Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890333
Bildercyklen 
vierten, 
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sechsten 
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zugestanden 1, i. J. 337 andere Exemtionen ausser den Baumeistern auch den 
Malern, Bildhauern und Mosaicisten (nzusrirvarii) ertheiltg, und noch weitere 
Vortheile wurden durch das Gesetz der Kaiser Valentinian, Valens und Gra- 
tia11 vom Jahre 8753 den Lehrern der Malerei (pictzwae professores) zu- 
gewandt. Die durch diese staatliche Fürsorge begründeten Malerschulen 
sollen nun ein erstes I-Iauptmoment bei dem künstlerischen Aufschwung des 
4. Jahrhunderts dargestellt haben; ein zweites wird darin erblickt, dass die 
Ansammlung zahlreicher Reste des Alterthums, namentlich unzähliger Statuen 
aus Kleinasien, Athen, Antiochien, Alexandrien, Rhodus, Sicilien, in dem von 
Constantin neu begründeten Byzanz4 befruchtend und anregend auf den Be- 
trieb der christlichen Kunst eingewirkt habe. Gerade die Mosaiken im Mau- 
soleum der Galla Placidia wollen Crowe und Cavalcaselle auf das Studium 
solcher griechischen Vorbilder zurückführen (I 27). J. P. Richter erblickt 
den Einfluss der classischen, antik-heidnischen Sculptur auf die musivischen 
Malereien zunächst in der Anordnung und Zeichnung der Gewänder, und 
dann in dem vorwiegend statuarischen Charakter, welcher das innerste Wesen 
der ravennatischen Mosaikmalerei bilde (S. 125). Er weist (S. 128) auf die 
Christusbilder, die Bildnisse der Apostel, Erz- und Kirchenvater, Engel, Bi- 
schöfe u. s. f. in S. Apollinare Nuovo hin und nennt sie ein wahres Museum 
statuarischer Denkmäler. Dabei muss er aber sofort zugestehen, dass die 
Kaiserbilder in S. Vitale in Zeichnung und Gewandung jedes antiken Ge- 
fühles entrathen (S. 126). Er macht endlich darauf aufmerksam, dass die 
kirchlichen Interessen der Zeit, die dogrnatisirende Auffassung der nachconstan- 
tinischen Epoche und die zunehmende Bewunderung des ascetischen Ideals 
dem Einzug der neuen Typen und dem Geiste der statuarischen Malerei nur 
günstig gewesen seien. Andererseits will er in S. Apollinare in Classe wie 
anderwärts Ueberreste altchristlicher Symbolik des Orients sehen, so dass 
auch die ravennatischen Sculpturen nur im Zusammenhang mit den orienta- 
lischen Monumenten eine genügende Erklärung und vollständige Würdigung 
finden könnten. 
In diesen Ausführungen sind manche dankenswerthe und brauchbare An- 
regungen mit unhaltbaren und ungerechtfertigten Annahmen gemischt. 
Wir haben in der Kunst Ravenna's ein in sich abgeschlossenes Ganzes 
vor uns, eine Entwicklung, die in ihrer absteigenden Linie vollkommen er- 
kennbar vor uns liegt. Sie weist keine Lücke auf. Die Erzeugnisse des 
ersten Stadiums zeigen sich der altchristlich-römischen Kunst noch nahe ver- 
wandt; in abgeschwachtem Masse tritt uns das im zweiten Stadium, den 
Schöpfungen des Theoderich entgegen; noch schwacher werden die römisch- 
classischen Reminiscenzen im Zeitalter Justinians. In jeder Phase ihres Da- 
seins behauptet aber die Mosaikmalerei wie die übrigen Kunstzweige in Ra- 
venna einen specifischen, localen oder provincialen Charakter, so gut wie 
z. B. die zahlreich erhaltenen Mosaiken der römischen Rheinlande einen solchen 
den stadtrömischen gegenüber beanspruchen. Diesen speciüschen Charakter 
,byzantinisch' zu nennen, hat man gar kein Recht. Eine solche Annahme 
ist durch nichts gestützt, sie kann sich auf keine Monumente von Byzanz 
oder der oströmischen Reichshalfte berufen, sie entbehrt jedes Haltes und 
XIII, tit. 
1 Cod. Theodos. 
2 Ibid. 1. 2. 
3 Ibid. 1. 4. 
4 ,Constantinopolis dedicatur pene omnium 
urbium nuditateQ sagt der hl. HnznolvYnms 
in seinem Chronicon zum Jahre 332, a1. 334.
        

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