Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890384
Sechstes Buch. 
Aelteste 
figurirte 
Bi b el  
komben entgegentritt; die Caesarenbilder erinnern durchaus an die Consulardar- 
Stellungen der Diptychen. Daneben offenbart sich der unruhig tastende, Neues 
suchende Sinn des 4. Jahrhunderts, der, mit den ererbten Formen nicht zu- 
frieden, neue Constructionsglieder erfindet und in unreifem Wirrwarr Giebel 
und Säulen, Architrave und Lünetten durcheinanderwirft. Auch die Orna- 
mentik hat einen gewissen bunten, zügellosen Charakter, der sich nun mehr 
oder weniger erhält und z. B. in der syrischen Rabulasbibel geradeso wieder- 
kehrt. Strzygowski macht (S. 105) auf ein anderes Element aufmerksam, 
Welches hier vor allem zur Geltung gelangt: das ist, wie er es nennt, der 
allegorisirende, subjective Geist des Byzantinismus, welcher 
mit der Gründung des neuen Roms in die Cultur eintritt und der hier aus 
den Köpfen der Gestalten, aus den Augen, aus allen Anspielungen heraus- 
blickt. Dazu ist nun freilich eine einschränkende Bemerkung zu machen. 
Die Neigung zur Personiiication von Städten, Ländern, Monats- und Jahres- 
zeiten u. s. f. war seit Anfang der Kaiserzeit schon in Dichtung und Kunst 
Roms vollkommen eingebürgert; um ihr Auftreten hier zu erklären, hat man 
nicht nöthig, nach Constantinopel zu gehen. Was den Einzug des allegorischen 
Elementes in die Kunst angeht, so war er durch das Christenthum und dessen 
Herkunft aus dem Orient gegeben. Es wurde durch die von Alexandria aus- 
gehende Auslegung der Heiligen Schrift, wie wir schon oben gezeigt (S. 77), 
in hohem Grade gefördert, und die Ausbreitung der alexandrinischen Schrift- 
erklärung im Occident musste dem Allegorismus eine ausserordentliche Herr- 
schaft in Litteratur, Poesie und Kunst verschaffen. Dem enormen Einflusse 
Alexandriens ist aber jetzt eine neue Erscheinung zuzuschreiben. Seit die 
abendländische Kirche in Nicäa (325) einen intimern Contact mit der morgen- 
ländischen gewonnen, seit dieser Contact durch die das ganze 4. und 5. Jahr- 
hundert anfüllenden dogmatischen Streitigkeiten und conciliarischen Verhand- 
lungen (die alle in der Osthälfte des Reiches vor sich gingen) nun noch täglich 
gestärkt wurde und bald in freundlichem, bald in feindlichem Sinne an In- 
tensität zugenommen hatte, war die lateinische Kirche erst recht mit der wissen- 
schaftlichen Theologie der Alexandriner in Berührung gekommen. Diese Theo- 
logie, von Origenes begründet, durch Athanasius und Cyrillus ausgebaut, hat 
das gesammte geistige Leben der alten Kirche beherrscht. Erst Hieronymus 
und Augustin gaben im Grunde dem Abendland eine eigene Wissenschaft; aber 
man weiss, wie sehr auch diese, namentlich die Thätigkeit des grossen Exe- 
geten, durch die alexandrinische Schule bedingt war. Alexandrien war in jenen 
Jahrhunderten die geistige Hauptstadt der Welt; das galt im Gebiet des pro- 
fanen, das galt noch mehr in dem des kirchlich-Wissenschaftlichen Lebens. Damit 
ist auch das stärkere Hervortreten des griechischen Elementes in der Kunst 
des 4. und 5. Jahrhunderts gegeben. Man übernahm nicht tausenderlei Schätze 
aus dem Orient, man bezog nicht Bibeln und andere Bücher aus Alexandrien, 
ohne auch von den diesen Büchern beigegebenen Illustrationen berührt zu werden. 
Das wird gleich in der sogen. ersten gemalten Bilderbibel hervorgetreten sein. 
De Rossi hat zuerst die Ansicht geäussert1, dass es bereits frühzeitig, im 
4. Jahrhundert, eine f igurirte Bibel gegeben habe, welche den seither auf- 
tretenden und gleich zu erwähnenden Illustrationen der Heiligen Schrift als 
1 DE ROSSI Bull. 1882, p. 149 sg.; Mu- 
saici Lf. 24 (zu S. Maria Maggiore), p. 7. 
Vgl. dazu PIPER in den ,The01. Studien und 
Kritikelf 1868, S. 477 f., und die unten an- 
zuführenden Publicationen v. Gmßmuznws und 
A. SPRINGERS.
        

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