Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885928
Erstes 
ebenfalls durch das Studium der in Paris angesammelten Bilder aus Italien 
und den Niederlanden angeregt, den Werken der kölnischen Schule und vor 
allem dem Kölner Dom seine Aufmerksamkeit zuwandte und damit wesentlich 
dazu beitrug, die Kunstgeschichte von den Höhen sehr unsicherer theoretischer 
und ästhetischer Erörterungen auf den fruchtbaren Boden der Einzelforschung 
herabzuziehen 1. 
Einfluss der Die Ausbildung des historischen Sinnes, wie sie sich seit Anfang unseres 
mfjäifflf" Jahrhunderts in der Philologie (F. A. Wolf, J. und W. Grimm, Hum- 
boldt) und der Geschichtswissenschaft (hier vor allem durch B. G. Niebuhr) 
vollzog, musste auch für die Kunstgeschichte die allergrösste Bedeutung haben 
und die der W inckelmannsehen Auffassung noch anhaftenden Mangel beseitigen. 
Es handelte sich vor allem um genauere Durchforschung der litterarischen 
und inschriftlichen Quellen, um aufmerksamere Beobachtung der die Kunst- 
werke bedingenden Unterschiede im Charakter von Völkern und Stämmen, 
der geographischen und klimatischen Verhältnisse. Ein zutreffendes Bild all 
dieser Erscheinungen war erst möglich, seit die Erleichterung des Verkehrs 
eine vollständigere Anschauung des gesammten Denkmälervorraths gestattete. 
Jetzt wurde allmählich die Bedeutung des 1832 von Ed. Gerhard auf- 
gestellten Satzes erkannt: ,Monu1nentorum artis qui unum vidit, nullum vidit, 
qui millia vidit, unum vidit." Von grösster Bedeutung war in dieser wie 
in vielen andern Rücksichten die Gründung des Instituts für archäo- 
logische Correspondenz in Rom, an welcher Bunsen (1791-1860) 
und Ed. Gerhard (1795-1867) den thätigsten Antheil hatten. Damit War 
einmal den antiquarischen Bestrebungen der Deutschen Mittelpunkt und Schule 
geschaffen; andererseits aber vor allem das feste Band geschlossen, welches 
seither die italienische und deutsche Alterthumsforschung zusammenhält; wir 
werden sehen, von welchem Werthe dies Band für die Begründung einer 
wissenschaftlichen christlichen Archäologie und Epigraphik sein konnte. 
Damit war der Boden bereitet, auf welchem sich die Schöpfung einer 
Kunstgeschichte der mittlern und neuern, also auch der christlichen Zeit, 
v.Rum0hr.VOllZlGl1eIl konnte. Karl Friedr. v. Rumohr (1785-4843) muss als der 
Begründer einer solchen bezeichnet werden. Sein Hauptwerk, die Jtalienischen 
Forschungen; (1827-1831), ist nicht nur auf einer vor ihm nicht erreichten 
Auffassung der mittelalterlichen und Renaissance-Denkmäler Italiens aufgebaut; 
es hat auch zuerst mit Glück und Energie auf die Nothwendigkeit hingewiesen, 
der Kunstgeschichte durch gewissenhafte archivalische Forschung eine ge- 
sicherte Grundlage zu geben, während die dem ersten Bande vorausgehenden 
Erörterungen über Theorie und Geschichte neuerer Kunstbestrebungen die 
bisherige Unklarheit über Natur und Idee, Ideal, Typus u. s. f. aufzuweisen 
und die Begrilfe richtigzustellen suchten 2. An Winckelmann und Lessing 
tadelt Rumohr, dass sie viel mehr von dem Eindruck einzelner Kunstgebilde 
des Alterthums als von einem ursprünglichen oder mit grosser Verstandes- 
schärfe abgesonderten Begriffe der Kunst ausgingen. Von hervorragender 
Bedeutung für die Werthschätzung der spätern Kunstentwicklung war der 
1 SULP. Bolssnnixr. Ansichten, Risse und 
einzelne Theile des Doms zu Köln. Stuttg. 
1821-1833. Münch. 1842; Denkmale d. Bau- 
kunst am Niederrhein vom 7. bis 13. Jahrh. 
Münch. 1830-1833; 2 1842. Vgl. seine Briefe 
in: Sulp. Boisseräe. 2 Bde. Stuttg. 1862. 
2 K. F. v. RUMOHR Ital. Forschungen. 
3 Bde. Berl. u. Stettin 1827i1831. Vgl. 
über den Verf. H. W. SCHULZ v. Rumohr, 
sein Leben und seine Schriften, mit einem 
Nachwort von O. G. CARUS. Lpz. 1844. P0121. 
in D. Biogr. XXIX, 661.
        

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