Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890639
Bildercyklen 
5191352 
vierten, 
sechsten 
Jahrhunderts. 
nach Rom mitgebracht hatte 1. Auch diese Mittheilungen sind von dem grössten 
Werthe. Sie lehren uns, dass diese Picturae ausser den Bildnissen der hl. Jung- 
frau und der Apostel die evangelische Geschichte (also das Leben Jesu), die 
Visionen der Apokalypse und offenbar auch ein Weltgerichtsbild umfassten. 
Alles das War auf den Wänden der von Benedict errichteten Peterskirche zu 
sehen. Was hatte er aber eigentlich aus Rom mitgebracht? Niemand wird 
an Tafelgemälde denken, mit denen Benedict die Wände seiner Kirchen be- 
hängt hätte, noch an gewirkte Teppiche, deren er auch zwei von Beda aus- 
drücklich erwähnte mitbrachte (pallia duo holoserica, p. 376) und die also von 
den Pictm-ae verschieden waren. Offenbar waren die Imagines in den drei 
Kirchen Benedicts in Wandmalerei ausgeführt, und der Abt hatte zu diesen 
nur die Vorlagen in Rom erhalten. Beda's Text lässt die Frage offen, ob 
diese Vorlagen ausschliesslich (wie die Bezeichnung Picturae vermuthen lassen 
könnte) auf Pergament gemalte Bildertafeln waren, wie sie Springer als Vor- 
lage des Ashburnhamschen Pentateuches zu unterstellen scheint, oder ob wir 
auch an Elfenbeinplatten (die mit den Imagines gemeint sein könnten) zu 
denken haben, wie diejenigen, Welche das Dittochaeum beschrieb und welche 
allem Anschein nach dem Cambridger Codex zur Vorlage dienten. 
Ich bin geneigt, auch letzteres anzunehmen. Der enge Zusammenhang 
zwischen der Elfenbeinsculptur und der Buchillustration ist andererseits, und 
zwar durch die seiner Zeit von mir zuerst hervorgehobene Uebereinstimmung 
der Illustration zu Ps. 26, 4-6 (David im Tempel vor dem Herrn) im 
Utrechter Psalter und auf dem schönen, in classischem Stil gehaltenen Elfen- 
bein zu Zürichg erwiesen. Nichts steht im Wege, anzunehmen, dass Benedict 
Pergamentbilder aus Rom mitgebracht oder iigurirte Bibeln; er kann aber 
auch Elfenbeintafelchen erworben haben, welche diese ,Hist0riae' boten, oder 
die Pergamentmalereien können auf solche Elfenbeinsculpturen zurückzuführen 
sein. Jedenfalls hatte er eine doppelte Classe von Vorlagen gewonnen: für 
S. Peter ausser den Bildern der Jungfrau und der Apostel eine Illustration 
des Evangeliums und der Apokalypse  also eine iigurirte Bibel; und für 
S. Paul ein Concordia Veteris et Novi Testamenti. 
Eingehender als der Raum zu gestatten schien, sind hier die Beziehungen rasant-i- 
zwischen Rom und Jarrow im 7. Jahrhundert behandelt worden. Aber die Bbäjgßfäfssg 
hier geschilderten Vorgänge sind für die christliche Kunstgeschichte von ausser-  über die, 
ordentlicher Bedeutung: sie werfen ein helles Licht auf die Entstehung und 
Entwicklung der nordischen Kunst und deren Abhängigkeit von der römischen 
Tradition. Diese Vorgänge haben sich auf vielen anderen Punkten der Christen- 
heit und noch manche Jahrhunderte hindurch gewiss wiederholt. Sie er- 
klären den Charakter der karolingisch-ottonischen Kunst. Es muss einem 
spätern Abschnitt überlassen bleiben, auf diese und ihr Verhältniss zu der 
1 BEDA VENERABILIS l. o. p. 368: ,Quin- 
tum, picturas imaginum sanctarum, quas ad 
ornandunl ecclesiam b. Petri Apostoli, quam 
construxerat, detulit; inuaginem videlicet 
b. Dei genetrieis semperque Virginis Mariae, 
simul et duodecim Apostolorunl, quibus me- 
diam eiusdem ecelesiae testudinem, ducto a 
pariete ad parietem tabulato, praecingeret; 
imagines evangelicae historiae, quibus austra- 
lem ecclesiae parietem decoraret; imagines 
visionum Apocalypsis b. Iohannis, quibus 
septentrionaleln aeque parietem ornaret, qua- 
tenus intrantes ecclesiam omnes, etiam litte- 
rarum ignari, (luaqua versum intenderent vel 
semper amabilem Christi sanctorumque eins, 
quamvis in imagine, contemplarentur aspcc- 
tum, vel Dominicae iucarnationis gratiam 
vigilantiorc mente recolerent vel extremi 
discrimen examinis quasi cßoram oculis ha- 
bentes, districtius se ipsi examinare memi- 
nissentf 
2 Vgl. dazu m: Rossl Bull. 1882, p. 
        

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