Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889970
Bilderoyklen 
E 
vierten, 
sechsten Jahrhunderts. 411 
fünften und 
Hadrian I erstreckt hatte. De Rossi stellt fest, dass Hadrian das Mosaik 
selbst intact gelassen hat. 
Was die Composition angeht, so nimmt de Rossi an, dass derselben jetzt 
auch noch die Hand Gottes fehlt, welche von oben über die ganze Scene 
herabreichte; auch unten, wo man das Lamm Gottes sieht, fehlen ein Stück 
des Felsens, auf Welchem es stand, und wahrscheinlich andere Lämmer oder 
Hirsche, welche sich an dem Quell labten. Die majestätische Gestalt des 
thronenden Heilandes umgeben die zwölf sitzenden Apostel, von denen, wie 
schon bemerkt, 1588 zwei weggeschnitten wurden. Die beiden Frauen, welche 
Kronen auf die Häupter der Apostelfürsten Petrus und Paulus zu legen 
scheinen, wurden früher, auch von de Rossi, allgemein als Pudentiana und 
Praxedis erklärt. Lefortl hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass diese 
Erklärung nicht zur Haltung derselben passe, und er dachte daher an die 
Personification der Ecclesia ex circmncisione und der Ecclesia ex gentibus, wie 
man sie auf dem berühmten Mosaik von S. Sabina sieht. Garrucci püichtete 
dieser Auffassung bei, und auch Perate (l. c. p. 208) ist geneigt, sie an- 
zunehmen. De Rossi hat sich, wie mir dünkt, mit Recht, gegen diese An- 
nahme erklärt. Er betont zunächst, dass die beiden Frauen nicht, wie in 
S. Sabina, ausserhalb der Apostelgruppe und des Bildes stehen, noch wie 
jene Personificationen durch Symbole und lnschriften charakterisirt sind; dass 
sie ferner den Aposteln nicht die Kronen aufsetzen, sondern diese gerade 
wie in dem gleichzeitigen Gemälde der Platonia des hl. Damasus bei S. Se- 
bastiano empor- und Christus entgegenhalten. Er kehrt daher zu der ältern 
Annahme zurück und sieht hier die beiden genannten heiligen Frauen, welche 
auch in- anderen Denkmälern der Zeit erwähnt sind. Leider ist in den 
beiden Frauenbildern nur das rechts vom Beschauer antik, das andere ganz 
modernisirt. 
In dem Porticus und in den Gebäuden des Hintergrundes glaubten schon 
die Bianchini (in ihren Noten zu Anastasius und der Kirchengeschichte) den 
Vicus Patricius zu erkennen, in welchem die Kirche S. Pudenziana liegt. Diese 
Meinung, wonach uns also hier ein Stück des alten Viminals mit seinen 
Prachtbauten veranschaulicht wäre, wird von de Rossi nicht abgelehnt. 
In die Nähe dieses Mosaiks von S. Pudenziana rückt in Rom zunächst 
nur, was Alter und Grazie der Empfindung anlangt, das köstliche musivische 
Ornament, Welches die Exedra in der Kapelle der hll. Rufina und Lateran- 
Secunda, dem alten Eingang zum Baptisterium des Lateransßapene" 
schmückt: auf blauem Grunde grünes, mit Gold gehobenes Laubwerk, oben 
das Lamm zwischen vier Tauben. Schon Hübsch (zu Taf. 211) hatte erkannt, 
dass dies Laubwerk demjenigen im Mausoleum der Galla Placidia zu Ravenna 
durchaus verwandt ist; er hatte es aber auch mit Recht für älter gehalten. 
Müntz und de Rossi, der diese reizende Decoration in seiner 6. Lieferung 
reproducirte, stimmten dieser Ansicht bei. Man wird nicht fehl gehen, wenn 
man sie noch in den Ausgang des 4. Jahrhunderts setzt. Nicht bloss in 
Ravenna, sondern auch in Rom selbst hat dies Werk Nachahmung gefunden, 
und wie lange seine Einwirkung dauerte, kann man aus dem Umstande ent- 
nehmen, dass es nicht nur in dem Apsidalmosaik von S. Maria Maggiore, 
sondern noch im 12. Jahrhundert in demjenigen von S. Clemente, freilich in 
starker Verkümmerung, wiederholt wurde 2. 
Rev. 
arch. 
1874, 
2 Vgl. 
Musaici 
DE Rossfs
        

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