Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889945
Buch. 
Sechstes 
die des Heiles sehnsüchtigen Christenseelen, sich nähern: so wie uns Paulin 
von Nola (s. oben) die Symbolik seines Apsiclalgemäldes geschildert hat. 
Verloren gegangen sind uns die musivischen Decorationen der beiden 
Hauptkirchen Roms, der vaticanischen und der lateranischen Basilika, von 
welchen wenigstens ein Theil auf Constantin oder seine Zeit zurückgeführt 
wurde. Das Apsidalgemälde von S. Peter, unter Papst Severin (640) und 
Innocenz III (1198-1216) restaurirt, blieb gleich denjenigen des Triumph- 
bogens und einigen Resten der Wandbemalung bis zur Zerstörung der Basi- 
lika im 16. Jahrhundert erhalten; von dem Bilde am Triumphbogen besitzen 
wir noch eine durch Frothingham bekannt gewordene Beschreibung 1. Es 
stellte Christus zwischen dem hl. Petrus und (rechts) Constantin d. Gr. dar. 
In der Apsis thronte Christus zwischen Petrus und Paulus; Palmen umgaben 
die obere Zone des Gemäldes, während zu den Füssen des Erlösers die Hirsche 
an den vier Paradiesesströmen ihren Durst stillten. Die untere Zone zeigte 
das Lamm Gottes auf dem Berge Sion, zwischen den zwölf aus Bethlehem 
und Jerusalem herbeieilenden Schafen. Welcher Zeit die unter Papst For- 
mosus (891_896) durch Fresken ersetzten Mosaiken des Schiffs angehörten, 
ist ungewiss. Das der constantinischexi Zeit zugeschriebene Mosaik der Facade 
scheint schon unter Leo I restaurirt, unter Gregor IX (1227-1241) durch 
ein neues ersetzt worden zu sein. Es stellte den Herrn zwischen Maria und 
Petrus, zur Seite die Evangelistenzeichen, dann die Evangelisten selbst mit 
ihren Büchern, endlich die vierundzwanzig Aeltesten mit ihren Kronen dar. 
Im vaticanischen Baptisterium hatte vermuthlich Damasus Mosaiken (anmi- 
color vitreas pictura superne t-ingit zuzdas) geschaffen, deren Beschreibung uns 
Prudentius hinterliess (Peristeph. XII 38 sq.) und welche gleich denen im 
Porticns von S. Venanzio und in den Apsiden von S. Lorenzo zu Mailand 
und des Mausoleums der Galla Placidia zu Ravenna den guten Hirten vor- 
führten. De Rossi vermuthet, dass auch ßcene di mare", namentlich ein vom 
Sturm gepeitschtes Fahrzeug dargestellt war und sich darauf des Damasus 
Vers bezog: ,Tu cruce suscepta m-unoli vitare procellas disce wzagis ononitus 
hac ratione loci." 
 Auch der Lateran war seit der Erbauung der Basilika mit Mosaiken ge- 
ziert. Dass dieselben auf Constantin zurückgehen, kann durch nichts erwiesen 
werden. Als die ältesten Reste der ursprünglichen Incrilstation gelten die von 
de Rossi um 400 gesetzten in der Kapelle der hll. Ruiina und Secundina. Von da 
ab entstanden eine Reihe von Mosaiken, welche theils die Basilika selbst, theils 
das Baptisterium, theils die verschiedenen Räume des Palastes und ins- 
besondere dessen Triclinien und Oratorien schmückten. Als letztes Werk 
der römischen Mosaikmalerei des ausgehenden ersten Jahrtausends entstanden 
hier die die Schiifswände bedeckenden Mosaiken Sergius' III (um 907), von 
denen sich keine weitere Kunde erhalten hat und die also noch später fallen 
als die bisher als letzte Schöpfung jenes Zeitalters in Rom erachteten Mo- 
saiken von S. Maria in Trastevere, welche unter Benedict III (855--858) aus- 
geführt wurden. Die unter Hilarus (461-468) entstandenen, unter Sixtus V 
zerstörten Mosaiken des Oratoriums des heiligen Kreuzes stellten ausser vier 
' FROTHINGHAM Une mosaique constanti- 
nienne inconnue ä S-Pierre de Rome (Rev. 
archäol. 1883, Janv., F6vr.).  E Mümz 
Notes sur les mos. chrät. etc. V01. VI. 
 2 Dr. Rossx Bull. 1867, p. 88.  Ueber 
diese und andere in den verschiedenen vati- 
canischen Kapellen angebrachte und jetzt 
verschwundene Mosaiken vgl. man noch 
E. MÜNTZ The lost Mosaics of Rome etc. 
(Amcric. Journ. of Arch. II 3).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.