Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890861
äigheäntes Buclk 
Die Thüre, welche den Haupteingang der um 424 von Papst Coelestin l 
gegründeten Basilika der hl. Sabina auf dem Aventin ziert, besteht aus zwei 
Flügeln aus Cypressenholz, welche zehn kleinere Felder von 0,33 m Breite 
zu 0,24 m Höhe und acht grössere von gleicher Breite und 0,80 m Höhe 
umschliessen. Die Umrahmung wurde später aus einem andern Holz hinzu- 
gefügt. 
Die ikonographische Bedeutung dieses Sculpturwerkes rechtfertigt es, 
wenn wir eine eingehendere Beschreibung desselben hier folgen lassen; ich 
wiederhole diejenige, welche ich seiner Zeit1 gegeben habe. Der Inhalt 
der Darstellungen ist nachfolgender. 
1. Kreuzigung; der Erlöser zwischen zwei Schachern (vgl. oben S. 173 
u. Fig. 136). 2. Christus erscheint zwischen zwei Frauen; die drei Gestalten 
sind durch eine Pinie und eine Eiche getrennt. Garrucci vermuthet die Scene 
Matth. 28, 9. 3. Anbetung der Weisen; im Hintergründe eine aus Quadersteinen 
aufgeführte Mauer. 4. Christus mit einfachem Nimbus, zwischen zwei eben- 
falls mit Nimben geschmückten Personen, alle bartlos. Nach Kondakoff 
Petrus und Paulus, wie sie aus Christi Händen das Gesetz empfangen; besser 
entspricht GarruccTs Deutung auf die Transiiguration. 5. Christus, bärtig, 
mit Monogramm und A60. lehrhaft vor zwei männlichen Gestalten; wol, wie 
Kondakoff übereinstimmend mit Garrucci annimmt, eine der Erscheinungen des 
auferstandenen Herrn vor den Jüngern. Im Hintergrunde wieder eine Mauer. 
6. Ein Engel, geflügelt, erscheint zwei verhüllten Frauen; im Hintergrund 
ein Gemäuer mit Fronten, also die Frauen am heiligen Grabe. 7. Christus 
sagt dem Petrus die Verleugnung voraus (Matth. 20, 34); im Hintergrund 
wieder ein Gemäuer, das dem Coenaculum diente, vorn die typische Säule 
mit dem Hahn. 8. Der Engel ergreift Habakuk, welcher drei gekreuzte 
Brode auf einem Teller trägt. Hintergrund eine Landschaft mit einem Baum 
und einem Hirten, der von einem Hund und zwei Schafen begleitet ist. 
9. Pilatus, der sich die Hände wäscht, und Christus, welcher zum Calvarien- 
berg geführt wird, das Kreuz tragend. 10. Jesus vor dem Hohenpriester 
Kaiphas. 
Es folgen dann die grossen Compositionen, welche theilweise wieder in 
je drei bezw. vier übereinander stehende Felder eingetheilt sind: Wunder des 
Herrn, chronologisch geordnet, und zwar, wie es scheint, von unten nach 
oben: I. a) Das Wunder auf der Hochzeit von Kana; b) das Wunder der Brod- 
und Fischvermehrung; c) Heilung des Blindgebornen; Letzterer, mit einem 
Stab, unter einem Gebäude. Die Erklärung scheint mir nicht unbestreitbar. 
II. a) Moses, der an den Felsen schlägt; die Hand Gottes von oben herab- 
reichend; b) drei Juden, welche Manna essen, an einem Tische, rechts und 
links solche, welche es aufgelesen. So Garrucci, wol mit Recht, während 
Dlllelnoonnr Sculpture II 182, p]. 22.  
BUNSEN Beschreibung der Stadt Rom III 1, 
415.  RUMOHR Italienische Forschungen 
I 273.  BURCKHARDT Oicerone III 5 511 
(für das 5. Jahrhundert, während die älteren 
Auflagen für das Mittelalter sprechen).  
OROWE und CAVALGASELLE Ital. Malerei, 
Deutsche Ausg. I 49 (9. Jahrhundertl).  
SCHNAASE a. a. O. VII 2 251.  DE" Rossl 
Mus. Lf. 3, p. 1, Note 5.  KONDAKOFF in 
Rev. archäol. 1877, p. 361.  DOBBERT im 
Jahrbuch der königl. preuss. Kunstsamm- 
lungen I (1880) 2.  GARRUCCI Stor. VI 
178, tzw. 319  KRAUS Real-Encykl. II 86211. 
 BERTHIER La porte de Ste-Sabine. Fribourg 
en S. 1892.  STRZYGOSVSKI Das Berliner 
Moses-Relief und die 'I'hüren von S. Sabina 
in Rom (Jahrb. der königl. preuss. Kunst- 
samml. XIV [1893] 65).  PERATE 1.0. p. 332 s. 
1 Real-Encykl. II 863.
        

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