Tragtafeln, die man 
an einem Bande am Gürtel trug und die man auch gern zur Correspondenz 
benutzte. Diese Schrifttafeln waren aus verschiedenem Material hergestellt: 
aus Holz, Metall, Schiefer, Pergament, Papyrus, Elfenbein, manchmal 
selbst aus Gold und Silber. Die Tafeln waren mit Wachs überzogen, auf 
Welches mittels eines Rohres (des calamus scrigatorizrs) oder des Griffels (stilus) 
Schrift und bildliche Darstellungen eingetragen wurden. Bald kam in Rom 
die Sitte auf, die Aussenfläche der Diptychen mit reichen Reliefs zu schmücken 
und sich solche Diptychen als Geschenk zu übersenden, die man dann mit 
Ostentation, wie heutzutage Uhren und goldene Ketten, an sich trug. Der 
Neujahrstag und der Tag des Amtsantritts, besonders der Consuln, Praetoren, 
Quaestoren, der Herrscher selbst, wurden in der Kaiserzeit vorzugsweise durch 
derartige Geschenke ausgezeichnet. Es haben sich uns nur (lonsulardiptychen, 
und zwar aus den letzten Zeiten des Imperiums, erhalten. Das älteste ist 
das des Stilicho (vom Jahre 405). Manche dieser ursprünglich profanen Di- 
ptychen gingen im Mittelalter in den Gebrauch der Kirche über und erlitten 
dann mehr oder weniger durchgreifende Umgestaltungen. Dahin gehören die 
Diptychen des Consuls Asturius (449) und das des Kaisers Anastasius (517) 
in Lüttich. Das Diptychon des Boethius, aus zwei Elfenbeinplatten bestehend, 
wurde später im Innern mit christlichen Gemälden geschmückt; sie stellten 
auf azurnem Grunde Begräbniss und Auferstehung des Lazarus, dann die 
Figuren des hl. Hieronymus, Augustinus, Gregors d. Gr. dar. Zu den be- 
rühmtesten Repräsentanten dieser sogen. gemischten Diptycha zählt das des 
Consuls Areobindus des Jüngern (506) zu Lucca und das des Consuls Flavius 
Taurus Olementinus (513) in Liverpool. Letzterem, dessen profanen Ur- 
sprung die Darstellungen der Aussenseite mit dem prächtigen Bilde des 
Consuls documentiren, wurden (zur Zeit Hadrians I?) liturgische Gebete ein- 
geschrieben. An einem von Gregor d. Gr. der Königin Theodelinde über- 
sandten Diptychon wurde die Figur des einen Consuls in die des Königs 
David umgeändert, die des andern in das Bild des Papstes, wo dann die 
Toga zur Casula, das Scepter zum Kreuz wurde; doch liess man beiden Fi- 
guren in der rechten Hand die Mappe (Fig. 383) 3. 
Wichtiger für unsern Zweck sind die rein kirchlichen oder liturgischen 
Diptychen, welche von Anfang von Christen gearbeitet und für kirchliche 
Zwecke bestimmt waren. Man hat, ohne hinreichenden Beweis, den Ursprung 
1 BOLDETTI p. 60. 61. 
2 Vgl. WILTHEMIUS Diptychon Leodienso. 
1659. SALIG De diptychis veterum t-am pro- 
fanis quam sacris. 1731. (DONATI) De' dit-tici 
degli antichi prof. e sacri. 1733. Haupt- 
werk: G-om Thesaurus diptyohorum, Op. 
posth., acc. I. B. PASSEBII Add. et praef. 
3 voll. 1'759; mit dem Nachtrag PAssERfs, 
1759. Die gründlichste Besprechung der 
profanen Diptychen bei WILH. MEYER Zwei 
antike Elfenbeintafeln der königl. Staats- 
bibliothek in München. München 1879. 
ß Gom 'l'hesaurus diptychorum vol. Il 
tab. 6.
        

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