Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890065
Sechstes Buch. 
Spätere 
römische 
Mosaiken. 
machen durch seinen grossartigen Ernst, durch die bisher nicht gesehene 
Grösse und Macht der Colossaliiguren, die sich hier von dem dunkeln Blau 
des Firmamentes abheben. Die Menschen, die hier gemalt werden, sind nicht 
das verkümmerte Geschlecht der aussterbenden Römer; es sind die furcht- 
baren Gestalten der neuen Sieger, der germanischen Barbaren, die nun ihre 
Herrschaft bis ins Heiligthum der Kirche hinein tragen. In ikonographischer 
Hinsicht ist das Werk dadurch bemerkenswerth, dass es, zum erstenmal seit 
der Katakombenmalerei, jenen Zug wieder aufnimmt, der die heiligen Patrone 
des Hauses durch die Apostelfürsten dem Herrn darstellen lässt. 
Den Schluss des 6. Jahrhunderts machen in Rom die Mosaiken von 
S. Lorenzo fuori le mura, welche Papst Pelagius II (579-590) ihr Da- 
sein verdanken. Der Triumphbogen zeigt Christus auf der Weltkugel sitzend, 
mit der Rechten segnend, in der Linken das Kreuz. Ihm zur Seite rechts 
Petrus mit dem Kreuze, dann Laurentius n1it Kreuz und Buch, endlich 
der Stifter Papst Pelagius II mit dem Modell der Kirche; links Paulus, Ste- 
phanus mit seinem Buch, Hippolytus, seine Krone in verhüllten Händen 
tragend; an den Seiten die beiden mystischen Städte, die Lämmer fehlen offen- 
bar wegen Raummangels. Ueber dem Bogen läuft die Dedicationsschrift: 
Jlfartyrium flammis olim levita subist-i, iure turis templiis Zux veneranda recht; 
unter dem Kranzgesims des Bogens standen auf blauem Hintergrunde sechs 
andere Distichen (Demovit dominus tenebras etc.), welche uns durch die alten 
epigraphischen Sammlungen erhalten waren und die de Rossi wieder herstellen 
liess. Sie erzählen von dem Beistand des hl. Laurentius, dessen sich der 
Papst und die Stadt zur Zeit der Bedrangniss durch die Langobarden zu er- 
freuen gehabt 1. 
Dem Ausgang des 6. und den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts gehörten 
die nun zerstörten Mosaiken von S. Apostoli, S. Agata, S. Lucia an. 
Vom 6. Jahrhundert an ist der Verfall der musivischen Malerei in Rom 
offenbar. Noch werden drei Jahrhunderte lang eine Menge solcher Werke 
in der Hauptstadt der Christenheit ausgeführt; aber der künstlerische Geist 
ist entliehen, die Invention ist völlig verarmt, man wiederholt nur früher 
Gegebenes, Auge und Empfindung sind so verwildert, dass sie den Gesichtern 
keinen Ausdruck mehr zu geben wissen und vor der Darstellung des in den 
verarmten, steifen und hageren Gestalten sich abspiegelnden Typus der Zeit in 
seinem ganzen Elend nicht zurückschrecken. Die Lebensfrische vergangener 
Jahrhunderte ist einem künstlerisch höchst unerfreulichen ascetischen Ideal 
gewichen, dem einzigen, vor welchem diese Epoche noch einigen Respect be- 
sitzt. Man hat das byzantinischen Stil genannt. In Oonstantinopel hat sich 
das Verständniss für Farbe und Bewegung, das decorative Vermögen und ein 
Rest antiker Auffassung noch lange erhalten, als das alles hier verloren war. 
Nur in dem Ceremoniellen und Costümlichen wird man byzantinische Anklänge 
nicht leugnen können. Das gilt gleich von dem Apsidalbilde in S. A gnese 
fuori le mura, welches unter Papst Honorius I (625--638) entstand. Unter 
der aus den Wolken ragenden Hand Gottes steht die hl. Agnes mit dem 
Kreuz, ganz im Gewand einer byzantinischen Prinzessin. Ihr zu Füssen 
Schwert und Flammen als die Werkzeuge ihres Martyriums. Zur Linken hat sie 
1 CIAMPINI II 101, tab. 28, wo auch 
kleinere Mosaiken der Basilika abgebildet 
sind.  SGHNAASE Geschichte der bildenden 
Künste H12 565 bis 567. 571. 
Storia. dell' arte crist. tav. 271. 
Musaici Lf. 3. 
GARRUGGI 
DE ROSSI
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.