Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890393
fünften und 
vierten, 
Die Bilgercyklell 
Jahrhunderts. 
sechsten 
Quelle und Muster diente. Wie er sich diese erste Bilderbibel gedacht, darüber 
hat er sich nicht des nähern ausgesprochen, und der Tod zerbrach sein kost- 
bares Leben in dem Augenblick, wo ein Austausch über diesen Gegenstand 
zwischen ihm und dem Verfasser stattfinden sollte. 
Ich will es versuchen, in einigen Andeutungen den Weg zu beschreiben, 
welchen die früheste Illustration der Schrift genommen hat. 
In der alten Kirche wurden ursprünglich die Leseabschnitte der Heiligen 
Schrift bei Abhaltung der Liturgie von dem Bischofe frei, je nach dem Be- 
dürfnisse des Augenblickes, gewählt und dem Diakon zur Lesung zugewiesen 1. 
Im 4. Jahrhundert stossen wir dagegen auf eine feste Ordnung in diesen 
Dingen, welche wesentlich darauf beruht, dass im Laufe des Kirchenjahres 
wenigstens das Neue Testament vollständig zur Verlesung kommen sollte 2. 
Dass in dieser Vorlesung ein Buch in ununterbrochenem Zusammenhange ge- 
boten wurde, bezeugt Augustinus 3, und das galt für die morgen- wie für die 
abendländische Kirche (Lectio continua), wie uns wieder die Homilien des 
hl. Chrysostomus beweisen. Seit dem 4. und 5. Jahrhundert scheinen die ein- 
zelnen Kirchen auch bestimmte Leseordnungen gehabt zu haben. Erhalten ist 
uns, wenigstens für die Briefe, diejenige der alexandrinischen Kirche, welche 
Euthalius um die Mitte des 5. Jahrhunderts im Auftrag seines Bischofs verfasste 
und welche den Apostolus in 57 Abschnitte für die einzelnen Sonn- und Feier- 
tage eintheilte. Für die Evangelien wird eine solche Abtheilung schon früher 
bestanden haben; die Apokalypse war ausgeschlossen 4. Dieser Zusammen- 
hang ward bloss zu Gunsten der höchsten Festtage, wie Weihnachten, Epi- 
phanie, Pfingsten u. s. f.. unterbrochen 5. Dass auch das Alte Testament 
ganz vorgelesen wurde, ist schon in Anbetracht seines grössern Umfanges 
nicht wahrscheinlich. Aber ganze Bücher desselben wurden durch die Lectio 
(sontimea gewährleistet, und zwar stimmt das, was wir darüber erfahren, noch 
mit der jetzigen Uebung. So wurde in der Quadragesima die Genesis, in 
der Passionswoche, in Mailand wenigstens, das Buch Job, in der Karwoche 
das Buch Jonas gelesen 6. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts sehen wir zu- 
erst in Gallien an die Stelle dieser Lectio continua die Lectio propria treten, 
wo statt ganzer Bücher eine Auswahl für geeignet gehaltener Lesestücke aus 
dem Alten und Neuen Testamente zur Verlesung gelangte7, und diese Sitte 
ward im Occident bald allein herrschend, während die griechische Kirche an 
der Lectio continua des Neuen Testamentes bis heute festhielt. Die grie- 
chischen liturgischen Bücher (laßayyälzov und Pfrrdarollog) enthalten also die 
vollständigen Evangelien und Apostelbriefe; vom Alten Testament kommen 
aber später mehr ausgewählte Stücke (Huayuzbapara) zur Vorlesung, welche 
man in dem Yfxzloyddzou sammelte. In der lateinischen Kirche wurden die Lese- 
stücke (Perikopen) aus den Evangelien in dem Evangelistarium, die aus 
den Briefen und dem Alten Testamente in dem Lectionarium zusammen- 
gestellt. In der Auswahl und Anordnung dieser Lesestücke wichen die galli- 
canische und die römische Liturgie voneinander ab. Jene der römischen 
Liturgie ist in dem Verzeichniss der Lesestücke enthalten, welches vom Mittel- 
1 TERTULL. Apol. c. 34. 
2 OPTAT. De schism. Donat. IV 5. 
 Praef. in c. 1 Ioan. 
4 ZACGAGNI Mon. eccl. graec. I 411. 478. 537. 
5 Vgl. AUGUSTI Denkwürdigkeiten VI 227. 
e Amßxos. Ep. XXXIII. Vgl. AUG. Serm. 
LXXI de temp. CHnYsosT. Hom. VII ad 
pop. Ant; Hom. I in Genes. 
7 GENNAD. De script. eccl. e. 79.  SIDON. 
APoLL. Ep. IV 11.
        

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