Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890253
Bildercyklen 
vierten, 
Ewig 
Jahrhunderts. 
sechsten 
erinnern. Richter glaubt diesen neuen bärtigen Ohristustyp aus germani- 
schen Vorstellungen erklären zu sollen: er sieht hier den Heiland der Gotlien 
dargestellt. Ich bin der Ansicht, dass diese ganze ravennatisch-gothische 
Kunst von der römisch-antiken so vollkommen abhängig ist, dass an eine 
aus dem nationalen Selbstgefühl der Gothen herauswachseude Neuschöpfung 
eines so wichtigen Kunsttypus noch nicht zu denken ist; um so mehr, als 
um dieselbe Zeit sich auch anderwärts der Uebergang zu dem zweiten, 
bärtigen Christuskopf bewerkstelligt hat. Die jugendliche Erscheinung des 
Herrn in den Wunderdarstellungen geht auf die Vorbilder zurück, welche 
hier gerade den göttlichen Charakter des Wunderthätigen hervorheben wollen. 
Sobald man sich entschloss, weitere Versuche auf dem historischen Gebiet 
zu machen, stellte sich der Künstler von selbst auf den Boden irdischer 
Wirklichkeit und schuf seinen Christus genau nach der Vorstellung, die seine 
Zeit von dem körperlichen Aussehen und der Tracht einer so ehrwürdigen 
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Mosaik in S. 
zu Ravenna. 
Michele 
(Nach G a1" 1' u c c i.) 
Persönlichkeit sich gemacht hatte. Cassiodor, Theoderichs berühmter Minister, 
hat uns diese Vorstellungen eingehend bewahrt: der Bart gehörte schon zu den 
Dingen. welche die Spectabilität jetzt kennzeichneten. Den nämlichen bärtigen, 
aber noch keineswegs erstarrten Christustyp finden wir schon auf dem wol um 
430 entstandenen Mosaik von S. Agata Maggiore in Ravenna, das den zwi- 
schen zwei jugendlichen Engeln thronenden Erlöser vorstellt 1. Die Neben- 
einanderstellung beider Typen, des unbärtigen und des bärtigen, beobachten wir 
noch in dem viel später entstandenen Mosaik von S. Michele in Affricisco, 
wo unten der jugendliche Christus mit Kreuz zwischen Michael und Gabriel 
erscheint, während auf dem Triumphbogen der auf dem Thron ruhende Christus 
denselben bärtigen Typus trägt wie unsere zweite Serie in S. Apollinare Nuovo2 
(Fig. 334). Solche Beispiele müssen vor übereilten Hypothesen warnen. 
l CIAMPINI Vet. mon. I 184, tab. 46.  worden, wo sie leider noch immer eingepackt 
GARRUCCI tav, 254_ liegen.  Vgl. darüber JORDAN zu CRowE 
2 CIAMPINI I1 63, hab, 17,  Giumucci und CAVALOASELLE, Deutsche Ausgabe I 
tav. 267. Sie sind für Berlin erworben 357 f. 28 H: 
        

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