Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890121
Sechstes Buch. 
und die drei Lünetten derselben, von denen eine das dem Bilde in S. Gau- 
denzioso nahe verwandte Brustbild des Erlösers bot 1. In Neapel hatte nach 
dem Zeugnisse des Johannes Diaconus Bischof Severus in der von ihm er- 
bauten Kirche Mosaiken herstellen lassen, welche Christus inmitten der zwölf 
Apostel und vier Propheten mit den Emblemen der vier Jahreszeiten zeigten. 
Nach derselben Quelle schuf Bischof Johannes II in der ersten Hälfte des 
6. Jahrhunderts in der von ihm neu erbauten Stephania eine Transfiguration. 
Beide Schöpfungen sind zu Grunde gegangen. Dagegen haben sich in der 
zum Dom gehörigen Taufkapelle S. Giovanni in Fonte Reste von Mosaiken 
aus der Zeit des Bischofs Soter (zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts) erhalten, 
welche trotz ihres fragmentarischen Zustandes einen Schluss auf ihren ehe- 
maligen Reichthum gewähren. An der Kuppel des viereckigen Gebäudes sieht 
man das azurne Firmament mit seinen goldenen und silbernen Sternen; mitten 
darin steht das goldene Monogramm i, über Welchem die Hand Gottes 
eine Krone hält. Dieses Centrum ist von einer Zone mit Tauben und Pfauen 
umgeben, die auf Früchten und Blumen sich schaukeln, und auf diese kreis- 
förmige Zone laufen acht aus den Zwickeln dreieckig vorstossende Felder, welche 
heilige Scenen darstellten und von denen nur mehr ein kleiner Theil existirt. 
Man erkennt noch den Herrn auf dem Globus, der dem Apostelfürsten das Ge- 
setz gibt. Das Oktogon zeigt vorwaltend Pastoralscenen und die sich am Quell 
labenden Hirsche 2. Auch diese Mosaiken stehen den ravennatischen näher 
als den römischen. Man kann das auch von den im  Jahrhundert zu 
Mauändie Mailand entstandenen sagen. Der Zustand der wichtigsten derselben, der 
schakäffsafbeiden Apsidalbilder in der Kapelle des hl. Aquilinus bei S. Lorenzo, 
lässt freilich nach so starker Ueberarbeitung kaum ein sicheres Urteil zu. 
Die eine dieser, vielleicht auf Bischof Laurentius (494) zurückzuführenden 
Lünetten zeigt Christus, jugendlich gebildet, unter seinen Aposteln sitzend 
(Fig. 141), die andere eine Pastoralscene, in der man Joseph mit seinen Brüdern 
zu erkennen glaubt 3. In der jetzt als Dependenz zu S. Ambrogio gehörenden 
Kapelle der hl. F austa (auch S. Satire fuori le mura und Ecclesia Vi- 
ctoris in coelo aureo genannt) hat die Kuppel das Brustbild des hl. Victor 
inmitten einer Krone und der Embleme der vier Jahreszeiten. Unter der 
Wölbung läuft ein reizender aus Blumengewinden, Vögeln, Kinderköpfen zu- 
sammengesetzter Fries, der an die besten Zeiten der römischen Uebung er- 
innert, während der Busto Christi mit den zwei schweren von ihm gehaltenen 
Monogrammen ganz im Geschmack der ravennatischen Musaicisten gehalten 
ist. An den Wänden sieht man ausser den evangelistischen Zeichen die steifen 
Figuren von je drei Heiligen: Felix, Maternus und Nabor  Gervasius, Am- 
brosius und Protasius (vgl. Fig. 329). Sie sind für die locale Heiligenge- 
schichte bemerkenswerth 4. Neben diesen Arbeiten ist etwa noch das Apsidal- 
bild im Dom zu Parenzo in Istrien zu erwähnen, das uns die Madonna 
inmitten stehender Heiligen vorführt 5. Es wird um 684 fallen. Das Mosaik 
der Marienkirche auf dem Sinai, welches Martigny ins 4. Jahrhundert- 
1 GARRUGCI tav. 256. 257.  SALAZARO 
Studi etc. 
2 SALAZARO 1. c.  DE ROSSI Bull. 1871, 
p. 156.  GARRUGCI IV 79, tav. 269. 270 
5 GARRUCGI tav. 234.  ALLEGRANZA 
Spieg. p. 3, tav. 1. 
4 Vgl. BIRAGHI Sui corpi dei SS. Vittore 
e Satire e sulla basilica di S. Fausta. Mi- 
lano 1861.  GARRUCGI IV 42 sg., tav. 235. 
236. 
5 LOHDE Der Dom von Parenzo. Berl. 1859. 
 GARRUCCI tav. 278.
        

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