Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888786
sie ging stellenweise so weit, dass man das FrauenschiH von dem der Männer 
durch Vorhänge schied. Die Aufsicht über diese Abtheilungen hatten ausser 
den Ostiariern namentlich die Diakonen und Diakonissen zu führen 1. 
Fenster. Die Liehtzufuh r wurde durch Fenster in den Oberwänden des Lang- 
hauses und wahrscheinlich auch in den Abseiten bewerkstelligt. Ueber die 
Anlage der letzteren zu urteilen, ist dadurch erschwert, dass durchschnittlich 
spätere Modificationen und zahlreiche Anbauten (schon Paulin von Nola spricht 
von je vier Oiobiczila an den Langseiten seiner Felixbasilika) den Zustand der 
Abseiten veränderten. tWo, wie im Orient, eine grössere Isolirung des Kirchen- 
gebaudes Sitte war, konnte man der Fenster in den Seitenschiifen nicht 
entrathen, und so sehen wir dieselben in den syrischen Bauten reicher ent- 
wickelt. In den Langhausmauern pflegten die Fenster, ziemlich hoch und 
breit, also grösser als in den romanischen Bauten, so in die Oberwande ein- 
gesetzt zu werden, dass je einer Intercolumnie ein Fenster entsprach. Eine 
Ausnahme von dieser Anordnung stellt die Basilika zu Bakusa in Syrien dar, 
wo, ohne Rücksicht auf die Säulen, die Oberlichter dichtgedrängt nebeneinander- 
steheng; anderwarts (in Kalat-Seman) entsprechen je zwei Fenster einem 
Intercolumnium 3. Ausser diesen Oberlichtern erhielt das Langhaus auch häufig 
Licht durch über dem Eingang an der Schmalseite angebrachte Fenster; hier 
werden ebenfalls schon neben den Lang- auch Rundfenster verwendet. Sonst 
sind die Fenster durchweg aus einem Rechteck mit halbkreisförmigem Abschluss 
gebildet. In syrischen Bauten sieht man auch Fenster mit geradem Sturz, 
der dann durch Halbkreisbogen mit Keilsteinen entlastet wird. Eine andere 
Ausnahme bieten die Facadenfenstei" der Schule von Spoleto, welche neben 
dem umrahmten Rundbogen auch gerades Gebälk mit Giebel als Fensterabschluss 
bietet (z. B. in S. Agostino) 4. Ob die in der Basilewskfschen Broncelampe uns 
entgegentretende Durchbrechung der Oberwand durch je 3 X 3 kleine oblonge 
Oeffnungen von der Wirklichkeit hergenommen ist oder einer Phantasie des 
Künstlers entsprang, ist jetzt nicht mehr festzustellen. 
Den Fenster-Verschluss bildeten im allgemeinen wol entweder durchbrochene 
Platten aus Stein (Olutri) 5 oder Holz 6. Ein Beispiel bieten S. Lorenzo fuori le 
mura und die Sophienkirche (Fig. 230 u. 231). Zuweilen ist die Durchbrechung in 
 eines Gitterwerkes hergestellt (Transenvzae), wie man das auf dem oben 
S. 279 und 293 erwähnten Sarkophag7 und heute noch in Torcello und S. Marco 
in Venedig sieht. Daneben wird wol häufig, wie jetzt noch in Italien, ein einfacher 
Verschluss durch vorgehangte Tücher oder Teppiche (Impamzata) gebildet 
(älasfenster. worden sein. Glasfenster werden auch schon seit dem 4. Jahrhundert er- 
wähnt S, scheinen aber doch nur selten und theuer gewesen zu sein. Die 
früheste Erwähnung m ehrfarbiger F enster fällt in die karolingische Zeit. 
Unter Fenestrae gyjpseae hat man wol ganz dünn geschliffene Verschlüsse aus 
Feldspat oder Alabaster zu verstehen, welche wol etwas Licht, aber keine 
Luft zuliessen. Vielleicht wurden auch neben diesen Verschlüssen durch durch- 
Somn. de tompio Anast.  Auch die Kaiserin 
nahm in der Hagizx Sophia ihren Platz auf 
der Empore (EUAGR. Hist. eccl. IV 31). 
1 Const. Apost II 57. 58. 
2 Vgl. HOLTZINGER a. a. O. Fig. 51. 
3 Ebd. Fig. 52. 4 Ebd. Fig. 54. 
5 Erwähnt in einer Inschrift bei ORELLI- 
HENZEN n. 6588. 
6 Eusmz. Hist. ecc]. X 4, 42. 
" BOSIO p. 87. Giuuwcitl Tav. 323 5. 
3 LAUT. De opif. Dei c. 8.  Von Fenster- 
verschluss aus Glas bei kirchlichen Bauten 
reden HIERON. (Ad Ez. 41, 16), PRUDENT. 
(Peristeph. XII 53  VENANT. FORTUN. 
(Poem. II 11), GREG. TURON. (Hist. Franc. 
VII 29).
        

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