Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889734
äilääßayklßn 
vierten, 
fünftell 
sechsten 
Jahrhunderts. 
Titel (nrthümlich ist die aus späten Handschriften von Cellerius und Ob- 
barius übernommene Ueberschrift Diptychon) haben sich 49 Tetrastichen 
crhalten1, welche eine Art von Abriss der alt- und neutestamentlichen 
Geschichte in 24 bezw. 25 Bildern darstellen. Dass sie der Beschreibung 
von Gemälden dienen, kann nicht zweifelhaft sein, da das hie, ecce, aspice 
deutlich genug auf solche hinweist. Indessen folgt daraus nicht, dass, wie 
Ebert und Rösler annehmenä, wirklich ausgeführte Bilder hier beschrieben 
werden. Springer3 sieht in den Versen eine Art Bilderbibel, welche den 
Künstlern als Vorlage gedient hätte. Das frühe Auftreten von Armenbibeln, 
welches de Rossi kürzlich erwiesen4 und auf welches wir zurückzukommen 
haben, scheint zu dieser Annahme zu stimmen. Ich vermuthe indessen, dass 
wir es hier eher mit einem Entwürfe von Inschriften für erst herzustellende 
Malereien zu thun haben, ähnlich denjenigen, welche Paulin von Nola 
um dieselbe Zeit (ca. 408) seinem Freund Severus für die beiden Kirchen in 
Primuliacum ausarbeitete, und denen, welche im karolingischen Zeitalter 
Walafried Strabo und Ekkehard für St. Gallen oder Reichenau und 
Mainz dichteten. Die grosse Zahl der Distichen lässt in allen diesen Fällen 
nicht daran denken, dass sämmtliche in Betracht kommenden Scenen wirklich 
ausgeführt waren,  man wählte aus dem vorgeschlagenen Vorrath, was dem 
Patron der Kirche oder dem Künstler zusagte, wie das Ekkehard selbst nahe- 
legt: eligantur rjui jaicturis convenictnt. 
Betrachten wir die einzelnen Scenen des Dittochacum näher, so ergibt sich 
nach den handschriftlichen Ueberschriften folgende Zusammenstellung: 
Testamentunn V etus. Testamentunn Novum. 
1. Adam ct Eva. 25. Adnuntiatio Dominica. 
2. Abel et Cain. 26. Civitas Bethlehem. 
3. Arca Noe. 27. Magorum munera. 
4. Ilex Mambrae. 28. Pastores ab angelis admoniti. 
5. Monumentum Sarae. 29. Occiduntur infantes in Bethlcenl. 
G. Somnium Pharaonis. 30. Christus baptizatur. 
7. Ioseph a fratribus agnitus. 31. Pinna. templi. 
8. Ignis in rubo. 82. Ex aqua, vinum. 
9. Iter per mare. 83. Piscina Siloah. 
10. Moses accipit legem. 34. Passio Ioannis. 
11. Manna et eoturnices. 35. Per mare zunbulat Christus. 
12. Serpens aeneus in eremo. 36. Daemon missus in porcos. 
13. Lacus myrrhae in eremo. 37. Quinque panes et duo pisces. 
14. Helim lueus in eremo. 88. Lazarus suscitatus a. mortuis. 
1 OBBARIUS gibt in seiner Ausgabe (Tü- 
bingen 1845) nur 48 Tetrastichen, und zwar 
ohne Titel; die Parmenser Ausgabe von 1788 
wie auch GARRUCCI Star. I 476 haben 49 (das 
bei Obbarius fehlende ist 43, Sepulcr. Christi) 
mit den Ueberschriften. 
2 EBERT Gesch. d. christL-latein. Literatur 
l S. 289. 290.  RösLER (Der kathol. Dichter 
Aur. Prudent. Clem. [Freib. 1886] S. 125) meint 
sogar, die Kirche könne keine andere als die von 
Calagurris oder die von Saragossa selbst sein. 
3 SPRINGER Grundzüge d. Kunstgeschichte 
II (Lpz. 1888) 120. 
4 DE Rossr Bull. 1887, p. 56 sg.  Auch 
STEINMANN (Die Tituli und die kirchliche 
WVandmalerei im Abendlande [Lpz. 1892] 
S. 76) tritt Springers Annahme bei, während 
BROCKHAUS (Anrelius Prudentius Clemens 
[Lpz. 1872] S. 158 f. 267 f.) nur an wirklich 
ausgeführte Bilder denkt, ohne eine Ver- 
muthung darüber auszusprechen, wo sich die- 
selben befundcn haben könnten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.