Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888874
Altchristliche 
Baukunst. 
Fenster zur Durchsicht gebrochen (Fenestella confessioßzis) 1, und diese Bezeich- 
nung; ging auch auf die Fenster über, welche in der Vorderseite des Altares 
angebracht wurden, seit die Confessio (s. unten) mit den Gebeinen der Mar- 
tyrer unter dem Altare angelegt wurde. Dieses Fenster wurde dann mit 
einem durchbrochenem Marmorgitter (Transenna) verschlossen (vgl. das 11118 
erhaltene Beispiel aus S. Alessaudro bei Rom, Fig. 242). In den Katakomben 
haben sich mehrere derartige Fevzestellae erhalteng; zwei kamen jüngst in 
Africa zum Vorschein (eine Fenestella bifora mit der Inschrift: In deo sperabo 
mm timebo guid anichi faciat homo 3), und ein sehr schönes Exemplar bietet das 
altchristliche Haus der hll. Johannes und Paulus 4. 
In ihrer vollen Entwicklung gliederte die Basilika sich eine Reihe von 
Anbauten an, welche in einer nähern oder entferntern Beziehung zu den 
Zwecken der Kirche standen. 
An die Seitenschiffe lehnten sich vielfach Nebengebäude, wir würden sagen 
Kapellen, an, welche als Cubicula 5, Exedßrae 6, Oellael bezeichnet wurden und 
die wol meist einen quadratischen oder oblongen Raum darstellten, hier 
und da mit einer Apsis versehen. Cubicula dieser Art, zuweilen mit Ein- 
schiebung eines Durchgangs, fanden sich in Salona S, Palestrina 9, Tebessa 10 
und umgaben die alte St. Peterskirche (s. unten). Allmählich kam auch die 
Sitte auf, für ein hervorragendes Grab, der Hauptapsis gegenüber, an der 
westlichen Schmalseite eine Nebenapsis einzulegen, in welcher Disposition 
Holtzinger den Ursprung der in der romanischen Zeit üblichen Gegen- oder 
Doppelchöre zu erkennen glaubt 11. Solche Gegenapsiden bieten uns die Ba- 
silika zu Orleansville, deren Westapsis mit dem Grabe des Reparatus erst 
475 eingebaut wurde 12, und die Basilika zu Hermonthis in Aegyptenlß. 
Waren solche Cubicula von etwas reicherer Anlage, so bezeichnete man sie 
auch als Monasteria bezw. Ministeria. Von welcher Ausdehnung und Pracht 
mancher basilikale Complex War, zeigt die Beschreibung der Apostelkirche in 
Constantinopel bei Eusebius (Vita Const. IV 59), wo um die Hallen herum 
Gemächer für den kaiserlichen Hof, Bäder, Ruheplätze (lllvazapzrz-ipea, Mita- 
torie n 14), Wachthäuser eingerichtet waren. In gleicher Weise wird die Justi- 
nianische Marienkirche zu Jerusalem von Procopius (De aedif. Iust. V 6) mit 
ihrem Xenodochium und Hospital beschrieben, die sich an den grossen Platz vor 
dem Atrium anlegten. Aehnliche Veranstaltungen wurden ohne Zweifel auch 
anderwärts, wie vor der alten Peterskirche, in den syrischen Kirchen zu Tur- 
Anbauten, 
Exedrae, 
Cellae etc. 
1 Erwähnt bei Sozom. Hist. eccl. IX 2. 
Gnnu. Tnuon. De glor. conf. c. 37. 
2 Real-Encykl. I 483. 
3 Dn ROSSI Capsell. afric. p. 80. 
4 Vgl. P. GERMANO DI S. STANISLAO S. Eu- 
ticiano p. 384, tav. 9. 
5 PAUL. NOL. Ep. XXXII ad Sev.  Lib. 
pontif. 
6 Conc. Namnet. a. 608, c. 6. 
7 PAUL. NoL. Poem. XIX 478. 
8 Bull. Dalmat. 1880. 
9 Bull. crist. 1864, p. 24. 
w HYTREK ibid. 1882, p. 95. 
" Ueber den Ursprung und die Bedeutung 
der Doppelchöre (Beitr. zur Kunstgeschichte 
Iid. V. Lpz. 1881); Altchristl. Archit. S. 203. 
12 Rev. arch. lV 659.  Vgl. oben S. 272. 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. I. 
13 Deser. de Tlilgypte, Archit. I pl. 975-7. 
M Die Bezeichnung Mitatorizenz begegnet 
uns zuerst bei Tmconouus LEGTOR (Anfang 
des 6. Jahrhunderts) Hist. libri II. Unter den 
verschiedenen Deutungen des Wortes dürfte 
diejenige DUGANGEiS (Commentar. in Paul. 
Silent. p. 595) am annehmbarsten sein. Er 
sieht in dem lwtaforizem  nzotatorizz-zn, 
von motatunz, {Iä-rarov) eine Herberge. Solch 
ein Ruheplatz ist erwähnt im Lib. pontifl. 
Vit. Gregor. IV: ,Feeit etiam iuxta acolythi 
pro quiete Pontificis, ubi post orationes ma- 
tutinales vel missarum officia eius valeant 
membra soporari, hospitium pa-rvum, Sed 
honeste constructum et piCtüYiS ÖGCOPHVit 
eximiisf  Vgl. dazu Vita Synlmachi betr. 
St. Peter.  Weiteres s. Real-Encykl. II 399. 
20
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.