Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889953
fünften 
vierten, 
Bildercyklen 
sechsten 
Jahrhunderts. 
Engeln in den Ecken die Heiligen Petrus und Paulus, Johannes den Täufer 
und den Evangelisten, Jacobus, Philippus, Laurentius und Stephanus, in der 
Tribuna das Kreuz dar. Dem 5. Jahrhundert wird auch noch, allerdings von 
späten, Quellen, das 1577 gänzlich erneuerte Mosaik in der Kapelle der 
hl. Helena in S. Croce in Gerusalemme zugeschrieben, welches Kaiser Valen- 
tinian III gestiftet haben soll. 
Für all diese Verluste sind wir einigermassen entschädigt durch die ver- 
haltnissmassig gute Erhaltung desjenigen Mosaiks, welches jetzt als das älteste 
und ehrwürdigste in seiner Gesammtheit uns bewahrte Denkmal musivischer 
Kunst in Rom dasteht. Es ist das Apsidalgemälde von S. Pudenziana, s. Puden- 
jenes kleinen, auf dem Viminal an der Stätte des der Tradition nach  
einst von Petrus bewohnten Hauses des Senators Pudens erbauten Heilig- 
thums, dessen ursprüngliches Mauerwerk wol in den Anfang des 4. Jahr- 
hunderts hinaufreicht, dessen Umbau und Ausschmückung dann unter Papst 
Siricius (884-399) stattfand. Es ist (ich wiederhole hier, was ich im ,Re- 
pertorium für Kunstwissenschafü 1886 gesagt) sehr merkwürdig, dass dieses 
kostbarste aller christlichen Mosaiken bis vor kurzem am wenigsten bekannt 
und beachtet war und von allen am spätesten publicirt wurde. Ciampini hat es 
in seinen beiden Bänden übergangen, indem er es für die das spätere Mittel- 
alter umfassende Fortsetzung reservirte. Der Grund für dieses Verfahren lag 
wesentlich in dem falschen Urteil, welches früher über das Alter des Werkes 
gefällt wurde. Hatten es Einige in das 2.  Andere ins 8. Jahrhundert 
versetzt, so glaubte man im 16. Jahrhundert auf Grund des Monogramms 
des HADRIANVS es der Zeit Papst Hadrians I oder gar Hadrians III zuweisen 
zu müssen. Es kam hinzu, dass die untere Partie des Bildes 1588 durch 
eine ungeschickte Restauration unrettbar zerstört bezw. alterirt wurde, und 
was von diesem Theil übrig war, obendrein lange zugedeckt blieb. Zahlreiche 
spätere Restaurationen (die letzte 1831) beschädigten die Wirkung des Ge- 
mäldes immer mehr, so dass Crowe und Cavalcaselle schliesslich erklärten, 
über den wahren Werth desselben lasse sich kein bestimmtes Urteil mehr 
fallen 1, obgleich sie die Entstehung desselben dem 4. Jahrhundert zuschreiben. 
Dass das Gemälde diesem angehört, hat de Rossi bereits vor nahezu dreissig 
Jahren? nachgewiesen. Der brillante Text, mit welchem er seine späteren 
Publicationen in den ,Musaici' (Lf. 13 und 14) begleitete, stellt die Geschichte 
desselben vielfach in ein neues Licht und weist namentlich die alten und 
echten Stücke des Mosaiks im einzelnen nach. 
Die Entstehung des Bildes in den Tagen Pius' I ist eine Hypothese, die 
heutzutage keiner Widerlegung oder Erörterung mehr bedarf. Dass dasselbe 
der Epoche des Papstes Siricius angehört, lehren die nun zerstörten Inschriften, 
welche Panvinio und Ugonio uns handschriftlich erhalten haben und deren 
erste nach der Restitution de Rossiis lautet: SALVO SIRICIO EPISCOPO 
ECCLESIAE SANCTE ET ILICIO LEOPARDO ET MAXIMO pRESBB. 
Auf das Pontiiicat des Siricius folgte das kurze des Anastasius, dann 
dasjenige Inn0centius' I, dessen Namen Panvinio noch in der Apsis las: 
SALvo INNOCENtIio episcopo. Ausser den Namen der Presbyter der Kirche 
1 Deutsche Ausgabe T 12. Aehnlich noch 
1879 WOLTMANN Gesch. der Malerei I 163: 
,es erinnert den heutigen Beschauer an die 
besten Werke der Renaissance!  LABARTE 
(1. c. IV 116) nahm eine Erneuerung der Ober- 
theile im 8. Jahrhundert an. Vgl. seinen Far- 
bendruck Taf. 121, 2131. 57. GARRUCCI tav.208. 
2 Bull. 1867, p. 49-60.
        

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