Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888672
Baukunst. 
Altohristliche 
des römischen Hauses entsprach. Auf verschiedenen der alten Abbildungen, 
Welche wir oben erwähnt haben, sieht man diese Vorhalle mit Vorhängen 
( V ela) halb verhängt, welche, wie es scheint, an Eisenstangon befestigt wurden. 
Es gab bei grossen Kirchen mehrere solcher Vorhallen mit Eingang; bei 
kleineren werden sie regehnassig gefehlt haben. In der griechischen Kirche 
nannte man dieses Bauglied Narthex (Felrula): nach den Einen, weil er Aufent- mal-wer. 
halt der Büssenden gewesen sein soll, über welche der Diakon mit seiner Ruthe 
(der ferula), dem Abzeichen der kirchlichen Iurisdiction, die Aufsicht führte, 
oder weil die schmale Gestalt dieser Halle sie-einer Ruthe aus Pfriemenkraut 
gleich machte  Andere haben, um den Ausdruck zu erklären, an vapüizzou, 
Kästchen, gedacht. Iin allgemeinen nahm man bisher an, dass der Narthex 
eine Eigenthümlichkeit der byzantinischen Kirchenbaukunst sei und in den 
abendländischen Basiiiken durchweg fehle. Ganz zutreffend ist dies nicht. 
Die afrieanischen Basiliken hatten zum grössern Theil einen Narthex gleich den 
griechischen 1, und in den lateinischen diente ein Flügel der Porticus des Atriums 
vielfach als Narthex. Reste eines Atriums sind die Hallen von S. Maria in 
Trastevere und S. Lorenzo fuori le mura. Eine ganz besondere Ausbildung 
erhielt die Säulenvorhalle in den Basiliken Centralsyriens; so in den prächtigen 
Loggien von Turmanin, Kalb-Luseh, Babuda und anderen. In dem Gesammt- 
eindruck berührt sich hier diese syrische Architektur auffallend mit den Bauten 
des Mittelalters. Auch die mittelalterliche Sitte, am Eingang der Kirche die 
Armen zu speisen bezw. mit Almosen zu versehen, geht ins christliche Alter- 
thum hinauf, wo der Narthex schon zu ähnlichem Zwecke diente 2. Griechische 
Autoren, wie Paulus Silentiarius und Goar, unterscheiden einen innern und 
äussern Narthex. Man kann annehmen, dass jener die nach dem Schiff zu 
liegende, dieser die vor dem Atrium geordnete Halle (auf unserm Plan 
Fig. 217 ZZ) war. Die Eingänge zum Narthex waren durch hölzerne oder erz- 
beschlagene Thüren (Iavwae bifores) geschlossen, an denen uns nach Dobberts 
Annahme in der berühmten Thüre von S. Sabina ein Exemplar überkommen ist. 
Dass die Büssenden der zweiten Classe, die Audientes, wirklich in dem 
Narthex ihre Aufstellung fanden, ist eine auf mehrere Aeusserungen von 
Kirchenvätern gestützte Ansieht 3, gegen welche allerdings neuestens geltend 
gemacht wurde, dass die Audientes wie auch die Nichtchristen, denen das 
Anhören des Wortes Gottes gestattet wurde 4, in einem von dem Langhaus 
abgeschlossenen Raume doch die Predigt nicht verstehen konnten 5. Es ist 
wol anzunehmen, dass die Audientcs und die Geiztiles nur da auf die Vor- 
halle beschränkt wurden, wo diese nur durch ein Gitter, nicht durch eine 
Mauer von dem Schiff getrennt war. 
Die Thüröffnun gen der Basiliken waren meist von oblonger Gestalt Thürcn. 
und mit geradem Sturze gedeckt, der in Syrien zuweilen durch einen aus 
1 Vgl. die oben (S. 275) angeführten Bei- 
spiele aus ,M61. d'arch. et d'histoire' XVI 
(1894) 57. 60. 62, und GSELL Note sur 1a 
lflasiliquo de Sertci (in ,M6l. G. B. de Rosa? 
[Rome 1892] p. 350). 
l läöVgl. KREUSER Der christl. Kirchenbau 
3 Const. Apost. VIII 5.  BASIL. M. Ep. 
Cün. c. 57.  GREG. NYss. Ep. ad Let. 
c. 5. 
4 Oonc. Carth. lV-c. 64: ,Ut episcopus 
nullum prohibeat ingredi ecclesiam et audire 
Verbum Dei, sivc gentilenl, sive haereticuin, 
sive Iudaeum, usque ad missam catechunic- 
norumf Auch diese Stelle spricht im Grunde 
nicht gegen, sondern für unsere Ansicht; 
denn die Ausweisung der Gentiles u. s. f. 
am Schlusse der Missa catech. war doch nur 
dann möglich, wenn sie sich in einem von 
dem Körper der Gläubigen abgeschlossenen 
Raume befanden. 
5 Honrznvann Altchristl. Archit. S. 29.
        

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