Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888933
Altchristliche Baukunst. 
Die heiligen Gestalten, welche von den Wänden auf ihn herabsahen; der Er- 
löser, der ihm gegenüber in der Apsis oder am Triumphbogen in feierlicher 
Majestät thronte: alles das gewann für ihn Leben, und sein eigenes geistiges 
Leben ward an dieser heiligen Stätte in eine Sphäre hineingerückt, welche 
hoch über dem gemeinen Dasein des Tages schwebte und deren Erinnerung 
noch lange Stunden in ihm nachklingen musste. Dem an die Reinheit der 
classischen Kunst des Alterthums gewohnten Auge fallen wol Ungleichheiten 
und Disharmonien in den architektonischen und plastischen Einzelformen auf: 
der sinkenden Römerzeit kamen solche wol kaum mehr zum Bewusstsein, 
und jedenfalls waren solche Mängel nicht stark genug, um die allgemeine 
Harmonie des Baues zu stören oder die alles Niedrige zerdrückende, die von 
Leid und Sünde beschwerte Menschenseele emporrichtende, befreiende, un- 
endlich trostvolle Gesammtwirkung dieses Heiligthums zu vermindern. Damit 
ist auch das Urteil über den ästhetischen und künstlerischen Werth Aesthcti- 
der Basilika gegeben. Man mag die Elemente derselben im einzelnen grössten-  
theils auf antike Vorbilder zurückzuführen im stande sein; als Ensemble ist 
sie jedenfalls eine höchst eigenartige Schöpfung "des christlichen Geistes und 
schon allein deshalb von grösster Bedeutung, weil sie die Grundlage und der 
Ausgangspunkt für die gesammte christliche Architektur kommender Zeiten 
und damit für die glänzendsten Leistungen geworden ist, die der menschliche 
Geist auf dem Gebiete der Construction wie der Decoration zu schaffen be- 
rufen war. Es war also wirklich, wie auch ein so berufener Beurteiler wie 
Schnaase zugestanden hat 1, eine grosse, künstlerisch wirksame That, die hier 
vollzogen ward, als das neue Gotteshaus der jungen Christengemeinde, wie 
eine plötzliche OEenbarung, unbemerkt aus dem Dunkel hervortrat. Der Werth 
und die Bedeutung dieser That wird nur von jener Seite bemängelt oder 
herabgesetzt, welcher alles das, was das Zeichen Christi trägt, der Herab- 
setzung oder Geringschätzung Werth erscheint. 
Die verschiedenen Schemata basilikaler Formen, welche bisher nach- 
gewiesen sind, lassen sich Weder zeitlich noch örtlich völlig auseinander halten. 
Sie folgen sich nicht zeitlich, sondern bestehen, zum Theil wenigstens, neben- 
einander, und sie sind auch Eigenthum der verschiedenen localen Gruppen, zu 
deren Betrachtung wir jetzt überzugehen haben. 
Als erstes und einfachstes Schema kann man das reine Oblongum 
ohne Ausbau, allenfalls mit Andeutung eines Querhauses, wie in Hidra, an- 
sehen; ein zweites, entwickelteres ist schon das Oblongum mit Querhaus 
und Atrium, ohne Apsis, wie in Henchir-Tikubai in Africa; ein drittes das 
sehr seltene einfache Oblongum mit Apsis, ohne Säulenstellung (wie in Ba- 
buda) 2. Es würden sich folgen: als viertes die dreischiffige Basilika 
ohne Querhaus (hl. Grabkirche zu Jerusalem, S. Agnese, S. Clemente in 
Rom); als fünftes die dreischifiige Basilika mit Querhaus; als sechstes 
die dreischifiige Basilika ohne Atrium, aber mit Vorhalle oder Loggia vor 
dem Eingang (S. Maria Maggiore, S. Maria in Trastevere, in ihrer ursprüng- 
lichen Anlage, und ebenso die ursprünglichen Anlagen von S. Agnese, S. Maria 
in Domnica, Basilica Sessoriana). Das siebente Schema wären dann die sogen. 
Basilikale 
Schemata. 
2 DE Vocüi: pl.
        

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