Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890540
Sechstes Buch. 
ein namhafter Schritt weiter, selbst über die Rabulashandschrift hinaus. Hier 
tritt zwar ein ähnlicher bartiger Christustyp in den grösseren Scenen auf, 
aber in den der älteren Kunst entlehnten beigeordneten kleineren Bildern hat 
der Kopf, wenn auch meist mit einem leichten, kurzen Barte besetzt, oft 
noch in Erinnerung an die Vorlagen einen gewissen jugendlichen Charakter. 
Der historische Christustyp, den sich der Orient im Anschluss an die realen 
Verhältnisse geschaffen, ist, wie man sieht, jetzt fertig. Der Nimbus Christi 
ist überall kreuzförmig getheilt. 
Die Sujets, welche der Rossanensis in seinen siebenzehn historischen 
Bildern behandelt, sind: 1. Die Auferweckung des Lazarus (Fig. 348). Der 
Todte steht noch als Mumie in Tücher eingewickelt in einem Felsengrabe; 
die beiden Frauen liegen zu Füssen des Herrn, der von seinen Aposteln 
begleitet ist; diese sind gleich Christus bärtig geschildert. 2. Der Einzug 
in Jerusalem. Rechts die Stadt, aus der die Leute dem auf dem Esel 
sitzenden Herrn, Palmen tragend und die Kleider vor ihm auf den Boden 
hinlegend, entgegenkommen; das Bild erinnert an dasjenige in der Cappella 
Palatina zu Palermo. 3. Jesus jagt die Händler aus dem Tempel fort; man 
sieht die offene Tempelhalle links, den umgestürzten Tisch der Wechsler, 
die Leute mit ihrem Vieh abziehend. 4. Die klugen und die thörichten 
Jungfrauen: der Herr inmitten eines Gartens (des Paradieses) mit den 
klugen Jungfrauen; vor der geschlossenen Thüre erscheinen die thörichten, 
offenbar sehr betrübt. 5-6. Das Abendmahl und die Fusswaschung (auf 
demselben Blatte; Fig. 349). Petrus sitzt auf einem kleinen Stuhl und hat 
die Füsse in einer Badewanne, zu der sich der Herr herabneigt. Das Abend- 
mahl ist höchst bemerkenswerth. Der Tisch, dessen Untersatz (Podium) in 
drei Abtheilungen getheilt ist, hat die Form des Sigma; in jeder derselben 
sieht man eine schwarze Taube. Das rechte Cornu (vom Beschauer also 
links) des Tisches nimmt Christus ein, gekennzeichnet durch die Physiognomie 
und durch den kreuzgetheilten Nimbus; ihm gegenüber Petrus an dem linken 
Cornu; auch er ist bartig, während die übrigen Apostel bartlos sind oder 
nur kurze Ansätze eines Bartes haben. Christus und Petrus liegen zu Tisch, 
was man auch von den Uebrigen annehmen muss, obgleich der Künstler sie 
zusammendrängen und ihnen dadurch den Anschein des Sitzens geben musste; 
infolgedessen gibt Kondakoff (I 116) irrthümlich an, die heilige Gesellschaft 
sitze zu Tisch. Auf dem Tisch bemerkt man zwei Brode und eine goldene 
Schüssel, nach welcher die siebente der Gestalten, Judas, die Hand ausstreckt. 
7. Die Spendung des Brodes. Links vom Beschauer steht der Herr, welcher 
einem sich auf seine Hände niederbeugenden Apostel das heilige Brod reicht; 
fünf andere Jünger nähern sich der Scene mit gesenktem Haupte, nur der 
vorderste in der Reihe macht nach oben hin den Gestus der Adoration. Ob, 
wie die Herausgeber annehmen, der letzte in der Reihe Judas sei, lasse ich 
dahingestellt; dagegen ist unrichtig, wenn von ihnen behauptet wird, diese 
ganze, höchst interessante Scene, aus welcher wir den Distributionsmodus der 
heiligen Eucharistie in der alten Kirche ersehen, sei einzigartig. Wir haben 
ganz die nämliche Disposition bereits auf einem der beigeordneten Bilder der 
Rabulashandschriftl (s. unsere Fig. 346) kennen gelernt. 8. Die Spendung 
des heiligen Blutes. Wieder sechs Jünger nähern sich dem Herrn, welcher 
hier rechts vom Beschauer steht und dem ersten von ihnen, der durch den 
GARRUCCI
        

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