Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889444
Buch. 
Fünftes 
begann 536. Belisar nahm Ravenna 539 und Narses kam erst, nachdem 
S. Vitale beendigt war: man sieht, dass der Bau in die Zeit fallt, wo 
Justinian noch nicht Herr der Stadt war, und es liegt also gar kein Grund 
für die Annahme vor, dass ,Constantinopel bei den Baukosten kräftig nach- 
geholfen' habe. Sowol Ecclesius als namentlich Maximianus hatten Beziehungen 
zu Constantinope], und es ist also nicht unwahrscheinlich, dass sie von dort 
aus ebenso Anregungen empfingen als Künstler oder Material bezogen; be- 
wiesen ist das aber nicht, und da Ravenna seit mehr als 100 Jahren ein sehr 
ausgeprägtes und bedeutsames Kunstleben besass, liegt auch kein zwingender 
Grund vor, es anzunehmen. Vor der Kirche liegt eine Vorhalle, welche mit 
Rücksicht auf die Richtung der alten Strasse quer gestellt wurde. Dem acht- 
eckigen Mittelbau sind an sieben Seiten Halbkugeln angelegt, die achte Seite 
öffnet sich zu einem oblongen, in drei Seiten des Achtecks ausendenden Chor, 
der sich über den achtseitigen Umgang hinaus fortsetzt und auch die äussere 
Umfassungsmauer des Gesammtbaues durchbricht. Der Mittelbau hat auf jeder 
Seite ein grosses Rundbogenfenster, die Apsis am Chorschluss ein mächtiges drei- 
theiliges Pfeilerfenster. Das Gerüst des Innenbaues wird durch mit Archivoltcn 
verbundene Pfeiler gebildet. In der darüber mittelst Pendentifs ruhenden Kuppel 
sind über den acht Bogen acht zu zwei gekuppelte Fenster angebracht. Die 
halbrunde Kuppel ist in einer Spannweite von 7 m aus topfartigen Hohlziegeln 
hergestellt, welche Technik, aus dem Alterthum überkommen, hier ihre aus- 
giebigste Anwendung gefunden hat. Bei der Säulenbildung wird die Antike 
verlassen; es herrscht das Trichtercapitell vor, ein nach unten abgerundeter 
Würfel, dessen Wandungen Blattranken oder filigranartiges Flechtwerk zeigen. 
Die perspectivische Wirkung des Innenbaues ist ausserordentlich, wenn auch 
die Einheit des Systems durch den Chorbau unterbrochen ist. Ueber den gross- 
artigen Mosaikschmuck der Kirche haben wir anderwärts zu sprechen 1. 
In Gallien baute Sulpicius Severus das von Paulin von Nola (Ep. XXXII) 
besprochene, jetzt zerstörte Baptisterium in Primuliacum 2. Erhalten sind hier 
in Aix eine Taufkapelle mit oktogonem Mittelraum 3, und zu Riez, ebenfalls 
in der Provence, ein achteckiges Baptisterium, welches von einer quadrati- 
schen Umfassungsmauer umschlossen ist4. 
Ueber den Dom von Trier ist bereits das Nöthige gesagt worden. 
Am Littorale besitzt Salona ein isolirt liegendes Baptisterium 5. 
Die 'l'aufkirche in Navarin ist ein Sechseckö. In Thessalonich ist 
S. Georg ein noch dem 11.-55. Jahrhundert angehörender Rundbau mit halb- 
kugelförmiger Kuppel, dessen Innenmauer durch acht rechtwinklige Nischen 
gegliedert ist7 (Grundriss Fig. 298). Die übrigen Centralbauten der Stadt, 
S. Sophia, welches schon den Basilikalstil mit dem Kuppelbau verbindet 8, 
S. Eliasg und die Apostelkirchc (jetzt Moschee; 7. Jahrhundertßo, gehören 
bereits dem ausgebildeten byzantinischen Stil an. 
iDQäamcownr 1. c. pl. 233-6.  ISA- 
BELLE Edif. pl. 45-48.  HÜBSCH S. 49, 
Taf. 21. 22.  RAIIN 21.21. O. S. 59.  
DEHIO I 28, Taf. 4.  E1001 l. c. p. 41 sg. 
2 Vgl. AUGUSTI Beitr. I 154. 
3 Hüßson S. 106, Taf. 47 1-2. 
4 TEXIER and PULLAN l. c. pl. 10.  
ISABELLE 1. c. pl. 32.  DE LABORDE Les 
nmnuments de 1a France I (Paris 1817-1836) 
pl. 47. 
5 Bull. 1878, p. 108.  GARRUOCI Storia 
IV 96.  CARRARA Abhandl. der k. k. Aka- 
demie der Wissenschaften. II C1. 2, 1859. 
6 BLOUEL Exploration scientiüque de M0- 
räe I pl. 3. 4. 
" TEXIER 1. o. p. 143, pl. 28-34.  
KUGLER a. a. O. I 432. 
8 Tnxnsn l. c. p. 161, pl. 35-41. 
9 Ibid. p. 164, pl. 42 f. 
1" Ibid. p. 161, pl. 45-49.
        

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