Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889837
fünften 
des vierten, 
Bildercyklen 
Ei 
sechsten Jahrhunderts. 
148. Psalms aus dem Malerbuch vom Berge Athos erklärt, wo in dem 
Springen, Heulen, Singen zahmer und wilder Thiere, in dem Zittern und 
Neigen von Bäumen und Sträuchern, in dem Brüllen des Meeres, dem Auf- 
lodern des Feuers, dem Rauschen des Hagels, dem Erglänzen von Eis und 
Schnee der Gedanke jenes Psahnes variirt ist, Wie alle Schöpfung Gottes 
Lob singt. Damit ist auch der Cataclysmus erklärt, und es liegt kein Grund 
vor, an die Sündlluth zu denken. An der entgegengesetzten, nach dem Fluss 
zu liegenden Wand war die für ein Triclinium so passende Brodvermehrung, 
an der untern Schmalwand die Erschaffung des Menschen und sein Fall 
und die Vertreibung aus Eden, an der oberen die Geschichte des Apostels 
Petrus erzählt; beide Historiae waren durch ausgiebige Inschriften erklärt, 
aus denen Steinmann mit Unrecht eine Schilderung des ganzen Sechstage- 
Werkes herausgelesen hat. Die Uebereinstimmung der Schilderung, wie der 
Psalm 148 nach Angabe des Malerbuches vom Athos zu malen ist, mit der 
Notiz des Agnellus ist interessant genug. Sie zeigt an einem Beispiele mehr, 
woher die byzantinische Kunst ihre Motive und Typen herbezogen hat, und 
ist ein neuer Beweis für die Beharrlichkeit, mit welcher die Byzantiner an 
den dem  Jahrhundert entstammenden, dem Schatz des christlich- 
römischen Bilderkreises entnommenen Typen festhielten. 
Wir müssen es uns hier versagen, auf andere Werke aus der Zeit Galla 
Placidia's einzugehen, wie auf die Gemälde in S. Giovanni Evangelista, wo 
die Rettung der Fürstin aus dem Seesturm dargestellt war, bei welcher 
Gelegenheit sie die Erbauung dieser Kirche gelobt hattel; desgleichen auf 
den Bilderschmuck der nun zerstörten Kirche des heiligen Kreuzes, wo Christus 
inmitten der Evangelisten auf dem Fels zu sehen war, aus welchem die vier 
Paradiesesflüsse strömen. 
Etwas später als Neo fällt der Diakon Elpidius Rusticus, dessen Ruhm Elpidius 
als Mediciner ihm die Stellung eines Leibarztes des grossen Gothenkönigs Rustwß 
Theoderich verschaEte und der später zurückgezogen in Spoleto lebte, wo er 
um 533 starb. Ihm werden 24 Tristichen (in Hexametern) zugeschrieben, 
welche Gegenstände des Alten und Neuen Testamentes behandeln, die aber 
weder im sprachlichen Ausdruck noch an Eleganz mit seinem Hauptwerk, 
dem ,Carmen de Christi Iesu beneficiisj übereinstimmen? Es ist daher, 
wie auch Ebert zugibt, sehr fraglich, ob Elpidius Verfasser dieser Tristichen 
sei. Zweifellos (darauf deutet auch das wie bei Prudentius wiederkehrende 
hie, der Hinweis auf die dargestellte Scene) dienten auch diese Verse zur 
Erklärung von Bildern, und sie sind um so interessanter, als hier der Paral- 
lelismus der beiden Testamente mit offenkundiger Absicht durchgeführt ist. 
Es werden da nachstehende Sujets vorgeführt: 1. Verführung der Eva  
die Verkündigung des Engels bei Maria; 2. Austreibung der Stammeltern 
aus dem Paradies  Einführung des rechten Schächers ins Paradies; 3. Noe 
in der Arche  die Vision Petri (Apg. Kap. 11); 4. der bahylonische Thurm  
das Reden der Apostel in fremden Zungen; 5. Verkauf Josephs  Verrath 
Christi; 6. Opferung Isaaks  Christi Kreuzigung; 7. die Sendung von Wach- 
1 AGNELL. 1. c. Vita S. Ioan. c. 6 (ed. 
BACOHINI I 285   RUBEUS Thes. antiq. 
et hist. Ital. VII 1, 98.  Vgl. RICHTER 
Die Mosaiken von Ravenna S. 110. f. STEIN- 
IIANN 1. e. p. 51. 
2 ELPID. RUSTIC. Histor. Testamenti veteris 
et novi (in G. FABRIGII Poet. vet. eccl. Opp. 
Basil. 1564). Auch abgedruckt in der C011. 
Pisaur. omn. poet. VI 77 und bei GARRUGCI 
Stor. I 521 sg. Vgl. dazu EBERT Allgem, 
Geschichte der Litteratur des Mittelalters I 2 
(Lpz. 1889) 414. STEINMANN 1. c. p. 55,
        

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