Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1890005
Sechstes Buch. 
S. Maria. 
Maggiore. 
schmacke und einer Delicatesse der Empfindung, welche mit dem angeblichen 
völligen Verfall der römischen Mosaikmalerei um 460 durchaus nicht stimmen 
will. Das Oratorium des Täufers bot einen ganz ähnlichen Anblick. 
Schon ehe diese Werke entstanden, war die musivische Malerei Roms 
dazu übergegangen, wie das bereits die F rescomalerei in der constantinischen 
Laterankirche unternommen, einen grossen biblischen Cyklus darzustellen. 
Die Mosaiken von S. Maria Maggiore sind das hauptsüchlichste Denkmal 
dieser neuen Richtung, dem an Bedeutung nur der Cyklus von S. Apollinare 
Nuovo in Ravenna gleichkommt. Zwei andere Cyklen, derjenige des Ora- 
toriums des Papstes Johannes VII und der im Langhaus von S. Peter einst 
angebrachte, sind uns nur mehr aus älteren Zeichnungen bekannt. 
Die Mosaiken von S. Maria Mag giore, und namentlich diejenigen des 
Triumphbogens und der Langhausoberwände, sind erst durch de Rossfs 
glänzende Publication (Lf. 24 und 25) in das Licht einer kritischen Beleuch- 
tung gesetzt worden. Was früher über diese Schöpfungen gesagt wurde, 
kann ruhig beiseite gelegt werden. Sprechen wir zuerst von den Bildern des 
Arcus principalis oder tlriumphialis, an dessen Giebel die Inschrift XYSTVS 
EPISCOPVS PLEBI DEI steht; sie kündigt die Absicht Sixtus' III (432 bis 
440) an, den eben auf dem Concil zu Ephesus (431) über den Nestorianismus 
gewonnenen Triumph hinsichtlich der Anerkennung des Titels Üsonixog für 
Maria dem römischen Volke durch eine monumentale That zu verkündigen. 
Ehemals prangte am Eingang der Basilika jene aus vier Distichen bestehende 
Inschrift, deren ersten Vers: ,Vz'rgo Maria, tibi Xystus nova tecta dicavif, der 
angelsächsische Dichter Aldhelm im 7. Jahrhundert verzeichnete und deren 
letzte Spuren in der Restauration des Cardinals Pinelli verschwanden. In 
dem dritten Distichon war ausgesprochen, dass hier die Martyrer der Jung- 
frau ihre Kronen brachten und die Embleme ihrer Passio zu deren Füssen 
angebracht Waren. Diese Martyrerbilder fehlen jetzt; wo und wie sie an- 
gebracht gewesen, konnto man aus der Disposition der ähnlichen Martyrer- 
serie in S. Apollinare Nuovo in Ravenna schliessen. Indessen ist hier der 
entsprechende Raum durch die Bilder aus dem Alten Testament eingenommen; 
es bleibt also nur die Annahme übrig, dass Sixtus jene Martyrer über den 
letzteren, zwischen den Fenstern des Langhauses, habe anbringen lassen. Eine 
ähnliche Disposition beobachtet man ein halbes Jahrtausend später in S. Georg 
auf der Reichenau, wo über den historischen Scenen an der obern Schiffs- 
wand zwischen den Fenstern Apostelbilder geordnet sind. Die gewöhnliche 
Annahme geht oder ging binnen kurzem dahin, dass der gesammte musivische 
Schmuck des Innern auf Sixtus III zurückzuführen sei, von dem die Inschrift 
am Eingang indes nur meldet: nova tecta dicavi. Ausser jener Inschrift 
sprechen noch der Liber pontiücalis im Leben des Liberius und Sixtus und 
der von Papst Hadrian I an Karl d. Gr. über die Bilder gerichtete Brief von 
den1 Bau bezw. Umbau der von Liberius begründeten Basilika. Keine dieser 
Notizen, auch nicht diejenige Hadrians (,Xystus fecit basilicavßz sanctissivnae Dei 
genitricis Mariae coynolzieozto maio-ris;    tam in nzetallis aureis quam in divers-ist 
hlistoriis, sacris decoraivit iivnaginibusf), lässt uns klar unterscheiden, welchen 
Antheil Liberius und Sixtus an der Ausschmückung der Kirche na.hmen. Wir 
sind also auch für die Beantwortung dieser Frage wesentlich auf die archäo- 
logische Kritik angewiesen. Die von Liberius in dem Sicininzewn erbaute Kirche 
nahm bekanntlich den Platz einer früher schon bestehenden Basilica Sicinina 
ein, deren ursprünglicher Charakter uns unbekannt ist. Wir wissen nicht, ob
        

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