Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890088
Sechstes Buch. 
der Figur des Herrn ins lateranische Museum gelangte; 6. die Auferweckung 
des Lazarus, den Einzug in Jerusalem und das Abendmahl; 7. die Kreuzigung, 
Christus in der Vorhölle, die heiligen Frauen am Grabe. Von jener sind die 
Figuren des Longinus und der heiligen Jungfrau in den Krypten der vatica- 
nischen Basilika. Das Leben der beiden Apostelfürsten war auf der entgegen- 
gesetzten Wand erzählt, und zwar sah man in sechs Scenen: 1. die Predigt 
des hl. Petrus in Jerusalem; 2. die Predigt des hl. Paulus in Antiochien; 
3. die Predigt Petri in Rom, noch zum Theil in den vaticanischen Krypten 
erhalten; 4. die Strafrede gegen Simon den Magier; 5. den Sturz des Magiers; 
6. die Kreuzigung Petri und die Enthauptung des hl. Paulus. In all diesen 
der Einheit und Klarheit völlig entbehrenden Compositionen kann man kaum 
mehr einen matten Schimmer der antiken Kunst entdecken 1. Nicht besser 
dürfte es mit den zwischen Gregor II (715-731) und Paul I (757-767) im 
Lateran ausgeführten Mosaiken bestellt gewesen sein, die jetzt alle zer- 
stört sind. Grimaldi hat uns die Zeichnung eines Mosaiks in einem vatica- 
nischen Oratorium, S. Maria in Turri, bewahrt. In S. Teodoro zeigt 
das unter Hadrian I (772-795) entstandene Gemälde der Tribuna S. Petrus, 
der den hl. Theodor, in goldgesticktem Gewande, mit langem Spitzbart und 
Schleifschuhen, dem Heiland zuführt, S. Paulus mit einem andern Heiligen 2. 
Die Composition erinnert an die in S. Lorenzo fuori le mura, der byzantinische 
Einfluss erscheint starker. Man wird das nämliche von den Productionen des 
8. und 9. Jahrhunderts sagen müssen, welche  merkwürdig genug  in keiner 
Weise an dem theilnehmen, was man die karolingische Renaissance nennt. 
Sie seien hier nur rasch erwähnt. Leo III (795-816) liess in der Apside 
eines der von ihm am Lateran erbauten Triclinien den Herrn mit der 
Jungfrau Maria, Petrus und Paulus, die vierundzwanzig Aeltesten der Apo- 
kalypse schildern. Die Apsis des andern Tricliniums bot eine kirchenpolitische 
Composition, die wir jetzt nur nach der unter Benedict XIV (1743) gefer- 
tigten Zeichnung beurteilen können. In der Mitte thronte Christus zwischen 
den Aposteln; links erschien wieder der thronende Erlöser, welcher Papst 
Sylvester die Himmelsschlüssel und Constantin d. Gr. das Labarum verleiht; 
rechts thronte S. Petrus, der dem Papst Leo III die Stola, Karl d. Gr. die 
Standarte übergibt. Kaiser und Papst tragen den quadratischen Nimbus 3. 
Im vaticanischen Museum existiren von dieser Composition noch zwei Apostel- 
köpfe, die nicht ganz ohne Leben sind. Die unter demselben Papst Leo III 
in S. Nereo ed Achilleo ausgeführte Transiiguration des Herrn ist steif 
und unerquicklich. Christus erscheint hier in der mandelförmigen Aureola, 
neben ihm Elias und Moses; die drei Apostel knien auf dem Boden. Links 
die Verkündigung Mariae 4. Es war von da ab ein weiter Weg bis zu Raffaels 
letztem Werke zu gehen. 
In S. Prassede schuf Papst Paschalis I zwischen 817-824 eine Anzahl 
von Mosaiken, deren Ensemble durchdacht erscheint, so kläglich auch der Ver- 
fall ist, der aus dieser Leistung spricht. Denn das Apsidalgemälde ist so- 
zusagen eine einfache Wiederholung desjenigen von S. Cosma e Damiano. 
Die hll. Praxedis und Pudentiana sind nur an die Stelle der beiden Aerzte, 
Paschalis I an diejenige Felix' IV und S. Zeno an die des Theodorus gerückt. 
1 GARRUGGI tav. 279-282. 
c. p. 258 s. 
2 DE ROSSI Musaici Lf. 16. 
PERATE 
3 GARRUCGI tav. 283. 
4 Gumucox tav. 284. 
Lf. 21. 
Rossl
        

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