Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890674
Edercykleli 
vierten, 
ffünften und 
sechsterlJlhgunderts. 
Wer immer sich mit der epigraphischen Wissenschaft beschäftigt hat, 
weiss, dass die Inschriften ein überaus getreues und zuverlässiges Bild von 
dem Zustand der Bildung einer bestimmten Periode geben. Das gilt von der 
profanen, es gilt ebenso von der christlichen Epigraphik. Höchst belehrend 
ist es, zu sehen, wie der Verfall der Kunst, die allgemeine Decadenz des dahin- 
sterbenden Westreiches sich auch in unseren christlichen Inschriften abspiegelt. 
Mit dem 6. Jahrhundert werden sie in Rom immer seltener an Zahl, immer 
ärmlicher an Inhalt und Form. Gegen Ausgang des 6. Jahrhunderts beginnen 
sie fast ganz zu fehlen. Zwischen 589 und 600 fand de Rossi keine sicher 
datirte Inschrift mehr. Es waren die Jahre, wo die Einwohner der ewigen 
Stadt durch Elend, Ueberschwemmungen des Tiber, Pest, endlich durch die 
wilden Einfälle der Langobarden aufs äusserste heruntergebracht, verarmt, dem 
Ruin preisgegeben waren. Gregor d. Gr. hat den damaligen Zustand der Dinge 
in ergreifenden Worten geschildert. Es schien aus zu sein mit Volk und 
Stadt  ßelzatzrs deest, populus interiit, et tanzen in, paizwis, gui sunt, dolores 
et gen-zitus guoticlie nz-ealtiplzfcantzar: iarIz vacua ardet Roman". ,Alles', setzt 
de Rossi diesen Worten des Kirchenlehrers zu, ,alles schwieg, auch die Gräber 
gaben keinen Laut mehr von sich." Den tiefen litterarischen Verfall einer 
Zeit, die mit der äussersten Nothdurft des Lebens rang, bestätigen auch die 
Väter der römischen Synode von 680 in ihrem Anschreiben an den kaiser- 
liehen Hof in Byzanz. ,Die Sorge um das Lebenß schliessen sie, ,hat hier 
alles andere zurückgedrängt; nichts ist uns geblieben als unser Glaube"  
,sola est nostra substantia fides nostrof. Rom war, wie Papst Agatho um 
dieselbe Zeit klagt, zu einer elenden Provincialstadt  ,in servvilis provinciae 
gualitatevzz"  herabgesunken, in der es schwer war, noch Jemanden von 
litterarischer Bildung zu ünden. Kein Wunder, dass mit dem 7. Jahr- 
hundert die Sitte, den Todten Grabschriften zu setzen, sozusagen gänzlich 
aufhört; die wenigen Epitaphien, welche wir aus jener Zeit noch kennen, 
gehören hochgestellten Mitgliedern des Klerus an. Der Adel scheint gänzlich 
ausgestorben gewesen zu sein; seine letzte Erinnerung klingt in dem Epitaph 
des Edelknaben Boöthius vom Jahre 578 aus (Inscr. urb. Rom. I N0. 1122). 
De Rossi, der diese Katastrophe am Schlusse des ersten Bandes seiner In- 
schriften (p. 518) geschildert, setzt hinzu: Dies Bild des Untergangs und 
der Zerstörung der römischen Cultur wäre ein bleibendes gewesen, hätte 
die römische Kirche nicht die ewige Stadt mit neuem Glanze erfüllt  ,Ade0 
perditae a0 plane eversae Romanorznn civiuviv, fortrunae erant et Z-itterae; eaegue 
fzmd-itvrs interiissevzt, nisi Romana Ecclesia Efrbem aeteirnanz cetera" splendore 
et inzperzio spoliatam ma-iestate implesset suaf Gewiss; aber was von der ewigen 
Stadt gilt, das gilt auch von der römisch-christlichen Kunst. Auch sie, 
auch das Erbe der Antike wäre dem Abendland Verloren gewesen, hätte die 
Magistra Latinitas nicht das heilige Feuer derselben unter der verglimmen- 
den Asche erhalten. Aber das Feuer unter dieser Asche zu suchen, neues 
Leben aus ihr zu entfachen, dazu war jene neue Welt der Germanen be- 
rufen, mit deren Eintritt in die Cultur und die Kunst wir uns demnächst zu 
beschäftigen haben. 
Siehe 
Gnus. 
In Ezech. 
II, hom 
1705
        

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