Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889575
Altchristliche Bgxlkunstl 
an den Reliquien anzurührenl, wurde auch hier häufig eine kleine Oeifnung 
(Fbnestella confessionis) gebrochen.  
Die Anlage der Oonfessio dicht unter dem Altar, bezw. die Verbindung Confessio. 
derselben mit ihm war im Vergleich zu dem von Säulen getragenen, sonst 
aber unter der Mensa frei gehaltenen Altar kein Fortschritt in ästhetischer 
Beziehung. Man hat dann später auch  0b aus diesem Grunde, 0b aus 
praktischen Bequemlichkeitsrücksichten  auf diese Anordnung verzichtet und 
die Reliquien entweder in einer unter dem Presbyterium angelegten Krypta 
oder in einer vor dem Altar unter dem Fussboden der Basilika construirten 
Confessio, zu der man auf mehreren Stufen herabstieg, beigesetzt. Die letztere 
Gattung der Confessio ist heute noch durch die berühmten Anlagen in S. Peter, 
S. Paolo fuori le mura, S. Giovanni im Lateran, S. Maria Maggiore vertreten. 
Wann die ersten Krypten auftraten, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. 
Manches spricht dafür, dass diejenige in S. Pancrazio bei Rom unter Sym- 
niachus (498-514) oder in der Zeit Honorius" I (625-638) entstand; doch 
könnte sie auch der Restauration Hadrians I (772-795) angehören 2. Eben- 
sowenig sichere Nachricht besitzen wir über das Alter der Krypten unter 
SS. Quattro Coronati, S. Prassede in Rom, unter dem Dom zu Torcello, 
S. Apollinare in Olasse und der übrigen Krypten in Ravenna. Es ist möglich, 
aber nicht bewiesen, dass diese Anlagen noch ins 6. Jahrhundert fallen. 
Die Zahl der Altäre scheint sehr verschieden gewesen zu sein. Einige 
Kirchen, wie diejenige zu Tyrus, die Hagia Sophia, besassen nur einen Altar, 
wie dies Augustin und Gregor von Nazianz als etwas Selbstverständliches zu 
unterstellen scheinen. Die gemeinsame Celebration der Priester mit dem 
Bischofe erklärt das. Aber schon Paulin von Nola spricht von mehreren 
Altären in der Heiliggrabkirche. Ist die Notiz des Liber pontiiicalis über dic 
Stiftung von sieben Altären auch sicherlich einer spätern Zeit zuzuschreiben, so 
ündet sich die Erwähnung mehrerer Altäre doch ebenda im Leben des Papstes 
Hilarius (46l-468) und spricht Gregor d. Gr. (Ep. VI 49) von 13 Altären, 
die in der Kirche zu Saintes Aufstellung fanden 3. Wir dürfen also annehmen, 
dass seit Anfang des 5. Jahrhunderts Nebenaltäre aufkamen, wenn dieselben 
auch zunächst nur, wie dies Duchesne für den Lateran glaubte annehmen zu 
sollen, Oblationarien waren, auf denen die Gläubigen ihre Gaben darbrachten. 
Die Doppelchöre der karolingischen Zeit boten einen zweiten eigentlichen Altar; 
sonst aber zeigt auch der Befund der frühmittelalterlichen Kirchen, dass man 
sich durchweg auf einen oder wenige Altäre beschränkte. Erst seit dem 
13. Jahrhundert beginnt die Uebung, auch das Langhaus mit Altären zu be- 
setzen, was mit der Zunahme des Klerus an den grösseren Kirchen und dem 
Aufkommen der Missa pTiUaid zusammenhängt. 
Der Altar fand durchgängig seine Aufstellung in der Apsis, dem Portal 
der Kirche an der entgegengesetzten Schmalseite gerade gegenüber. Eine 
Ausnahme ist es, wenn, wie in dem Dom zu Trier und in anderen Central- 
bauten, eine in der Mitte der Anlage errichtete Tribuna den Altar trägt, oder 
wenn, wie in der Basilika zu Tipasa (s. oben), der Altar der Apsis gegenüber 
auf einem Bema an die Kirchenwand angelehnt wird. 
1 Denn die Theilung der Martyrerleiber 
ßecundum morem Graecorznn? (GREG. M. 
Ep. IV 30 ad Constantinam Imp.) war bis 
ins 6. Jahrhundert in Rom nicht üblich (vgl. 
Real-Encykl. II 687).  Vgl. die willkommene 
Zusammenstellung und Abbildung von Altar- 
confessionen bei Homrzmsnn a, a. O. S. 129. 
2 DE Rossl Roma sotterranea. I 140. 182. 
 Homznvunn a. a. O. S. 129. 
3 Vgl. Real-Eneykl. I 40.
        

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