Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890096
fünften und 
des vierten, 
Die Bildercyklcal 
Jahrhunderts. 
sechsten 
Dazu kommen noch die in S. Cosma e Damiano verstümmelten evangelisti- 
scheu Zeichen und die vierundzwanzig Aeltesten mit ihren Kronen, deren 
ägyptische Starrheit noch die öde Geistlosigkeit der Hauptflguren über- 
trifft. Der Triumphbogen bietet wenigstens das ikonographische Novum einer 
nach Offb. Kap. 21 gegebenen Schilderung der Stadt Gottes im Jenseits. Das 
himmlische Jerusalem ist wie eine karolingische Pfalz gedacht, an deren 
bossirtem Mauerwerk jedenfalls das Gold nicht gespart ist. Christus steht 
zwischen zwei Engeln im Mittelpunkt derselben; den Zug der Apostel, der 
im Vordergrund erscheint, leiten auf der einen Seite Maria und der Täufer, 
auf der andern S. Praxedis ein. Bei den Thüren stehen die Propheten Isaias 
und Jeremias. Draussen kommen, von Engeln geleitet, die Scharen der 
Seligen. Der Künstler hat sich ersichtliche Mühe gegeben, dies ganze grosse 
Personal unterzubringen. Entschieden gewandter zeigt er sich in der ganz 
mit Mosaiken ausgeschmückten Kapelle des hl. Zeno in derselben Kirche. 
Die Büsten am Bogen und die das Brustbild Christi an der Decke stützenden, 
karyatidenartig behandelten Engel mit ihren überschlanken Verhältnissen sind 
von byzantinischem Einflüsse beherrscht 1. Die Mosaiken von S. Ceciliag 
sind wieder nur eine Copie derjenigen von S. Prassede, während das Apsidal- 
bild in S. Maria in Domnica3 in der unabsehbaren, um die thronende 
Jungfrau versammelten Engelschar ein neues ikonographisches Element in 
der Schilderung der Herrlichkeiten Marias bietet und, wie bereits Vitet an- 
gemerkt hat, in einer gewissen Beziehung zu den köstlichen Gloriiications- 
bildern Fra Angelicds und des spätern Mittelalters überleitet. Etwas Aehn- 
liches tritt uns schon in dem unter Constantin IV Pogonatus ausgeführten 
Apsidalgemälde von Parenzo entgegen. 
Noch einen letzten Schritt, und wir stehen vor den Mosaiken von 
S. Marco, die unter Papst Gregor IV (827-844) entstanden sind. Der 
Triumphbogen bietet das Brustbild des segnenden Erlösers zwischen den evan- 
gelistischen Zeichen. Das Apsidalgemalde hat Christus zwischen sechs Heiligen  
die Figuren stehen auf Fussbrettern, denen die Namen aufgeschrieben sind. 
Es ist schwer, sich etwas Geistloseres und Leereres als diese immerhin noch 
kostbar costümirten Gestalten zu denken. Vitet hat bereits die Composition 
für das barbarischste Mosaik Roms erklärt, in welchem die Magerkeit der 
Figuren, die übergrosse Verlängerung der Körperverhältnisse, die Straffheit 
der Gewandungen auf das Aeusserste getrieben sind. Diese traurige Schöpfung 
zeigt, wie de Rossi hinzusetzt, in der That die letzte Leistung der spatrömisch- 
byzantinischen Decorationskunst und zugleich die ausgesprochenste Verarmung 
dieser Schule. „Eine zwei Jahrhunderte dauernde Nacht bricht jetzt ein und 
trennt diese Epoche von jenem Aufschwung, den die Kunst wieder im 11. Jahr- 
hundert nimmt." 4 
Wenden wir uns zum 4. und 5. Jahrhundert zurück, so haben wir, ehe jllßgßilfen 
Wir zu der Blüte der musivischen Kunst in Ravenna übergehen, noch einiger 323185„" 
Werke zu gedenken, welche die Provinzen Italiens und Africa's aufweisen. Afriw  
Was das 4. und 5. Jahrhundert ausserhalb Roms bezw. Italiens uns hinterlassen 
hat, besteht zumeist in Fussböden von Basiliken und Taufkirchen, unter denen 
1 GARRUCCI tav. 285-291.  DE ROSSI 
Musaici Lf, 5. 9. 11. 
2 GARRUGCI tav. 282. 
3 lbid. tav. 293.  DE Rossl Musaici Lf. 15. 
4 OIAMPINI II, tab. 36. 37.  GARRUGCI 
tav. 299.  DE Ross1 Musaici Lf. 13.  
Vgl. VITET im Journ. des Savants 1863, 
p. 360.
        

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