Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890140
Sechstes Buch. 
in welchem auch das Kenotaph ihres Bruders Honorius steht und die irdi- 
schen Reste ihres zweiten Gemahls, Constantius (III), eingeschlossen sind. 
Sie hatte eine Reihe kirchlicher Stiftungen in der neuen Residenz unter- 
nommen. Die Basiliken des hl. Laurentius, des hl. Andreas, des hl. Petrus 
sind zu Grunde gegangen, ebenso der musivische Schmuck in S. Agata, in 
S. Croce, wo die Taufe Christi vorgestellt war, in S. Giovanni Evangelista, 
wo Placidia mit ihren beiden Kindern, Valentinian und Honoria, abgebildet 
war. Ihrer Zeit gehört auch noch das Baptisterium der Orthodoxen (S. Gio- 
vanni in Fonte) an (ca. 440). Der zweiten Epoche, der ltegierung Theo- 
derichs d. Gr., gehört das arianische Baptisterium (S. Maria in Cosmedin, 
ca. 500) und der grössere Theil der Mosaiken in S. Apollinare Nuovo (S. Mar- 
tino in coelo aureo) an. Der dritten, also der Zeit J ustinians d. Gr., eignen 
vor allem die Mosaiken von S. Vitale (547) und S. Apollinare in Classe 
(549, zum grössern Theil), von S. Michele in Affricisco (545). Der Verfallzeit 
des Exarchates sind einzelne Mosaiken in S. Apollinare Nuovo (560), in 
S. Apollinare in Classe (672), in der erzbischöflichen Kapelle zuzuweisen. 
in Zeitlich am frühesten fallen die Decorationen des unter Bischof Ursus 
(400-410) erbauten und laut A gnellus unter Bischof Neo (425-430) mit 
Mosaiken geschmückten orthodoxen Baptisteriumsl. Sie sind leid- 
lich erhalten, während die reiche Marmorincrustation der unteren Wand- 
flächen zerstört ist. Ueber den Arcaden des Oktogons stehen auf blauem 
Grund, inmitten zierlichen Goldblattwerks, acht Prophetengestalten, deren 
Haltung und Drapirung noch ganz diejenige antiker Philosophen oder Rhetoren 
ist. Rahn meint, diese Mosaiken seien vielleicht das Beste aus altchristlicher 
Zeit. ,Es ist eine Farbenpracht, die an die Heiterkeit pompejanischer Wand- 
gemälde erinnert, und doch stört nichts den Eindruck der Feier, der sich 
sofort und andauernd des Beschauers bemächtigt." Eine zweite Reihe bietet 
in weissen Stucknischen ähnliche, aber sehr überarbeitete Figuren. Die kleinen 
Giebel über diesen übrigens rohen Gestalten sind mit sechzehn Stuckbildchen 
 Fruchtkörben, Pfauen, Seepferdchen, einigen alttestamentlichen Scenen  
gefüllt. In der Kuppel zeigt die untere Zone eine Serie von Darstellungen, 
die bisher der christlichen Kunst fremd waren: Altäre mit dem Evangelien- 
buch, mit Edelsteinen gezierte Throne, dabei zwei Sessel für Kaiser und 
Bischof, Querschnitte von Basiliken. Man empfängt hier den ersten künstle- 
rischen Eindruck von dem Gedanken der ,Reichskirche'. Die obere Zone 
bietet die Procession der zwölf Apostel, die ihre Kronen in den verhüllten 
Händen tragen und deren wechselnder Typ noch an die besseren, lebens- 
volleren Zeiten der altern römischen Kunst erinnert. Es fehlt nicht an land- 
schaftlichen Andeutungen, die das Paradies darstellen, in welchem sich der 
Zug dahinbewegt (Fig. 330). Oben am Gewölbe prangt ein Rundmedaillon mit 
der Taufe Christi, die Richter ,in allem Wesentlichen als das Vorbild der im 
Mittelalter überaus häufigen Darstellung der Taufe Christi, auch noch für 
Giottds Fresco in Padua' erklärt. Eine ganz unhaltbare Behauptung. Die 
Aehnlichkeit der Darstellungen des besagten Sujets ergab sich ganz einfach 
aus der Identität der sich so oft vor den Augen des Publicums wiederholenden 
liturgischen "Handlung, des Taufactes. Gerade das, was hier charakteristisch 
S. Giov. 
Fonte. 
1 Eine gute Vorstellung dieser Decoration 
als Ensemble geben bloss das Uebersichts- 
blatt bei RAHN a. a. O. und HEINE. Konnmm 
Polyc-hrome Meisterwerke der monumentalen 
Kunst in Italien (Leipzig, Baumgärtnerische 
Bnchh.) Lf. 3.
        

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