Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889691
Sechstes 
Buch. 
Die 
Bildercyklen des vierten, fünften und sechsten Jahrhunderts. 
Die altohristliche Mosaik- und Buehmalerei. 
"WIR haben die Coemeteriahnalerei der ersten drei christlichen Jahrhunderte 
seit den Tagen Constantins mehr und mehr hinter der Sarkophag- 
sculptur zurücktreten sehen; gegen Ausgang des 4. Jahrhunderts vollzieht sich 
eine weitere Veränderung. Es geht ein Wandel in dem Charakter der Kunst 
vor, die den symbol-isch-allegorischen Zug mehr und mehr beiseite setzt und 
die biblisch-historische Darstellung bevorzugt; und ein weiterer Wandel offen- 
bart sich darin, dass die sepulcrale Färbung der Kunst abgestreift wird: die 
christliche Kunst entsteigt dem Dunkel der Gräberwelt, sie rückt dem Leben 
und den Lebenden naher, und statt sich vorwaltend an der Wohnstätte des 
Todes zu entfalten, widmet sie sich jetzt mit Vorliebe dem Schmuck der Ba- 
silika, welche, seit der Kirche der Friede geschenkt ist, als letzte grosse 
That des römischen Geistes der Erde entsteigt. Der Bilderkreis erweitert sich 
11m ein beträchtliches. In grossen Bildercyklen wird die Gesammtentwicklung 
des Reiches Gottes auf Erden im Alten wie im Neuen Bunde vorgeführt: zu- 
nächst in umfassenden Wandmalereien al fresco, dann in den Schöpfungen 
der Mosaikmalerei und endlich in einer der Gemeinde Weniger zugänglichen, 
aber der Detaillirung um so günstigern Weise in der Buchmalerei. So hebt 
mit dem ausgehenden 4. Jahrhundert eine Kunstthätigkeit und Kunstrichtung 
an, Welcher in den dunkeln Jahrhunderten des Zusammenbruchs der antiken 
Cultur und des mühsamen, vielfach durchbrochenem Aufbaues einer neuen 
Cultur bis tief ins 11. Jahrhundert hinein eine grosse, glänzende Rolle zuiiel. 
Mehr als ein halbes Jahrtausend hindurch stellt sich in diesen ,Historieni, welche 
der Pinsel unbekannter Maler malt oder die Hand ebenso unbekannter Musai- 
cisten aus kleinen Steinchen zusammenfügt, die einzige Leistung künstlerischen 
Vermögens, das beste Stück ästhetischer Empfindung der Menschheit dar. 
Ein Kirchenlehrer des 8. Jahrhunderts, Johannes Damascenus, behauptet 
in seinem Schreiben an den Kaiser Theophilus 1, schon Constantin d. Gr. habe 
in den Kirchen die Anbringung von Serien von Scenen aus der heiligen 
Geschichte angeordnet (äv mig äxzlrlirriazg (Zuzaropeiizrüaa äuoyoßäriyae), und er 
nennt als solche die Geburt des Herrn in Bethlehem, die Anbetung der Hirten, 
der drei Weisen, u. s. w., auch die Leidensgeschichte, die Auferstehung und die 
Himmelfahrt des Herrn. Die Angabe dieser Themate hat bereits C. Bock 
ad Theoph. 
QUIEN I
        

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