Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1889145
Fünftes 
Buch. 
aber gewiss keine Germanen gewesen; der Geist der jungen Sieger war noch 
nicht im stande, etwas Selbständiges auf dem Gebiete der Kunst zu produ- 
ciren, er bediente sich einfach der vorgefundenen Kunstformen und Kunstmittel. 
Die in Frage stehenden Formen lassen sich wol alle anderwärts belegen und 
aus dem, was in der Antike gegeben war, herleiten. Damit soll nicht ge- 
leugnet sein, dass Muth und hoher Sinn der Auftraggeber den im Dienst der 
gothischen Königsfamilie arbeitenden Künstlern eine Quelle fruchtbarer ln- 
spirationen sein mussten, und dass die allgemeine architektonische Entwick- 
lung hier in der That Formen und Motive bedingt hat, welche als eine Ueber- 
leitung zu der Baukunst des Mittelalters erscheinen. Sind manche dieser 
Motive auch älter und ebenso anderwärts und in früheren Beispielen nach- 
weisbar, so sehen wir dieselben doch hier in einer so auffallenden Weise 
vereinigt, dass der ravennatischen Architektur des 5. und 6. Jahrhunderts 
  in der That ein ganz 
-2      
  l la spastische Charakter 
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  keiten sind zu bezeich- 
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Fig. 202. Fi  263. u- ?  19 ß" 
Kämpfer aus S. Vitale in Ravenii: lebung der äusseren 
(Aus Handbuch der Afßllltßktlll-Jääläglälgtgssenweiu Ausgiqmgu am. clasß Mauerüächen durch  
senen (s. oben); 4-. stär- 
kere Betonung des Aussenbaues, wie sich das u. a. in der Behandlung der 
grösser angelegten Fenster zeigt; 5. Einführung des für die äussere Physiog- 
nomie des Kirchenbaues so hochbedeutsanieii neuen Elements der Thürme, 
welche hier nicht, wie meist in Rom, quadratisch, sondern rund, mit ge- 
kuppelten Fenstern ausgestattet, aber noch immer nicht in den Organismus 
des Baukörpers eingezogen sind 1. 
geschosses, das mächtige Kranzgesims mit 
der Fülle des Sc-hwunges der tragenden 
Glieder sind hier vornehmlich einzuführen. 
Auch das Decorative, besonders an der grossen 
Platte des Kranzes, hat einen Ausdruck nor- 
dischen Sinnes, einen eigenen, strengen Ernst, 
welcher die vielleicht von den Byzantinern 
herübergenommene Form jenen Ornament- 
bildungen ähnlich gestaltet, die sich auf 
Schmuckgeräthen des nordischen Alterthuins 
findenf Das sind gewiss recht geistvolle 
Ausführungen. Aber was an der Rotonda 
charakteristisch ist, ist das Masscnhafte, das 
Colossale; den Eindruck der ,Flüssigkeit' und 
,Elasticität' scheint mir unser grosser Kunst- 
historiker in das Denkmal hineinzudichten. 
1 Vgl. für die Baugeschichte Ravennafs: 
v. QUAST Die altchrisblichen Bauwerke von
        

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