Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888721
Ftlpftes Bug; 
kehrten Aufsetzen von Capitellen, eine gewisse Vernachlässigung des plastischen 
Elementes. Die römische Kunst hatte der Reihe nach alle antiken Säulen- 
ordnungeu, die tuskisch-dorische, die ionische, die korinthische, in ihren Dienst 
gezogen und in der Composita-Ordnung und schliesslich in dem durch Ein- 
setzen von Thier- und Menschengestalten, Köpfen, Trophäen in diese aus 
korinthischen und ionischen Elementen gebildete Composita erzeugten Phantasie- 
capitell sich gefallen. Mit gewissen Modificationen sind alle diese Ordnungen 
in die kirchliche Architektur übergegangen bezw. gelegentlich in ihr ver- 
werthet worden (vgl. Fig. 222 u. 223). So fällt bei dem Fuss der Säule zu- 
weilen die Basis fort (die übrigens jetzt oft unter dem später erhöhten Boden 
liegt); die Schafte sind meist uncannelirt, wenn hier auch bemerkenswerthe 
Ausnahmen (S. Paolo fuori le mura, S. Sabina, S. Pietro in Vincoli u.  f.) 
vorkommen. Dem Phantasiecapitell der ausgehenden Kaiserzeit entspricht das 
Einrücken christlicher Symbole, des Monogrammes Christi, des Kreuzes, des 
Namenszugs des Stifters u. s. f. in das Laubwerk oder zwischen die Voluten 
des Capitells, namentlich in Syrien, wo dieses Motiv sich grosser Beliebtheit 
erfreute (vgl. Fig. 224 u. 225). Seit man in Ravenna oblonge Bogenanfänge auf 
die Säulen zu setzen anfing, bürgerte sich, zur Ableitung dieser Last auf die 
Säulenachse. ein neues Glied, der Kämpfer, ein, welcher zwischen das Capitoll 
und den Bogenansatz eingeschoben wurde (Fig. 226). 
Die Verbindung von einer Stütze zur andern wurde entweder durch ge- 
rades Gebälk (Architrav, Fries und Gesims, zuweilen unter Anwen- 
"dung von Flachbögen zur Entlastung) hergestellt oder durch den Bogen- 
sohla g von Säule zu Säule (Archivolte). In der frühern römischen Archi- 
tektur hatten Säulen nur gerades Gebälk zu tragen, und die Bogen, welche 
man in ihre Intercolumnien stellte, kamen auf eigene Pfeiler zu ruhen. Auf 
diese Weise liefen gewissermassen zwei Constructionen nebeneinander. Es war 
eine Abkürzung dieses Verfahrens, als man zum erstenmal im Peristyl des 
Diocletianischen Palastes zu Spalato und an den Blendarcaden über dem Ein- 
gang der Porta aurea daselbst Bogen unmittelbar auf Säulen setzte. Das 
gleiche Motiv war an den 305 vollendeten Thermen des Diocletian in Rom 
und am Bogen des Galerius in Saloniki verwendet. Man hat diese Neuerung- 
als eine speciiische Erfindung der römischen Kunst gepriesen und den Bogen- 
schlag über der Säule als die eigenste That der Römer in der Architektur 
erachtet. Indessen hat jüngst R. v. Schneider nachgewiesen 1, dass, wenn 
auch in einer etwas andern Form, die Verwendung der Säule als Träger der 
Archivolte schon viel früher in griechischen und orientalischen Gebäuden 
(Wie im 1. Jahrhundert n. Chr. in Nicäa, am Praetorium der syrischen Stadt 
Phaöna, in dem unter Antoninus Pius errichteten Tempel des Sonnengottes zu 
Baalbek und anderwärts) auftritt. Diese neue Lösung war in der That ein 
werthvolles Vermächtniss, welches die christliche Kunst von dem sinkenden 
Heidenthum übernahm. Es wird für die altchristliche Basilika charakteristisch, 
wenn auch in ihr der Architrav sich noch daneben erhält. Aber von der alt- 
christlichen Architektur übernahmen es die Sarazenen und bald auch die natio- 
nalen nordischen Stile, in denen es, in Verbindung mit dem Gewölbebau, erst 
seine volle Bedeutung gewinnt. Man hat schwere theoretische Bedenken gegen 
die Neuerung vorgebracht und sie mit den Gesetzen der Schönheit in Wider- 
spruch gefunden (so auch noch Real-Encykl. I 124). Aber man sollte auch nicht 
Kämpfer. 
Architrav 
und Bogen 
schlag. 
Kunstgeschiclmtliche 
Oesterreich-Ungarn 
Charakterbilder aus 
45 f.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.