Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889586
Buch. 
Fünftes 
Der Altar stand ohne Zweifel in den meisten Fällen frei, doch war er 
häufig durch ein Ciborium oder Tegurium überragt 1, das ihm gegen 
mancherlei Zufälle Schutz bot, zugleich aber an die Bedeutung des Altars als 
einer Confessio (Memoria), d. i. eines Grabes, erinnerte. Denn die antiken Grab- 
denkmäler schon liebten diese Art von Freibau über dem Denkmal. Beweise 
dafür sind die Grabstele von Bourges? und das Grab mit Teguriuin vom 
Jahre 324 in Dana 3. Dieser Freibau war von vier Säulen getragen, zwischen 
denen der Altar gerade Platz fand; die Säulen waren durch Bogen oder Archi- 
trave verbunden und gleich diesen meist mehr oder weniger reich ornamentirt, 
mit Symbolen und Inschriften versehen. Es gab derartige Ciborien aus Holz 
(wie in S. Susanna in Rom 4, auch in der Basilica Ursiana zu Ravenna), andere 
waren aus Erz, selbst aus Silber, meist aber aus Stein hergestellt. 
Von den ältesten Exemplaren dieser Ciborien, welche Constantin nach 
dem Liber pontificalis in mehreren Kirchen Roms herstellen liess, hat-sich 
keines erhalten. Das constantinische Ciborium von S. Lorenzo in Agro Verano 
glaubte de Rossi auf den Bronce-Enkolpien der Vaticana und der Barberiniana 
dargestellt zu findenß; man sieht hier gewundene Säulen, die also W01 von 
Erz waren und nicht mit den von Sixtus III über der Confessio von S. Lorenzo 
geschaffenen identisch sein können. S. Peter hatte unzweifelhaft zwei Ciborien, 
eines über dem Altar und ein zweites über der Confessio. Für letztere hatte 
Constantin Porphyrsäulen geschenkt, für ersteren schneeweisse Säulen aus 
Griechenland kommen lassen. Gregor d. Gr. erneuerte das Ciborium der Con- 
fessio und gab ihm silberne Säulen. Vielleicht trug dies Oiborium die unter 
Sixtus III von Valentinian III gestiftete Image aurea des Herrn mit seinen 
zwölf Aposteln 6. Für die Lateranbasilika soll Constantin ein silbernes Altar- 
dach geschenkt haben (fastiigiuvn argentezwiz battutile), das an der Vorder- 
wie an der Rückseite die sitzende Gestalt des Erlösers zeigte und 2025 Pfund 
Silbers wog. Die Horden des Alarich sollen dies Werk entführt haben, worauf 
Valentinian III sich von Sixtus III zur Herstellung eines neuen, dem constan- 
tinischen an Gewicht fast gleichkomnienden silbernen Ciboriuins bestimmen liess. 
Alle diese Notizen verdanken wir den Angaben des Liber pontificalis. 
Sie sind mir, wie dessen Mittheilungen über die Innenausstattung der römischen 
Basiliken durch Constantin u. s. f., durchaus nicht unverdachtig. Ich kann 
mich der Vermuthung nicht entschlagen, dass hier Anschauungen und Wünsche 
des 6. Jahrhunderts auf das 4. übertragen sind. 
Was uns das christliche Alterthum an Altarciborien hinterlassen hat, 
sind nur Fragmente. An der Spitze derselben stehen die zwei 1874 aus- 
gegrabenen Ciboriumssäulen von S. Petronilla mit dem seiner Zeit von uns 
besprochenen Martyrium des hl. Achilleus: also ein Werk des ausgehenden 
4. Jahrhunderts (395) 7. Der Architrav des Ciboriums in der Unterkirche von 
S. Clemente trägt die sein Alter auf 514-523 feststellende Inschrift: altare 
tibi Deus salvo I-Iornzisda papa lllercurius piresbyteir cum sociis offfert]. Dieser 
1 Vgl. hierzu Real-Encykl. 1 289; I1 
817. FLEURY 1. c. II 1-39. HOLTZINGER 
a. a. O. S. 133 f. DE ROSSI Bull. 1869, 
p. 49 sg.; 1877, p. 98 sg.; 1878, p. 115; 
1891, p. 67 sg. COZZA-LUZI L' antico Cibo- 
rium dell'ip0ge0 di Bolsena (in ,Archäol. 
lührengabe zum '70. Geburtstage de Rossi's' 
[1892] S. 677). 
2 FLEURY l. c. pl. 90. 
3 WADDINGTON Inscr. syr. N0. 2688.  
HOLTZINGER a. a. O. S. 244, Fig. 174. 
4 Lib. pont. in Serg. 687-701. 
 Bull. 1869, tav. 154. 
6 Vgl. Hovrzxmnazn a. a. O. S. 137. 
7 Bull. 1875, p. 7-10, Taf. 4.  FLEURY 
1. c. II 7.
        

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