Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888905
Buch. 
Fünftes 
eonstantinische Uebung, dass die heiligen Bücher auch in dem Hause des 
Bischofs oder der Lectoren bewahrt wurden, wie uns das Optatus und die Acta 
purgationis öfter bezeugen, hat gewiss noch lange sich da erhalten, wo die 
Wohnung des Bischofs zugleich Bildungsstätte des jungen Klerus war. Aber 
bald musste sich das Bedürfniss einstellen, eigene Raume für umfangreichere 
und dem Publicum zugängliche Bibliotheken zu gewinnen. Auch dazu hatte 
man ein Vorbild in der antiken Basilika. A. Gellius (um 160) und Galenus 
(um 194) reden von der Bibliothek in dem Friedenstempel (Basilica Pacisj 
und auf dem Palatin. Bei den grossen christlichen Basiliken diente nun nicht 
mehr wie in den forensen die Eingangshalle zum Aufbewahren der Bücher, 
sondern man erbaute dazu eine eigene Kammer (Sacrariunz maius), wie 
am Vatican und Lateran und an der Hagia Sophia. Solch ein Arehivbau 
scheint es gewesen zu sein, den schon Damasus in Erinnerung an die ihm 
einst gewordene Unterweisung bei S. Lorenzo in Damaso zu erneuern beab- 
sichtigte, welchem die früher am Eingang gelesene Inschrift galtl und den 
dann Papst Hilarus (461-468) durch einen doppelten Bibliothekbau erweiterte 2. 
Der Thurm ist kein organisches Glied am Baukörper der altchristlichen 
Basilika. Wir begegnen seiner symbolischen Darstellung zuweilen auf den 
Reliefs und Mosaikens; als Grabmonumente kommen viereckige und mehr- 
stöckige Thürme besonders in der Umgegend von Pahnyra vor 4. In Ver- 
bindung mit Kirehenbauten begegnen uns Thürme zuerst in Syrien. Neben 
der Facade der im 4. oder 5. Jahrhundert gebauten Basilika in Tafkhaö stand 
ein dreistöckiger Thurm; die Basiliken von Kalb-Luseh (aus dem 6. Jahrhundert) 6 
und Turmani117 hatten zwei Frontalthürme, und am Chor der dem 4. Jahr- 
hundert angehörenden Kirche zu Has waren zwei Anbauten vorgesehen, welche 
wie die Chorthürmchen der spatern Zeit crseheinenß. Der Zweck dieser 
Thürme scheint der gewesen zu sein, die zu den Emporen führenden Treppen 
aufzunehmen. Hier also, und nicht im Todtencult, wie Weingärtner und Klein9 
gemeint haben, wird man vermuthlich den Ursprung unserer Kirchthürme zu 
suchen haben. Im Abendlande traten dieselben zuerst als Annexe von Central- 
bauten auf, wie in S. Lorenzo in Mailand 10, wo die ursprünglich um ein Ge- 
schoss die Seitenschiffsmauern überragenden viereckigen Bauglieder, welche 
in den vier Ecken zwischen den Apsidon geordnet sind, bereits den Charakter 
von Thürmen beanspruchen können; so auch in S. Vitale zu Ravenna (526-547), 
,Si quem sancta tenetmeditandi in lege voluntas, 
hie poterit residens saoris intendere libris." 
1 DE ROSSI Inscr. christ. II 135. 151. 
2 Lib. pontif. I (ed. DUcnEsNE) 263.  
Vgl. für (liegen Gegenstand jetzt CANGELLIERI 
De secretariis Basil. Vatic. I 325.  BING- 
HAM l. e. III 270.  AUGUSTI Handbuch I 391. 
 CAHIER Nouv. m61. (Tarch. IV (Paris 
1877) 47.  AUG. MAI Discorsi di argom. 
relig. (Roma. 1835) p. 56.  KRAUS Real- 
Encykl. I 153.  DE Rossl Bibl. della S. Sede. 
Roma 1384.  BIRT Ueber antikes Buch- 
wesen. Berl. 1884.  L. CASTELLANI Lc 
biblioteche neIF antichitä dei tempi piü ri- 
moti alla. iine dell'imper0 romano (Pocci- 
dente. Ricerche stor. Bologna 1884. 
3 ReaI-Encykl. II 865. 
4 DE VOGÜE l. c. I 2, 73, pl. '26. 
5 Ibid. p. 57, p]. 17. 
6 Ibid. p. 135, pl. 120-129. 
7 Ibid. p. 139, pl. 130-436. 
8 Ibid. pl. 65. 66. 
9 KLEIN Die Kirche zu Grossenlinden (Gies- 
sen 1857) S. 28.  WEINGÄRTNER Ursprung 
und Entwicklung des christl. Kirchengebäudes 
(Lpz. 1858) S. 136, Nr. 4; System d. christl. 
Thurmbaues. Göttingen 1860.  Dagegen 
UNGER Zur Geschichte der Kirchthürme (im 
Jahrb. des Vereins von Alterthulnsfreunden 
i. Rh. 1860, S. 21-64).  Kmscn in Real- 
Encykl. II S66.  UNGER und RICGI (Stur. 
delP arch. in Italia I [Modena 1857] 193) 
sehen, wol mit Unrecht, in den Thürmen 
Persiens und Indiens den Urtypus unserer 
Kirchthürme. 
w HÜBSGH Taf. 15 1.
        

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