Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890619
Die Bildercyklen 
vierten, 
h 
Jahrhunderts. 
sechsten 
und 
fünften 
E 
schiedenen Kunstkreisen angehören, sondern dass auch ihre Wurzeln, aus 
welchen sie sich entwickelt haben, weit auseinander liegen. Die Bilder der 
Wiener Genesis unterscheiden sich von antiken Wandgemälden eigentlich 
nur durch den Grund, auf welchem sie ausgeführt sind. Wenn man sich 
dieselben vom Pergamente auf die Mauer übertragen denkt, so würden sie 
nichts von ihrer Wirkung verlieren. Sie stehen den antiken Miniaturen, wie 
dem Iliasfragment in der Ambrosiana, nicht bloss zeitlich nahe, gehen jeden- 
falls auf einheitlich componirte, in sich abgeschlossene Gemälde zurück. Ein 
solcher Ursprung ist für die Illustrationen des Ashburnham-Pentateuch ganz 
undenkbar. Sie erinnern vielmehr an die Bilderehroniken oder Bildertafeln, 
deren Vorkommen in der antiken Welt Otto Jahn nachgewiesen hat und 
von welchen die bekannte Tabula Iliaca noch deutliche Spuren an sich trägt. 
Wir vermuthen, dass auch in der altchristlichen Welt biblische Chroniken 
oder Bildertafeln im Gebrauch waren, mit deren Hülfe die biblischen That- 
sachen dem Auge nahe gerückt wurden und welche die Unterweisung in der 
Lehre Wirksam unterstützten. Nur so können wir uns die Zusammenstellung 
vieler Scenen in einem Raume, die Beischriften, welche jede Scene begleiten 
und deuten, natürlich erklären. Das Band, Welches die Illustrationen eines 
Blattes zusammenfasst, ist allein der Inhalt. Das gelesene oder erläuterte 
Kapitel der Bibel empfing durch die Bildertafel eine wohlthuende Ergänzung. 
Unsere Vermuthung wird durch das Canterbury-Evangelium in Cambridge be- 
stätigt, wo für die einzelnen Evangelien offenbar dasselbe Illustrationsprincip 
waltete und jedem Evangelium eine erläuternde Bildtafel, die Hauptscenen 
desselben wiedergebend, vorangestellt warf 
Springer führt dann weiter aus, wie in der in Frage stehenden Hand- 
schrift das Verwischen aller Spuren antiken Lebens und antiker Kunst, der 
Mangel an Anschauung der Monumente in den architektonischen Hinter- 
gründen, das fehlende Interesse an der Landschaft Beweise dafür sind, dass 
die Handschrift weitab von den antiken Culturstätten geschrieben und mit 
Bildern geschmückt worden ist. Heimisch ist der Künstler nur in der Welt 
elementarer, kriegerischer Leidenschaften und Kämpfe, die er vortrefflich 
wiederzugeben weiss; seine Charaktere sind grob und derb. Alles das macht 
den Eindruck einer erst langsam sich wiederaufbauenden Cultur. Es scheint 
Springer wahrscheinlich, dass die Handschrift einer Provinz angehört, in 
der sich germanisches Blut der antiken Menschheit stark beigemischt hatte; 
ob Oberitalien oder Südfrankreich, lässt er dahingestellt. Der Herausgeber, 
v. Gebhardt, hat noch auf die grosse Vertrautheit mit dem Orient hingewiesen, 
welche der Miniator besessen haben soll, und verweist dafür auf die natur- 
getreue Wiedergabe der Kamele, der Palmen u. s. f. 
De Rossi hatte zunächst nur im allgemeinen auf die Wiederkehr der 
der ältesten christlichen Kunst geläufigen Typen in den figurirten Bibeln hin- 
gewiesen 1, dann die deutschen Armenbibeln des Mittelalters (im 14.-15. Jahr- 
hundert) in Beziehung gesetzt mit der altchristlichen Kunst. ,Die erste und 
entfernteste Genesis der Biblia pauperumj sagt er 2, ,muss in der von den Vätern, 
der apostolischen Lehre entsprechend, vorgetragenen Lehre über das typ0lo- 
gische Verhältniss des Alten zum Neuen Testament gesucht werden. Diese 
Typologie war in dem ältesten ikonographischen Cyklus der christlichen Kunst, 
auf den Wänden der Katakomben, dargestellt und ebenso auf den Sarko- 
Bull. 
1882, 
150. 
2 Bull. 
1887,
        

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