Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889767
Sechstes 
gerufen." De Rossi macht hierzu die treffende Bemerkung: ,Abgesehen von 
der Sünderin zu den Füssen des Herrn 2, sind, wie jeder Archäologe sieht, die 
von Asterius als Motive für die Teppichdecoration bezeichneten Sujets ganz 
dieselben, welche in der Sarkophagsculptur des 4. Jahrhunderts den christ- 
lichen Bilderkreis ausmachenf Er weist dann weiter darauf hin, dass ganz 
gewiss dieselben Sujets nicht bloss in den Häusern der Gläubigen, sondern 
auch in den Basiliken auf gewebten Teppichen prangten. Unter den dem 
Heiligthuin zu Nola dargebrachten Gaben verzeichnet Paulinus: cela    seu 
pure spleizrlida lino [l siiive coloratis textu-m fucata figuris (Poein. XVIII 31). 
Letzterer Ausdruck kann an sich ebensogut auf eingewebte, gewirkte, als 
auf den Teppichen aufgemalte Sujets bezogen werden; jedenfalls dürfen wir 
es als wahrscheinlich ansehen, dass man gegen Mitte des 4. Jahrhunderts 
damit anfing, sowol in Mosaik ausgeführte (so in S. Costanza) als in Teppich 
eingewebte Bildercyklen anzubringen; bald wird man auch zu Wandmalereien 
übergegangen sein. Diese Malerei selbst aber bewahrte viele Jahrhunderte 
hindurch, selbst noch in der Glasmalerei des 13. und 14. Jahrhunderts, die 
Erinnerung an die Teppichmalerei, mit der die Innendecoration der altchrist- 
lichen Kirchen begonnen hatte. 
Schon manchesmal haben wir der wichtigen Mittheilungen gedacht, welche 
uns Bischof Paulin von Nola (410-431) hinterlassen hat. Noch ehe er den 
Bischofssitz von Nola bestieg, hatte er die auf seinem Gute bei Nola liegenden 
vier alten kleinen Basiliken, die hier zu Ehren des Martyrers Felix errichtet 
waren, restaurirt und mit Bildern geschmückt, dann eine neue Basilika zu 
Ehren desselben Heiligen erbaut und auch in dem benachbarten Städtchen 
Fundi eine neue Kirche zu der ältern bauen lassen. Diese Schöpfungen fallen 
in die Jahre 4O1M403, in denen auch des Paulinus langjähriger Freund 
Sulpicius Severus zu Primuliacuin in Aquitanien einige neue Kirchenbauten 
stiftete. Er wandte sich an Paulinus mit der Bitte, ihm ausser Reliquien 
auch passende Inschriften für seine Bauten zu dichten. Wir besitzen noch 
Paulins Antwort auf dieses Anschreiben 3, in dem er auch die Inschriften für 
seine eigene grosse Felixbasilika und diejenige in Fundi mittheilt. Ergänzt 
werden diese Angaben durch die poetische Beschreibung der neuen Kirchen, 
Welche Paulinus einem andern Freunde, dem dacischen Bischof Nicetas, sendet 4. 
In vieler Hinsicht sind diese Paulinischen Briefe und Carniina für die Kunst- 
geschichte wichtigö; wir heben hier nur hervor, was sich auf die Bildercyklen 
Paulinus 
von Nola 
und seine 
Schöpf- 
un gen. 
l Asrmur Amas. episc. Homil. de divite 
et Lazaro (ed. COMBEFIS Auctar. Par. 1648). 
2 Bull. 1871, p. 61.  In diesem Punkte 
dürfte unser verehrter Meister irren: die 
Sünderin zu den Füssen Christi ist Maria 
von Bethanien, die Schwester des Lazarus, 
welche auch auf den Sarkophagen des 4. und 
5. Jahrhunderts als zu den Füssen des Er- 
lösers liegend in den Darstellungen der 
Auferweckung des Lazarus erscheint; so auch 
auf den Fresken von S. Georg auf der 
Reichenau, von deren acht bezw. neun Scenen 
nicht weniger als sechs schon hier bei Aste- 
rius erwähnt werden  ein evidenter Be- 
weis für die Erhaltung der Tradition. 
3 Ep. XXXI. XXXII, ed. L1: BRUN (Par. 
1885) p. 193A215. 
4 Poem. XXIV und XXV  De Feliee 
Natal. earm. IX. X), 1. c. p. 141. 159. 
5 Zu dem Texte vgl. DE Rossr Inser. II 
1, 185. 189-192. GARRUCCI Star. I 487. 
Deutsche Uebersetzung des Briefes an Severus 
bei AUGUSTI Beiträge I 154.  Das IIaupt- 
werk über die Alterthümer von Nola ist 
REMONDINI Della. Nolana eccl. storia (3 voll. 
40. Nap. 1747), wo ein Situationsplan der 
Basiliken in Nola gegeben ist. Verbessert 
ist der Galantdsehe bei LAGRANGE Hist. de 
St. Paulin de Nole 2 II (Par. 1882), wo 
auch eine Innenansicht der von Paulin restau- 
rirten alten Basilika gegeben ist. Die Aus- 
führungen von HOLTZINGER (Zeitschrift für 
bildende Kunst XX [1885] 135) und STEIN- 
MANN (Tituli p. 1 sqq.) kennen weder diese
        

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