Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885840
Erstes Buch. 
Das sind die Phasen innerer Entwicklung, in welchen sich die christliche 
Kunstgeschichte abspielt. Die letztere aber fassen Wir als die Geschichte 
der menschlichen Phantasie, insoweit sie durch das Christen- 
thum befruchtet sich auf dem Gebiete der bildenden Kunst 
ausgestaltet hat. Sie ist zugleich eine Geschichte der christlichen Ge- 
sellschaft, insoweit sich dieselbe auf diesem Boden der bildenden Kunst 
bewegt hat, also ein Theil der allgemeinen Kunst- wie Kirchengeschichte. 
Die Phantasie bezieht aber ihre Nahrung wesentlich von den Thatsachen des 
Gemüthes; daher der nothwendige innige Zusammenhang zwischen Kunst und 
Religion. Der Verstand kommt dabei erst in dritter Linie als Ordner, zu- 
weilen auch als Zerstörer des Entstandenen in Betracht. 
Quellen Die unmittelbaren Quellen unseres Gegenstandes sind selbstver- 
äfscllffcäiä ständlich die Kunstwerke selbst, und als mittelbare kommen dann zu- 
nächst Verhandlungen, Acte, Contracte, Rechnungen in Betracht, welche sich 
auf Entstehung und Bestellung der Denkmäler beziehen. Gleichzeitige oder 
zeitgenössische Aufzeichnungen, der Briefwechsel der Künstler, Kunstfreunde 
und Mäcenaten, Inventare und Reiseberichte bilden die nächste Classe von 
Zeugnissen, denen dann die archäologische und kunstgeschichtliche Litteratur 
erst folgt, mit mehr oder weniger zuverlässigen Darstellungen, welche, wie 
das die Natur der Sache bedingt, erst von da ab einen streng wissenschaft- 
lichen Charakter beanspruchen kann, wo die historische Kritik ausgebildet und 
methodisch geübt wird. 
Geschichte Das wissenschaftliche Interesse an der Kunstgeschichte erhebt sich über- 
Stugfsma haupt erst, seit die Kunst selbst von ihrer Höhe herabzusteigen beginnt (Mitte 
des 16. Jahrhunderts). Doch eilte das Interesse am Alterthum dem voraus, 
welches sich auf die Gesammtentwicklung richtet: die antiquarische Liebhaberei 
und die Theilnahme für die Denkmäler bestand längst, ehe das historische 
und ästhetische Interesse sich geltend machte. Sowenig diese Dinge ins Bewusst- 
sein des Mittelalters traten, so war doch auch dieses nicht aller Theilnahme 
an den Monumenten bar, namentlich da, wo sie geeignet schienen, grossen 
Erinnerungen der Vergangenheit oder beliebten Volksvorstellungen als, Stütze 
zu dienen 1. Von Zeit zu Zeit hatten hervorragende Begebenheiten, wie der 
Streit über die Bilder, die Kreuzzüge und die Eroberung Constantinopels (1204), 
die Aufmerksamkeit den Kunstwerken in etwas verstärktem Masse zugewandt; 
Geschichtschreiber wie Dichter gehen schon seit dem karolingischen Zeitalter 
nicht mehr völlig achtlos an Monumenten und Inschriften vorüber. Aber zu 
mehr als einer gelegentlichen Berücksichtigung hat es das Mittelalter nicht 
gebracht; und mehr können wir leider auch nicht bei den bedeutendsten Ver- 
tretern der humanistischen Bewegung constatiren. Der beste Theil von 
Petrarca's Bewunderung gilt nicht den christlichen, sondern den profanen 
Denkmälern des alten Rom, und das gleiche lässt sich für das ganze 14. und 
15. Jahrhundert sagen: die Lionardo Bruni, Poggio, Alberti, Tra- 
versari, Ciriaco d'Ancona haben zunächst nur eine ausgesprochene Theil- 
nahme für die Reste römischen und bald auch griechischen Alterthums. 
Pomponio Leto und seine Freunde von der sogen. römischen Akademie 
versammelten sich in den Tagen Pauls II in den Katakomben von S. Callisto, 
ohne dass es ihnen einiiel, die Gemälde dieser unterirdischen Welt eines Blickes 
Quellen 
der Kunst- 
geschichte. 
1 Den eingehenden Nachweis dafür liefert 
Fmm. PIPERS Einleitung in die Monumentale 
Theologie. Gotha 1867. Vgl. auch DE ROSSI 
im Bull. de11' Inst. di corr. arch. 1871, p. 1.
        

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