Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889873
fünften und 
des vierten, 
Pi? Bildereyklen 
sechsten Jahrhunderts. 
Opus tesselatu-zra, welches aus gleich grossen, verschiedenfarbigen Vierecken 
zusammengesetzt war; das Opus marinorczzm sectilc, welches aus regelmässig 
geformten, aber in der Grösse verschiedenen, zusammengepassten Marmorstüeken 
bestand (es kam auch häufig für Wandflächen in Anwendung); endlich das Opus 
Alexandrimmz, welches nicht aus ineinander gesehlungenen, sondern aus zur 
Herstellung eines geometrischen Musters oder einer solchen Zeichnung neben- 
einander gelegten Fragmenten meist sehr zarten Gesteins (Porphyr, Serpentin 
u. dgl.) gebildet war. Das letztere Verfahren, im Mittelalter vielfach an- 
gewendet, diente namentlich, ja ausschliesslich für die den orientalischen 
Teppich imitirenden Bodenbeläge. Opus vßermiczzlatzzzvz nannte man das tesse- 
latum wie das sectile, wenn die Plättchen unregelmassig und wie Würmer 
den Contouren folgend gelegt waren. Für die Wanddecoration unserer Basi- 
liken kommt vor allem das Emailmosaik in Betracht, das aber durchaus 
nicht, wie man früher allgemein glaubte, eine Erfindung der Christen ist, son- 
dern bereits den Aegyptern bekannt war und auch in Pompeji vielfach beob- 
achtet wird. Auch zeigen zahlreiche Marmormosaiken stellenweise Verwen- 
dung des Emails  eine Thatsache, die aus den Ruinen des Alterthums selbst 
im 12. Jahrhundert dem Mönch Theophilus noch bekannt war 1. Die christlichen 
Mosaiken zeigen nur im allgemeinen grössere Würfel als die vorausgehenden 
der Kaiserzeit, doch kommen auch Ausnahmen vor. In dem Mosaik in der 
S. Gcorgskirche zu Thessalonich hat der Würfel 0,005 m im Quadrat, so dass 
(nach Texier) 40000 Würfel auf den Quadratmeter kommen; das macht für 
das ganze Kuppelgemälde 34184 320 "Würfel. Die Tesserulae in dem musi- 
vischen Schmuck des Mausoleums der Placidia in Ravenna, wol dem voll- 
kommensten Werke dieser Art, haben 0,003 m Fläche. Oefter wird, wie in 
der Sophienkirche, beobachtet, dass für die Köpfe feinere Würfel als für 
die übrigen Theile einer Darstellung verwendet werden. In den in Italien 
und im Orient erhaltenen christlichen Mosaiken sind für die weissen oder 
grauen Partien durchschnittlich Marmorwürfel verwendet, während für den 
Rest des Bildes Glaswürfel mit einer in denselben eingeschlossenen Gold- 
sehichte oder Glaspasten, die mit metallischen Oxyden gefärbt sind, zur An- 
wendung gelangten. Plinius nannte schon dies Email vitmmz, unter welcher 
Bezeichnung wir ihm auch bei Sidonius Apollinaris (Ep. II 16) begegnen. 
Im 9. Jahrhundert beschreibt der Chronist von Siponto eine musivische Malerei 
mit den Worten: gliversts coloribzrs minutisgue titreis lapillis fulvo auro super- 
Iectis, mazrsoleo opcrä, und ein anderer Schriftsteller des 8-9. Jahrhunderts 
spricht im selben Sinn von gnusiva prasin-i vitrf. Aehnlich Theophilus und 
andere Autoren des hohen Mittelalters. Der Ausdruck ßmaltzmn" wird zum 
erstenmal im 9. Jahrhundert, im Liber pontiiicalis (Vita Leonis IV, 847-855: 
frabzila de smalto) getroffen und bezieht sich da nicht auf ein Mosaik, sondern 
auf ein Email in der byzantinischen oder der Limoger Technik. In dem heutigen 
Sinn werden smalto, ävnail erst in neuerer Zeit angewendet1. Dass die 
musivisclie Malerei das Fresco an Haltbarkeit übertrifft, unterliegt keinem 
Zweifel; doch darf man sich hinsichtlich der Dauerhaftigkeit der ersteren keinen 
zu hohen Vorstellungen hingeben. Die Mosaiken leiden, wie das in Ravenna 
1 Vgl. zu all diesen Ausführungen E. MüNTz 
La muszfique chrät. p. 29 s., wo auch die 
diese Definitionen bestätigenden Angaben des 
Lib. pontif. aus Vita Benedicti lI[ (855-8-58) 
Kraus, Geschichte der Christi. Kunst. I. 
und Steplmni V (885-891) angeführt sind. 
Ebd. p. 32 die Zusammenstellung dessen, 
was wir aus mittelalterlichen Quellen über 
die Herstellung des Fhnailmosail: wissen. 
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