Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890825
Wenige WVerke des Alterthums lassen uns den anmuthigen und liebens- 
würdigen Sinn der antiken Welt in einem anziehendern Lichte erscheinen als 
jene Erzeugnisse der G0ldschmiede- und Steinschneidekunst, welche uns in 
den Ringen und geschnittenen Steinen erhalten sind. In unseren Museen 
pflegt das Publicum, von den Schöpfungen der Sculptur und Malerei meist 
ganz in Anspruch genommen, diesen bescheidenen und unscheinbaren Werken 
wenig Aufmerksamkeit zu schenken; und doch sind sie wie wenig andere 
geeignet, uns mit dem innersten Emplinden der Alten bekannt zu machen. 
Das Band, welches den Gatten mit der Gattin, den Freund mit dem Freunde 
verknüpfte; die Erinnerung Dessen, den sein Schicksal in die Ferne zog, jenes 
Andern, der ein geliebtes Wesen dahingab: all diese Dinge werden in dem 
Schmuck, der Inschrift des Ringes festgehalten. 
Das Schneiden bezw. Graviren edler Steine (caelatura, sculptura, 
Glyptik, von yulrjgßezu, aushöhlen) war eine schon vor Griechen und Römern 
von den asiatischen Culturvölkern geübte Kunst. Die Gemmen (von yäpszu, 
,v0ll sein' P) wurden vertieft (Gemwnae inscaliatcze, d-iaglyphicae, vom italienischen 
intaglriare Intaglien genannt) oder erhaben (Genzmae caelatae, eacscalptae, ectypae, 
anaglyplzicae; Cameen, so genannt von der von den Alten chama genannten 
Gienmuschel) gearbeitet. Dies Verfahren bethätigte man sowol an den eigent- 
lichen Edelsteinen (dem Rubin, Smaragd, Beryll oder Aquamarin, dem sogen. 
Plasma de smeraldo, dem Saphir, d. i. unserem Lapis lazuli, dem Chalcedon, 
Topas, Amethyst, Hyacinth) wie an den Halbedelsteinen oder edleren Horn- 
steinen (wie dem Carneol, dem für den Hochschnitt so geeigneten Onyx, dem 
Sardonix, Jaspis, Achat, Sarder, ferner an Obsidian, Granat, Türkis, Nephrit, 
Heliotrop, Quarz, Pras, Bergkrystall). Auch Opale, Mondsteine, Korallen, 
Specksteine, Tuff und Lava wurden geschnitten. Mannigfaltig; wie das Ma- 
terial war auch die Verwendung der geschnittenen Steine. Man trug sie, 
wie das seit Clemens Alexandrinus vielfach bezeugt ist, im Ringe, als Schmuck 
am Halse; man besetzte damit Trinkgefasse (potoria gerrwizata), besonders 
Kreuze (cruces gammatcze), die Gräber der Heiligen. Das Mittelalter über- 
nahm letztere Sitte in der Uebung, Reliquienkästen und Altäre mit antiken 
Cameen zu schmücken. Hervorragende Beispiele dieser Art bieten die Schreine 
der hl. Elisabeth in Marburg, der heiligen drei Könige im Dom zu Köln, Re- 
liquiarien in den Schätzen zu Troyes, S.-Denis, die Pala d'oro zu Mailand, 
die zu Venedig u. s. f.1 Bewusster- oder unbewussterweise christianisirtc 
man im Mittelalter eine Menge heidnischer oder profaner Denkmäler der 
Glyptik. Einer Caracalla-Gemme gab man die Aufschrift PETPOC; in Dur- 
ham gebrauchten die Mönche einen Stein mit dem Kopf des Juppiter Ful- 
gurator als Siegel ihrer Abtei, indem sie ihm die Beischrift caput sancti Os- 
waldi gaben. Serapisbilder wurden oft für Christusköpfe gehalten. Der 
schöne Cameo zu Paris, die Apotheose der Augusteischen Familie darstellend 
(Gemma Tiberiancv), wurde lange Zeit in der Ste. Chapelle als Darstellung; der 
Herrlichkeit Josephs in Aegypten angesehen. 
Die altchristliche Glyptik hat selbstverständlich Kunstwerke ersten Ranges, 
wie die prächtigen Cameen der Wiener und Pariser Cabinette, nicht aufzu- 
weisen. Aber es sind doch achtbarc Erzeugnisse derselben geblieben. Aus 
Real-Encykl.
        

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