Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889723
Sechstes Buch. 
Wäre Lactantius wirklich, wie das vielfach, auch noch von Garrucci (Stor. 
I 461) angenommen wird, der Verfasser des ,Oarmen de passione Domini", 
so hätten wir bereits aus den Tagen Kaiser Constantins d. Gr. selbst die 
Beschreibung einer Kirche, welche zwar nicht mit einem ganzen Cyklus, aber 
doch mit einem grossen Kreuzigungsbilde ausgestattet gewesen Wäre. Aber 
vieles spricht dafür, dass das Gedicht einer spatern Zeit, etwa dem 5. Jahr- 
hundert, angehört. Noch viel wichtiger wäre für die Kunstgeschichte die 
Echtheit der Distichen, welche der hl. Ambrosius (T 397) für seine Basilika 
in Mailand gedichtet haben soll 1. Diese Distichen, deren Ueberlieferung auf jetzt 
nicht mehr controllirbare Handschriften zurückgeht, illustriren Wandgemälde, 
Welche in der im Mittelalter durch einen Neubau ersetzten Basilika des hl. Am- 
brosius in Mailand angebracht gewesen sein sollen. Es sind im ganzen 21 Bilder, 
von denen nur 4 dem Neuen Testament angehören, während die 17 alt- 
testamentlichen eine lückenhafte Serie darstellen. Offenbar haben wir es nur 
mit einer fragmentarischen Aufzeichnung zu thun; von der ursprünglichen Ab- 
schrift hat sich nur ein Theil erhalten, und dieser Theil lässt an eine spätere 
Entwicklung als in der Zeit des hl. Ambrosins denken. Das gilt nament- 
lich, wie das Dobbert bereits betont hat, von der Abendmahlsscene, wo 
Johannes als an der Brust des Herrn ruhend geschildert wird (caspice Iohavzneßnz 
recubantem in pectore Christi),  eine Darstellung, die sonst erst im 8. Jahr- 
hundert (zu Ferentillo zuerst) vorkommt und deren Auftreten hier entschieden 
gegen das 4. Jahrhundert spricht. Die übrigen neutestamentlichen Scenen 
sind die Verkündigung, Zachaus auf dem Baume, die Transiiguration (maie- 
state sua rutilans Sapientia eibrat). Die alttestamentlichen folgen sich bei 
Biraghi also: 1. Noe; 2. Abraham in der Zahl der Sterne die Menge seiner 
Nachkommenschaft schauend; 3. die drei Engel zu Gaste bei Abraham, Sara 
Versteckt sich; 4. Opferung Isaaks; 5. Isaak und Rebekka; 6. Jakob nimmt Esau 
den Segen des Vaters vorweg; 7. Jakob bildet sich aus den gesprenkelten 
Schafen Labans eine Heerde (1 Mos. Kap. 30); 8.-11. Geschichte des ägyptischen 
Joseph; 12. Absalom am Baume hängend; 13. Jonas von dem See-ungeheuer 
verschlungen und ausgespieen; 14. Isaias; 15. Jeremias; 16. Himmelfahrt 
des Elias; 17. Daniel in der Löwengrube. Man sieht, dass auch von diesen 
Scenen eine gute Anzahl über den Bilderkreis des 4. Jahrhunderts hinausgeht. 
Am nächsten verwandt mit diesen Distichen zeigt sich das Dittochaeum 
(AirmZIzToV) des spanischen Dichters Aurelius Prudentius Clemens, dessen 
Dichtungen im allgemeinen zwischen 401-405 zu setzen sind. Unter jenem 
1 Diese Distieha sancti Ambrosii de di- 
versis rebus quae in Basilica Ambrosiana 
scripta. sunt' gab zuerst Fn. JURET in MAR- 
GARINI DE LA BIGNEYS Bibl. patr. VIII (Par. 
1589) ex veteribus codd. heraus. Sie wurden 
dann in der Pariser Ausgabe des Ambrosius 
von 1603 (V 362) aufgenommen und von 
TILLEMONT, PURICELLI, BUGATI, neuerdings 
von BIRAGHI (Inni sinceri e carmi di S. Ambr. 
p. 33 sg. 144 Sg), DE ROSSI (Inscr. II 1, 160. 
184), GARRUCCI (Stor. I 461) für echt gehalten, 
während TH. HACH (LUTHARDTS Zeitschrift 
für kirchliche Wissenschaft 1885, S. 384), 
DOBBERT (Repertor. für Kunstwissenschaft 
XIV [1891] 180), STEINMANN (Die Tituli 
[Lpz. 1892] S. 62 f.) sich theils gegen die 
Echtheit der Distichen aussprechen, theils 
begründete Bedenken gegen dieselbe vor- 
bringen. Nach lhznnsrfs Fund (s. unten 
Anm. S. 389) ist m: Rossl kürzlich auf 
den Gegenstand zurückgekommen (Bull. 1892, 
p. 152) und hat die Autorschaft des Am- 
brosius wieder wahrscheinlich zu machen ge- 
sucht.  Ueber die Dichtungen des hl. Am- 
brosius im allgemeinen vgl. jetzt G. M. DREVES 
Aurelius Ambrosius, ,der Vater des Kirchen- 
gesangest (58. Ergänznngsheft zu den ,Stim- 
men aus Maria-Laach". Freiburg 1893). Da- 
zu KIENLE in der Zeitschrift ,Katholik', Mainz 
1894, S. 467.
        

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