Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890269
Buch. 
Sechstes 
Das dritte Stadium in der ravennatischen Mosaikmalerei wird in erster 
Linie durch die Schöpfungen in S. Vitale 1 bezeichnet. Diese culturgeschicht- 
lieh so berühmten Werke sind gewiss auf den Erbauer der Kirche, Iulianus 
Argentariu s, und den Bischof Ecclesius (524-534) zurückzuführen; sie 
mögen unter Bischof Maximianus ihre Vollendung erreicht haben, der 547 
die Kirche consecrirte. Es ist hier nur das Altarhaus musiviseh ausgeschmückt. 
Das Gewölbe zeigt am Scheitel das Opferlamm der Apokalypse zwischen 
Engeln und inmitten herrlichen Rankenwerkes mit Vögeln, Fischen, Lämmern; 
an der obern Rückwand auf Goldgrund wieder die beiden Städte Jerusalem 
und Bethlehem. Engel tragen ein Medaillen mit dem Monogramm Christi. 
An den Seitenwänden Apostel und Propheten; in den Bogenfeldern die bei- 
den Hauptscenen: zunächst das Opfer Abels und Melchisedechs, dann, neben- 
einander gestellt, die Bewirtung der drei Engel durch Abraham und die 
Opferung Isaaks (Fig. 335). Diese Oompositionen entfernen sich noch nicht 
sehr weit von denjenigen im Mausoleum der Galla Placidia. Das landschaft- 
liche Element ist hier eher noch sorgfältiger als dort gepflegt, die jugend- 
liche Erscheinung der drei Engel erinnert an den guten Hirten dort. Die 
Scene der Bewirtung ist nicht neu, sie findet sich schon in S. Maria Mag- 
giore 2„ freilich noch freier und unbefangener; immerhin wird der Zusammen- 
hang beider Darstellungen kaum zu leugnen sein. Neu dagegen ist die Be- 
obachtung, dass, wie die Katakombenbilder, nun auch die musivische Aus- 
stattung des Altarranmes in die allernächste Beziehung zur Liturgie tritt. 
Denn diese hier dargestellten Sujets sind nichts anderes als die Illustration 
des zweiten unmittelbar nach der Wandlung in der heiligen Messe von dem 
Priester gesprochenen Gebetes: ßupra guae propitio ac sereno meltu respicere 
digneris et accepta habere, sicuti accepta habere digmatizas es munera pueri tui 
iusti Abel et sacrificiunz patriarchale nostri Abrahae et quod tibi obtulit simmmzis 
sacerdos tuus lllelchisedeclz, sanctznn sacrificiievn, immaczdatam hostimrf. Das 
Antlitz Dessen, der hier als unbeiieckte Hostie dargebracht wird, erglänzt als 
Brustbild an dem grossen Gurtbogen gegen den Kuppelranm zu, umgeben 
von Medaillons mit den Brustbildern der Apostel und der hll. Gervasius und 
Protasius. In der Concha aber thront der Erlöser auf der Himmelskugel, 
wiederum jugendlich und bartlos, das Haupt von dem kreuzförmigen Nimbus 
umstrahlt, den Purpurmantel um die lebensvollen Glieder geschwungen, in der 
Linken ein Volumen, in der Rechten eine Krone, die er dem hl. Vitalis reicht, 
der, in goldne Dalmatica gekleidet, von einem Engel vorgestellt wird, wäh- 
rend sich auf der linken Seite der Erbauer der Kirche, Bischof Ecclesius, mit 
dem Kirchenmodell in ähnlicher Weise vorstellen lässt (Fig. 336). Auch die 
beiden Heiligen sind bartlos geschildert, Ecclesius mit gewissen individuellen 
Zügen, so dass man an ein Porträt denken kann. Unten an den Wandfiächen 
der Tribuna stehen in noch leuchtender und kräftiger Färbung die beiden grossen 
Ceremonialbilder, welche die Mosaiken von S. Vitale hauptsächlich berühmt ge- 
macht haben und welche in der That in ihrer Art einzig sind (Fig. 337 u. 338): 
links Kaiser Justinian mit seinem Gefolge, rechts die Kaiserin Theodora, seine 
Gemahlin (i- 548), die sich mit ihren Frauen dem Eingang der Kirche nähert; 
vor diesem Eingang steht auf zierlicher, cannelirter Säule der Cantharus, 
1 CIAMPINI II 65, tab. 19-22.  SCIINAASE 
21.21. O. III 2 203.  GARRUGCI tav. 258 bis 
264.  PPERATIT: Uarchäologie chrätienne 
p. 248 s.  RICHTER Die Mosaiken 
venna S. 72 f. 
2 GARRUCCI tav. 215 3. 
von Ra-
        

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