Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885859
Einleitflngi 
zu würdigen. Aber auch die glänzendsten Tage des Humanismus haben daran 
wenig geändert. Erasmus weilte in den Tagen Julius' II in Rom und ver- 
kehrte im Vatican; gleichwol verrathen seine Briefe nirgends davon, dass 
ihm die Thätigkeit Michelangelds und Raifaels einige Theilnahme abgelockt 
hatte. Luther verliess Rom, ohne auch nur oberflächlich von der Herrlich- 
keit jener Kunstepoche berührt werden zu sein.   
Das Auftreten der Reformatoren musste nach mehr als einer Seite die 
Kunstwelt berühren: einmal praktisch, insofern es jenen Bildersturm hervor- 
rief, welchem unzählige Kunstwerke Deutschlands, der Schweiz und der Nieder- 
lande zum Opfer fielen und gegen dessen Ausschreitungen Luther selbst Protest 
einlegte; dann durch die theoretischen und historischen Aufstellungen betrßffS 
der Bilder, ihres Cultes u. s. w., wie überhaupt betreffs des christlichen Alter- 
thums und des Mittelalters. Was in dieser Richtung seitens der Magdeburger 
Centuriatoren zum Erweise des Satzes, dass die ganze mittelalterliche Ent- 
wicklung nur ein Verlassen der alten christlichen Idee und Praxis darstelle, 
behauptet wurde, musste den heftigen Widerspruch der Katholiken heraus- 
fordern. Die Annalen Cesare Baronio's zeigen, dass im Zusammenhang 
dieser Controverse das Augenmerk sich nothwendigerweise den Denkmälern zu- 
wandte, aber das Interesse war doch nur ein dogmatisch-apologetisches; anti- 
quarische Tendenzen traten in den kirchlichen Kreisen erst starker auf, als 
das merkwürdige Ereigniss vom 31. Mai 1578 die Entdeckung der Roma 
sotterranea herbeiführte. Freilich waren es auch hier zunächst und in 
erster Linie religiös-kirchliche Absichten, welche die Nachforschungen leiteten. 
Aber die Bemühungen der Ciacconio, YHeureux und de Winghe 
Zeugen für das sofort erwachende Interesse an den Bildwerken selbst. Mit 
Antonio Bosio's Thätigkeit ward die Katakombenforschung geschaffen; sein 
eminentes Talent und die unvergleichliche Hingabe an das "Werk seines Lebens 
hätten der christlichen Kunstgeschichte schon damals eine gesicherte Grund- 
lage schaffen können, wäre seine 1632 durch Severano veröEentlichte ,R0rna 
sotterranea' nicht geschrieben worden, ehe durch die französischen Benedictiner 
Principien und Methode der historischen Wissenschaft einigermassen festgestellt 
waren. Bosio's Schöpfung konnte unter diesen Umständen den Einiiuss nicht 
ausüben, den die Bedeutung des Gegenstandes und das Genie dieses Forschers 
an sich gefordert hätten. Seine Nachfolger auf diesem Gebiete, die Bottari, 
Boldetti, Marangoni, wandelten im wesentlichen mit weniger Glück auf seinen 
Bahnen; die eigentlich kunstgeschichtlichen Gesichtspunkte traten hinter andern 
Absichten in ihrer Forschung zurück, und so kann es nicht überraschen, dass 
die im 18. Jahrhundert in Italien gegebenen Gesammtdarstellungen der christ- 
lichen Archäologie von Mamachi, Selvaggio, Pelliccial trotz ein- 
gehender Berücksichtigung der Denkmäler weit entfernt sind, eine Geschichte 
der christlichen Kunst anzubahnen. Unterdessen hatten freilich die Arbeiten 
der Mauriner in Frankreich die Quellenkenntniss ausserordentlich vermehrt, 
verbesserte Einsicht in die Methode gebracht und die historischen Hülfswissen- 
schaften geschaffen, ohne welche auch die Kunstgeschichte nicht bestehen kann. 
1 MAMACHI Origines et antiquitates chri- 
stianae. 5 voll. Romae 1749_1752; ed. alt. 
Romae, 6 volL, 1841-1851.  SELVAGGIO 
Antiquitates et origines ecoles. Summa. 
Venet. 1766; Aug. Vindel. 1767.  PEL- 
LICCIA De christianae Ecclesiae primae, me- 
diae et novissimae aetatis Politia. 3 voll. 
Neap. 1777; Vercell. 1780. 4 v01l.; edd. 
RITTER. et BRAUN, 2 voll., Coloniae 1829 
bis 1838.
        

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