Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888664
Fünftes Buch. 
aber gewiss auf jenen Blumenschmuck der Gräber Einfluss ausübten, von dem 
der Dichter spricht: ,N0s tecta. fOUCÖÄHINS ossa violis et fromyle fireqzeentf (PRUDENT. 
Cath. v. 169). Demgemäss lesen wir im Liber pontiücalis, dass Constantin d. Gr. 
dem Bischof Marius für das Coemeterium der hl. Balbina einen lilmzdus rosarizas 
schenktel. Kein Zweifel, dass den Christen bei Anlage eines solchen Gepo- 
taphiuviz die Erinnerung an den Garten vor-schwebte, in welchem das Grab 
des Erlösers angelegt war (Joh. 19, 41). Die Spuren dieses Gartens zeigte 
man noch im 5. Jahrhundert, und Cyrillus von Jerusalem (Catech. XIV 3) 
vergleicht ihn mit dem ,Paradies' in Eden. Den seligen Sitz in Eden, im 
Jenseits, dachte man sich, wie die Katakombenbilder ihn stets schildern, als 
einen Garten mit blühenden Blumen und Gestrauch. S0 wuchsen die Begriffe 
zusammen 2. Einige Atrien waren mit Baumen besetzt3; doch scheint dies 
keineswegs allgemein der Fall gewesen zu sein, denn schon das Atrium vor 
St. Peter in Rom war nach dem Zeugnisse des Paulinus von Nola4 und des 
Paulus Diaconus mit Marmor belegt, obgleich es den Namen Paradiszrs trug, 
der gerade hier zum erstenmal in diesem Sinne uns begegnet 5. Den Garten 
vor der Kirche erwähnt dagegen zuerst die jüngst aufgefundene ,Pereg'rinatio 
Silviae ad loca sancta' (p. 11: Ante ipsmn autenz ecclesianrz hortus est gratissi- 
mus habens aguam optilnzaazn abundantevn, "in guo horto ipse rubus est). Seit 
dem frühen Mittelalter (für St. Peter wissen wir es aus Lno Osr. II 9) wurden 
diese Atrien auch zu Begrabnissen verwendet, womit der spätere ,Kirchhof' 
und ,Gottesacker' gegeben War. Auf der Area des Atriums wurden dann weiter 
auch die Taufkirche aufgestellt, über welche wir seiner Zeit zu sprechen 
haben und die sich schon auf dem obenerwähnten, von Bosio abgebildeten 
Sarkophagrelief findet. Diese Anlage hat sich noch lange bis ins Mittelalter er- 
halten, in welchem noch eine Reihe von dem hl. Johannes dem Täufer gewid- 
meten Baptisterien neben oder vor den bischöflichen Kirchen stehen. Im allgemei- 
nen aber rückte in den kleinen Kirchen die Taufkapelle bezw. der Taufstein 
im Mittelalter in den Eingang der Kirche selbst, wie auch der Cantharus des 
Atriums allmählich unter dem Einflusse veränderter klimatischer Bedingungen 
zum Weihwasserstein wurde, den man an den Pforten des Heiligthums aufstellte. 
n, Einlass zur Basilika gewährten die Propyläen (Portiicus, Upörrulla, [Ipri- 
uaog) 6, eine Vorhalle mit Saulenstellung, deren Innenraum dem Impluvium 
1 Vgl. Bull. 1867, p. 4. 
2 Vgl. DE Rossl Roma sottorranea III 480. 
3 Vita s. Marthae, matris s. Symeonis iun. 
e. 7, n. 57 (Act. SS. Boll., Mai. V 428). 
4 Ep. XIII ad Pammach, ed. Par. (1685) 
p. 74: ,quaque praetexto nitens atrio, fusa. 
vestibulo est; ubi cantharnln ministra ma- 
nibus et oribus nostris fluenta ructantem, 
fastigiatus solide aere tholus ornat et in- 
umbrat, non sine mystica specie quattuor 
columnis salientes aquas ambiensf 
5 PAUL. DIAG. V c. 31: (Dominus) ,eccle- 
siae loeum, qui paradisus dicitur, ante basili- 
cam s. Poti-i candidis Iapidibus marmorois 
miriüce stravitf  Vgl. weitere Belege in den 
Noten zu PAUL. NOL., ed. Par. App. p. 39. 
6 Für den Eingang in ein Gebäude findet 
sich bei den Alten auch die Bezeichnung 
Ihnen (C10. De natur. deor. H27), die aber 
zuweilen auch das ganze Gebäude begreift 
(SALV. De gubernat. VI 17. Ln BLANT 
Inscr. chret. de Ia Gaule N0. 31, v. 29). 
Im engern Sinn bedeutet Zi-mren die Schwelle, 
welche die Heiden beim Betreten des Tem- 
pels (TIBULL. I 5, 41. ARNOBIUS I 49. 
AMM. MARCELL. XXV 8) und ebenso die 
Christen beim Betreten der Basiliken küssten 
(PAUL. NOL. Nat. s. Fel. III 39; VI 250 bis 
252, wozu Muimronfs Anmerkungen n. 233 
und 257). Davon übertrug man den Aus- 
druck auf die ganze Pforte (PAUL. NoL. 1. c. 
III 98) ; man nannte auch Zinmn supvriux den 
Thürsturz (Gene. TÜR. Glor. niart. o. 61). Im 
Sinne des ganzen Eingangs nimmt L1: BLANT 
mit Recht die Inschrift: ,Da0 et Christa mi- 
se-rante Ihnen hoc colloczritzun esf, in Nar- 
bonne (445; Inscript. chret. de 1a Gaule 
N0. 607).
        

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