Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890162
Sechstes Buch. 
ravennatischen Ornamente schon eine Uebergangsstufe zu der mehr con- 
ventionellen Behandlungsweise bilden, die sich nochmals in der goldenen 
Concha von S. Clemente zu Rom zeigtf 
Mausoleum Das Grabmal der Galla Placidia ist als Bauwerk von keiner be- 
 sondern Bedeutung. Der Grundriss bildet ein lateinisches Kreuz, dessen vier 
Schenkel, mit Tonnengewölben überspannt, in dem Durchschnittspunkte eine 
Kuppel von überhöhter Rundform tragen. ,Das Innere ist bei völligem Mangel 
an architektonischer Ziergliederung von unvergleichlicher Wirkung. Hier 
herrscht nicht die bunte Heiterkeit von S. Giovanni in Fonte, vielmehr er- 
höht die schwache Beleuchtung und eine gedämpfte Harmonie der Farben 
den Eindruck feierlichen Ernstes, der dem Charakter eines Grabmals ent- 
spricht. Aber wenn ein Dunststrahl von oben herunterdringt und die weissen 
Gestalten auf ihrem satten Grunde hell beleuchtet, während unten noch Altar 
und Sarkophage in ein tiefes Halbdunkel gehüllt sind, so ist der Anblick einer 
der ergreifendsten, den die Monumentalwelt Italiens aufweistf Der Eindruck 
dieser stillen Stätte, den Rahn in diesen Worten so vortrefflich zeichnet, wäre 
noch köstlicher, wenn sie ganz in ihrem ursprünglichen Zustande erhalten 
geblieben und die frühere Incrustirung der unteren Wände nicht durch eine 
moderne Tünche ersetzt wäre 1. Die Ornamentirung der Gurten besteht aus 
Blumen- und Fruchtgewinden, die zu Vasen emporsteigen, dazu kommen 
Weinranken und-Mäanderwindungen vor, ein Motiv, welches allerdings vor- 
zugsweise auf den Orient hinweist und der byzantinischen Kunst geläufig ist, 
aber doch, wenn auch seltener, auf römischen Denkmälern gleichfalls nachweis- 
bar ist 2. Die incrustirten Flächen haben blauen Grund, der in der Kuppel von 
Sternen, in den Tonnengewölben von goldenen Rosetten übersät ist. An dem 
Sternenhimmel der Kuppel nimmt ein goldenes Kreuz mit etwas verlängertem 
Verticalbalken die Mitte ein  diese Gestalt des Kreuzes wird, im Gegensatz 
zu dem in Rom lange bevorzugten gleichschenkligen Kreuze, jetzt in Ravenna 
typisch 3. In den Ecken des Gewölbes stehen die vier evangelistischen Zeichen, 
wie schon in S. Pudenziana. In den Lünetten unter der Kuppel sieht man 
zwei Apostel auf grünem Wiesengrunde, zwischen ihnen das Vas inunortali- 
tatis, auf dessen Rand ein Taubenpaar sitzt. An den Ausladungen der 
Querarme zeigen zwei andere Lünetten die an der Quelle des Heils sich 
labenden Hirsche inmitten eines trefflich behandelten goldenen Laubwerkes, 
welches sofort an dasjenige im Eingang des lateranischen Baptisteriums ge- 
mahnt. Inmitten dieses Laubwerks steht, auf dunkelblauem Grund und um- 
zogen von einem Lorbeerkranz, das Monogramm Axel Wichtiger aber sind 
die beiden Lünetten über dem Eingang und am Altar. Jene enthält eine 
der merkwürdigsten und anziehendsten Schöpfungen altchristlicher Kunst. 
Hinter einem von sechs Lämmern beweideten Wiesengrunde erhebt sich eine 
von Coniferen bewachsene Hügellandschaft, in deren Vordergrund auf einer 
lWelchen Eindruck ein derartig voll- 
ständig incrustirtel" Raum auf den Beschauer 
macht, zeigt heute am besten die nach de 
Rossfs Angaben und in freier Nachahmung 
des Mausoleums der Galla Placidia mit M0- 
saiken geschmückte, überaus reiche und ge- 
schmackvolle Grabkapelle Papst Pius' IX in 
S- Lorenzo fuori le mura in Rom. 
9 So z. B. in dem Tempio del Dio Redi- 
0010, einem kleinen Baeksteinbau bei Rom 
links von der alten Via Appia. 
3 Unrichtig ist dagegen, was J. P. RICHTER 
(Die Mosaiken in Ravenna S. 25) meint, die 
,Aussohweifung der Ecken' (das heisst, was 
man ,Aus1adung' nennt) bei dem Kreuz sei 
nur den Monumenten des Orients eigen.
        

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