Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886007
Buch. 
Erstes 
Rom jene schwächlichen Fresken, die ihm Lohn und Einen einbrachten, an 
welche sein gleichnamiger Vorgänger im Zeitalter Leo's X nie gedacht hatte. 
 Vier Souveräne machten ihm den Hof, und der Meister durfte wählen, ob 
er Katharina II von" Russland oder Karl III von Spanien mit seiner Gunst 
beehrte! 
Dass die Bewunderung für die Bolognesen und die Verachtung der älteren 
Schulen in Frankreich, ja in ganz Europa sich so hartnäckig erwies, kommt 
indessen zum guten Theil auf Rechnung jener beiden Männer, welche vor 
hundert und zwanzig Jahren in fast allen Dingen öffentliche Meinung machten. 
Voltaire's ästhetisches Urteil zeigt sich des Verfassers der ,Pucelle' voll- 
kommen würdig. Weder i11 seiner Correspondenz noch in dem ,Dicti0nnaire 
philosophique' lässt er eine Gelegenheit unbenutzt, um zu zeigen, nach welcher 
Seite seine Ideale liegen. Höchst charakteristisch sind in dieser Hinsicht die 
Briefe, welche er an seine Nichte schreibt und in welchen er angibt, welcher 
Art Bilder für ihn in der Galerie diOrleans copirt werden sollen 1. Eine so 
sinnliche und verbrauchte Natur konnte nur an den Werken der Decadenz 
Gefallen finden. Noch grössern Einfluss übte zweifelsohne Diderot als 
Kunstrichter, als Censeur Royal, als Secretär der Academie de Peinture. Seit 
seinem Besuch in Bologna galt ihm die übrige Kunst nichts mehr. Er lässt 
allerdings noch Raffael gelten; neben ihm aber sind die Carracci und Dome- 
nichino die grossen Maler par excellence, alle Andern taugen gerade insoweit, 
als sie Jenen und namentlich den Bolognesen gleichen. In Neapel bewundert 
er Luca Giordano, in Florenz Pier da Cortona, in Mailand die Procaccini, 
während er Lionardo nur geringe Aufmerksamkeit erweist, Luini ebendaselbst, 
Francesco Francia in Bologna ganz übersieht, und ebenso bei der Karthause 
von Pavia mit keiner Silbe von Borgognone spricht. 
Es ist erwähnt worden, dass auch der Verfasser des ,Genie du christia- 
nisme" sich unter den Nachbetern Cochins befand. Wirklich auffallend und 
ein trauriges Zeichen für die Macht der Mode war es, dass der grosse Ro- 
mantiker des Katholicismus in seinen ,Memoires d'outre-tombe' (tom. VIII) 
mit bodenloser Verachtung von jener neuen Schule sprechen konnte, ,qui 
pretendait faire remonter la peinture a Perugin et preferait la premiere ma- 
niere de Raphael a la dernierei Die Hervorbringungen der älteren Schulen 
liessen ihn kalt, während die Werke Carraccfs in Bologna ihn entzückten. 
So war es allgemein. Man staunte in der Sixtinischen Kapelle allenfalls die 
Fresken Michelangelds noch an, aber es fiel Niemanden ein, den daneben 
stehenden Schöpfungen Ghirlandajds, Botticellfs und Peruginds Aufmerksam- 
keit zu schenken. Den Arm Heliodors studirte man, aber die Disputa und 
die Schule von Athen blieben unbeachtet. 
Reaction zu Die neue Schule, über welche sich Chateaubriand beklagte, war offenbar 
 in die durch A. F. Rio in Frankreich eingeführte Rumohrsche, welche sich hier 
Frankreich. allerdings mit starken Elementen des specifisch katholischen Romanticismus 
versetzte. Rio hatte in München die Koryphäen des damaligen Katholicismus, 
die Döllinger, Baader, Boisseree, Görres, dann Schelling und Rumohr kennen 
gelernt. Schelling hatte ihm die Erkcnntniss des ästhetischen Ideals gegeben, 
Rumohr verwies ihn auf Italien, welches ihm dies Ideal in seiner Application 
zeigte und ihn die Entwicklung der Kunst kennen lehrte. Als der erste Band 
1 ,Ce sont des helles nuditäs, tout ce qu'il 
a de plus immodeste pour regaillardir sa 
vieillessef Aehnliche Aeusserungen 
auch das ,Dict. philosophiquei 
bietet
        

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